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Gegen den FC Bayern gelang ihm das Spiel seines Lebens - zwei Wochen danach folgte das Drama

Das Spiel seines Lebens

Markus Feldhoff gelang 1997 für Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern eine Sternstunde. Zwei Wochen danach folgte ein nachhaltiger Karriere-Knick. Bei SPORT1 erinnert er sich.
Markus Feldhoff bejubelte gegen den FC Bayern das Spiel seines Lebens
Markus Feldhoff bejubelte gegen den FC Bayern das Spiel seines Lebens
© IMAGO / Team 2
Markus Feldhoff gelang 1997 für Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern eine Sternstunde. Zwei Wochen danach folgte ein nachhaltiger Karriere-Knick. Bei SPORT1 erinnert er sich.

Markus Feldhoff hat auch fast 30 Jahre später noch alle Fakten im Kopf. Dass es ein regnerischer Sonntagabend war, dass das Spiel von Sat.1 übertragen wurde - und dass er überraschend zum Einsatz gekommen sei. Die gesetzten Stars Ulf Kirsten und Erik Meijer waren nach Verletzungen nicht ganz wiederhergestellt und mussten auf die Bank.

Feldhoff weiß auch noch, wie oft er in jener Saison in der Startelf gestanden hat, „neunmal“, und dass es damals sein 127. Pflichtspiel in einer der ersten beiden Ligen gewesen sei. Faktencheck: alles korrekt!

In der Bundesliga kam er an diesem 9. März 1997 zum 90. Mal zum Einsatz, die Worte von Trainer Christoph Daum vor Spielbeginn noch im Ohr: „Ich bin davon überzeugt, dass du mehr Tore schießen kannst als Erik Meijer.“

Es gab keine bessere Bühne, den Nachweis dafür anzutreten. Leverkusen gegen die Bayern – das war 1997 ein Spitzenspiel – Dritter gegen Erster – in einem Titelrennen mit vier Mannschaften. Andere Zeiten.

Besondere Bedeutung für heimlichen Bayern-Fan

Für Feldhoff war alles umso bedeutender, da er ein heimlicher Bayern-Fan war, der als Kind ein von der Mutter mit Rummenigges Namenszug verziertes Trikot getragen hatte. Er sei übrigens „immer noch Sympathisant“ des Rekordmeisters, lässt er im Gespräch mit SPORT1 wissen. Das musste er damals natürlich mal für 90 Minuten vergessen – und das gelang ihm ziemlich gut.

Mit vielem war zu rechnen an diesem Tag, aber nicht damit, dass die Bayern unter dem italienischen Trainer Giovanni Trapattoni eine solche Packung bekommen würden. Sie waren nicht nur Tabellenführer, sondern hatten auch die mit Abstand wenigsten Gegentore (17 nach 20 Spielen). Kein Wunder, im Tor stand Oliver Kahn, die Abwehr organisierte Lothar Matthäus, davor stand Europameister Markus Babbel.

Doch an diesem Tag waren sie nicht wiederzuerkennen. Sie wurden von Leverkusen schier überrollt, schon zur Pause schien alles entschieden. Kahn hatte früh Grund zu toben, denn der spätere Münchner Paulo Sergio traf bereits in der 3. Minute.

René Rydlewicz (37.) und dann Feldhoff (43.) sorgten für einen schier sensationellen Pausenstand von 3:0. An sein erstes Tor erinnert er sich so: „Carsten Ramelow wollte wohl aufs Tor schießen, ich bin reingegrätscht.“ Er nahm dazu den linken Fuß.

Beckenbauer: „Müssen aufpassen, dass sie nicht untergehen“

Keine Vorlage aus dem Lehrbuch, aber „an diesem Tag kam einfach alles zusammen“. Alles Gute für Bayer 04 nämlich, alles Schlechte für die Bayern. Deren Präsident Franz Beckenbauer nannte die Vorstellung seines Teams „desolat“ und warnte: „Die müssen aufpassen, dass sie nicht untergehen.“

Leverkusens Fans flippten vor Freude aus, Daum und Manager Reiner Calmund beruhigten diejenigen, die Kahn übermütig mit Sitzkissen beworfen hatten.

Dann wurde es noch einmal spannend, kampflos gab sich der Rekordmeister nicht geschlagen. Christian Nerlinger (64.) verkürzte und Mario Basler (71.) stellte mit einem seiner typischen Freistoßtore auf 2:3.

Als es eng wird, dreht Feldhoff auf

Nun kam der größte Auftritt in der Karriere des Stürmer-Talents Markus Feldhoff, der die Partie binnen vier Minuten endgültig entschied (80., 84.).

Das 4:2 fiel nach einer Ecke, als er den Ball mit rechts im Getümmel an Kahn vorbeistocherte. Das 5:2 war vermutlich irregulär, „da war ich mit der Hand dran, Olli Kahn hat gleich reklamiert – aber es gab ja noch keinen VAR.“

Er umkurvte ihn nach einem Konter und traf im Fallen, nun wieder mit links. Es war sein achtes Saisontor und persönlicher Rekord und niemand ahnte, dass der nie mehr in Gefahr geriet.

Das Stadion verwandelte sich in eine Kapelle und der sonst so laute Daum in ein Lamm: „Es waren wieder drei Punkte für den UEFA-Cup. Mehr nicht.“ Dabei fehlten nur noch zwei zu Platz eins.

Den verloren die Bayern an diesem schwarzen Sonntag an Borussia Dortmund – wieder mal nach einer Pleite in Leverkusen. Für Trapattoni war es ein Deja-vu-Erlebnis, auf das er gut hätte verzichten können.

Vom Karriere-Highlight zum verletzungsbedingten Rückschlag

1994 war er mit Bayern mal 1:5 in Freiburg unter die Räder gekommen, nun gab es zum zweiten Mal – und danach nie mehr – für ihn in der Bundesliga einen Fünferpack. Vor allem wegen eines damals 22 Jahre jungen Mannes.

Markus Feldhoff musste nach dem Spiel sofort und gemeinsam mit Matthäus ins TV-Studio und der Sender überreichte ihm eine Videokassette von diesem denkwürdigen Spiel, das in seiner Erinnerung ganz oben steht: „Das war das Spiel meines Lebens, drei Bundesliga-Tore hatte ich nur einmal.“

Denn zwei Wochen später bereits riss ihm beim 2:1 in Freiburg ein Kreuzband - und der so verheißungsvolle Stürmer kam nie mehr so recht auf die Beine. In den nächsten fünf Jahren kamen nur noch 65 Bundesligaeinsätze und sieben Tore dazu, für Gladbach, Wolfsburg und Cottbus – meist gab er den Joker.

Aber wenn der Mann, der vergangene Saison für zwei Spiele beim VfL Bochum als Trainer auf der Bank saß, auf irgendetwas garantiert immer wieder angesprochen wird, dann auf seine drei Tore gegen Bayern München.