Nils-Ole wer? Als am Montag aus den Spekulationen Gewissheit wurde und Borussia Dortmund die Verpflichtung von Nils-Ole Book bekannt gab, war die Überraschung rund um den Borsigplatz groß – zumindest auf den ersten Blick.
Keiner ahnte, was aus diesem jungen Zweitliga-Trio später werden sollte
So viel BVB steckt in Book
Denn im Umfeld von Top-Teams aus der Bundesliga war dieser Name noch nicht so geläufig. Schaut man aber auf seine bisherigen Meriten als Verantwortlicher des Zweitligisten SV Elversberg, wird schon deutlicher, warum sich der BVB für den 40-Jährigen aus der Provinz als Nachfolger des freigestellten Sebastian Kehl entschieden hat.
Mit Paul Wanner, Younes Ebnoutalib, Fisnik Asllani, Muhammed Damar und nicht zuletzt Nationalstürmer Nick Woltemade lotste er einige der größten Talente im deutschen Fußball in den vergangenen Jahren nach Elversberg.
Mittlerweile ist der Klub aus dem Saarland trotz einer weiteren starken Saison in der 2. Bundesliga zu klein geworden für dieses Quintett – und auch den Vater des Erfolgs zog es weiter. Book nimmt mit dem Sportdirektor-Posten beim BVB die nächste Herausforderung seiner Karriere an.
Dass er nun in Dortmund gelandet ist, ist aber aus einem anderen Grund logischer, als es zunächst den Anschein gehabt haben mag.
Oliver Müller: „Book ist großer BVB-Fan“
Book ist nur 60 Kilometer von Dortmund entfernt – in Beckum – geboren und aufgewachsen. Dort wurde er schon früh mit dem schwarz-gelben Virus infiziert.
„Book ist Westfale, ist in Beckum geboren und ist großer BVB-Fan“, weiß auch BVB-Reporter Oliver Müller, der in der jüngsten Ausgabe des Podcasts „Die Dortmund-Woche“ auf die enge Verbundenheit Books zum BVB verwies.
Book machte sich vor allem in jüngerer Vergangenheit als Talentspäher für die SV Elversberg einen Namen. Als er 2017 als Nachwuchs-Scout in Elversberg anheuerte, spielten die Saarländer noch in der viertklassigen Regionalliga.
In den folgenden Jahren setzten der Verein und Book praktisch parallel zu einem beeindruckenden Höhenflug an. Während die SVE direkt von der vierten über die dritte in die zweite Liga marschierte, stieg Book vom Scout zum Sportvorstand auf.
Book wurde als 18-Jähriger Profi in Ahlen
Dabei hatte er auch als aktiver Fußball-Profi den ein oder anderen Erfolg vorzuweisen. Als Mittelfeldspieler erhielt er 2004 im Alter von 18 Jahren einen Profivertrag bei LR Ahlen.
In der folgenden Saison entwickelte er sich beim damaligen Zweitligisten zum Leistungsträger und erzielte drei Tore. Damit empfahl sich Book für einen Wechsel zum Ligarivalen MSV Duisburg.
Mit den „Zebras“ stieg er nach nur einem Jahr in die Bundesliga auf und feierte damit den größten Erfolg seiner aktiven Laufbahn.
Nachdem seine Karriere beim MSV ins Stocken geraten war, kehrte er zurück nach Ahlen, wo sich seine Wege mit denen von zwei späteren BVB-Stars kreuzen sollten.
In der Zweitliga-Saison 2008/09 spielte er mit Marco Reus (damals 19) und Kevin Großkreutz (20) zusammen. Reus und Großkreutz bildeten damals unter dem heutigen Frauen-Nationaltrainer Christian Wück die offensive Flügelzange. Book spielte im offensiven Zentrum und bereitete speziell am Ende der Saison – nach einem Trainwechsel von Wück auf Stefan Emmerling – zahlreiche für den Klassenerhalt wichtige Tore vor.
Für die beiden berühmten Weggefährten erwies sich die Saison als wegweisend: Reus wechselte nach dieser Spielzeit zu Borussia Mönchengladbach und wiederum drei Jahre später nach Dortmund. Großkreutz ging direkt aus Ahlen zum BVB und wurde mit den Dortmundern – im Gegensatz zu Reus – zweimal Deutscher Meister.
Für Ahlen war die Großkreutz-Reus-Saison die letzte in der 2. Bundesliga: Im Jahr darauf folgte der Abstieg in die 3. Liga, eine weitere Saison später der Sturz in die Regionalliga und die Insolvenz. Danach ging auch Book.
Auch Hummels spielte schon mit Book zusammen
In seinem einzigen U21-Länderspiel, das Book 2007 bestritt, stand er mit einer weiteren BVB-Größe auf dem Platz. Mats Hummels erwähnte am Rande eines Events von Magenta am Montag als „kleine Rand-Info“, dass er zusammen mit Book in dem Team stand, das gegen die Schweiz mit 4:0 gewann. Der damalige Coach Dieter Eilts wechselte Book als Joker in die Mannschaft ein, zu der unter anderem auch Dennis Aogo, Andreas Beck und Rouwen Hennings gehörten.
Während Hummels sieben Jahre später Weltmeister wurde, war Book nach seiner Station in Ahlen noch sechs Jahre für Wehen Wiesbaden aktiv, bis er 2017 seine aktive Karriere beendete.
In seiner zweiten Karriere hat er sich innerhalb kürzester Zeit einen so guten Ruf erworben, dass er nach Medienberichten schon bei einigen Bundesligisten auf dem Zettel stand.
Doch Book pokerte. „Eine Ausstiegsklausel“, das weiß SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer, „galt nur für Borussia Dortmund“.
Das Pokern und die Geduld haben sich nun ausgezahlt.