Der bevorstehende Wechsel von Rocco Reitz zu RB Leipzig, über den die Branche seit Wochen offen spricht, kommt für Mönchengladbach zum denkbar schwierigsten Zeitpunkt. Die Borussia holte aus den letzten neun Spielen nur einen einzigen Sieg und steckt wieder voll im Abstiegskampf.
Gladbach: Dieses Thema kommt zum denkbar schwierigsten Zeitpunkt
Thema mit Potenzial zum Super-GAU
Die Stimmung sowohl in der Fankurve als auch bei Partnern und im Umfeld ist schlecht. Vom Zwischenhoch nach dem Trainerwechsel von Gerardo Seoane auf Eugen Polanski, als sie wieder befreit und unbelastet aufspielten, ist nicht mehr viel zu spüren.
Doch als wäre die sportliche Baustelle nicht schon Aufgabe genug, erlebt der Sportchef Rouven Schröder (ebenfalls ja erst im Herbst aus Salzburg gekommen) jetzt auch die volle Dröhnung Traditionsverein.
Reitz-Abgang? Die Frustpfeile fliegen längst
Ausgerechnet Rocco Reitz, Lieblingsspieler und Identifikationsfigur schlechthin am Borussia-Park, will nun, wo die Situation für alle so anstrengend ist, den Klub verlassen? Und ausgerechnet Leipzig, das Fußball-Projekt von Red Bull, soll seine neue Heimat werden? Das tut weh.
Ein Verbleib von Reitz am Niederrhein sei „sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagte Schröder am Donnerstag offen. „Es ist schon ein längeres Thema, weil Rocco sehr gefragt ist. Es ist klar, dass wir uns ausrichten müssen für die Zukunft“, fuhr der Sportchef fort, ergänzte aber, dass „noch nichts entschieden“ sei.
Das Reitz-Thema könnte für Mönchengladbach in diesem Frühjahr dennoch zum Super-GAU werden. Die Frustpfeile in den Fan-Foren fliegen längst. Wie kann Reitz das machen? Wie kann einer, der hier seit der Jugend fürsorglich und behutsam zum Bundesliga-Stammspieler und Leistungsträger aufgebaut wurde, zu RB gehen? Liebesentzug bis Saisonende ist wohl noch das Mindeste, mit dem der Jung-Nationalspieler rechnen muss.
Ausstiegsklausel? Der Deal war für alle in Ordnung
Doch mal ehrlich: Wem lässt sich wirklich etwas vorwerfen? Reitz fühlt sich, total berechtigt, bereit für den Schritt zu einem Bundesliga-Topklub. Leipzig, das im Sommer den starken Mittelfeldspieler Xaver Schlager verliert, macht ihm ein nachvollziehbar gutes Angebot, angeblich über fünf Jahre, bis 2031.
Wenn überhaupt, ließe sich Borussia Mönchengladbach kritisieren, dass der Klub seinem Top-Aufsteiger bei dessen Vertragsverlängerung vor zwei Jahren eine Ausstiegsklausel eingeräumt hat.
Nur, und das ist dann auch wieder die Wahrheit: Ohne diesen Passus, also dass Reitz unter bestimmten Bedingungen für eine Summe etwas oberhalb der 20 Millionen Euro wechseln darf, hätten sie ihn damals nicht weiter halten können. Der Deal war für alle Seiten in Ordnung.
In dieser Hinsicht könnte die Reitz-Sperre kein Nachteil sein
Im Heimspiel am Freitag gegen den FC St. Pauli (20.30 Uhr im LIVETICKER) fehlt Reitz gesperrt. Vielleicht ist das, die aufgeheizte Stimmung betreffend, gar nicht von Nachteil. Auch wenn er sportlich definitiv fehlen wird.
So oder so werden die nächsten Wochen eine große Herausforderung für ihn. Doch genauso ist es eben auch die Riesenchance für Reitz, allen zu zeigen, was für ein großer Spieler er schon ist. Vorangehen und liefern, so stürmisch es dann auch sein mag.