Mit Karl-Heinz Rummenigge hat die nächste prominente Führungspersönlichkeit des FC Bayern scharfe Kritik an der Beraterszene geübt. Das Aufsichtsratsmitglied des Rekordmeisters sprach vom „größten Problem im Fußball“.
"Wir sind komplett vom Weg abgekommen"
„Wir sind komplett vom Weg abgekommen“
„Wir sind komplett vom Weg abgekommen“, befand Rummenigge im Interview mit der spanischen Sportzeitung As: „Im vergangenen Sommer wurden insgesamt 1,347 Milliarden Dollar (1,17 Milliarden Euro) an Prämien für Berater gezahlt. Vor fünf Jahren waren es 500 Millionen, was schon viel war.“
Der langjährige Bayern-Boss bemängelte, dass das an Spielerberater überwiesene Geld – anders als Ablösesummen – nicht im Umlauf bleibe: „Und das schadet unserem Sport sehr. Beim FC Bayern werden wir dieses Thema konsequenter angehen.“
Rummenigge legt sich mit Beratern an
Ähnliches hatte zuletzt auch schon Rummenigges prominentester Kollege aus dem Aufsichtsrat, Uli Hoeneß, angekündigt. Nicht zuletzt aus der Beraterszene gab es anschließend Gegenwind. Dass Rummenigge nun nachlegt, könnte erneut Knall-Potenzial haben.
Klar ist: Das langjährige Macher-Duo Rummenigge/Hoeneß sieht auch den eigenen Verein in Schieflage geraten. Rummenigge erklärt: „Franz Beckenbauer sagte immer: Erfolg ist entscheidend, muss aber stets auf einer soliden Grundlage stehen. Irgendwann ist der FC Bayern von diesem Weg abgekommen und hat zu viel in Gehälter und Provisionen für Berater investiert, aber wir arbeiten bereits daran, das zu korrigieren.“
Was er konkret meint? Rummenigge schlug zum einen umfassende Gespräche zwischen Beratern, Verbänden, Ligen und Vereinen vor – schreckte aber auch vor drohenden Worten nicht zurück.
„Zunächst einmal ist der FC Bayern München kein Verein, den Spielerberater so einfach ignorieren können„, betonte er recht unverhohlen: „Wenn wir nicht mehr mit einem Berater zusammenarbeiten wollen, hat das Konsequenzen.“
Ziehen FC Bayern und Co. vor Gericht?
Man müsse zudem die Reformen der FIFA vorantreiben: „Die Idee, dass fünf Prozent des Jahresgehalts des Spielers an den Berater gehen, ist sehr gut. Das wäre ein guter Ausgangspunkt, denn derzeit liegen wir bei etwa zehn Prozent.“
Es brauche eine gemeinsame Lösung, denn neben „exorbitanten Gehältern“ seien die Provisionen für Spielerberater „das größte Problem im Fußball“.
Die Bayern wollen auch rechtliche Mittel nicht ausschließen – im Gegenteil. Man müsse es zwar erst auf „gütlichem Wege“ versuchen: „Wenn das nicht funktioniert, muss man sich an die europäischen Gerichte wenden.“
Bedauerlicherweise „haben vor allem deutsche Gerichte eine Obergrenze für Provisionen vorerst gekippt.“ Generell zeige sich auch die Politik zurückhaltend, da der freie Wettbewerb bevorzugt werde: „Aber auch in Brüssel sollte man erkennen, dass die Ausgaben im Fußball alle Grenzen überschritten haben.“