Die von den Bayern-Bossen angestoßene Debatte um die Leistungen der deutschen Schiedsrichter nimmt weiter Fahrt auf. Losgetreten hatte diese Klub-Patron Uli Hoeneß, CEO Jan-Christian Dreesen und Präsident Herbert Hainer.
Hat sich der FC Bayern verzockt?
Haben sich die Bayern verzockt?
Neben der konkreten Kritik an der Spielleitung von Christian Dingert im Auswärtsspiel der Münchner bei Bayer Leverkusen, wittern die Alphatiere eine grundsätzliche Benachteiligung des FC Bayern. „Die Leistung in Leverkusen war der Höhepunkt einer Phase, in der wir immer wieder mit fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert waren. Ob beim HSV, in Dortmund oder in Leverkusen – es gab eben immer wieder strittige Szenen, die oft gegen uns liefen“, sagte Dreesen zu Bild.
Es ist vor allem dieser Satz, der zu Widerstand in der Branche führt. Zwar sehen sich die Bayern stets als Speerspitze in sämtlichen Diskussionen, doch in diesem Fall fehlen ihnen die Mitstreiter. Sie stehen alleine da.
Wenn sich die Münchner Kritik auf die Schiedsrichter und den VAR beschränkt hätte, wäre das vermutlich anders gewesen – schließlich hadern fast alle Bundesligaklubs mit dem Niveau der Referees. So aber liegt der Fall anders.
Schiri-Debatte: Der FC Bayern hat sich verzockt
Sollte man an der Säbener Straße auf Unterstützung gehofft haben, so hat man sich verzockt. Der Rekordmeister bekommt Gegenwind.
„Wir diskutieren doch jede Woche – es sind meistens die, die mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden sind. Andererseits habe ich jetzt beim Spiel in Leverkusen nicht so viele grobe Fehlentscheidungen gesehen wie zum Beispiel die oberste Riege des FC Bayern“, sagte Lothar Matthäus am Montagabend auf Nachfrage von SPORT1. Letzte Woche hätten sich die Kölner beschwert, diesmal seien es eben die Münchner.
Der Rekordnationalspieler reiht sich damit in die Riege der Bayern-Kritiker ein. Auch Ex-Nationalspieler Didi Hamann („unwürdig“) und Bayer-Sportchef Simon Rolfes („Verstehe ich nicht“) widersprachen den Bayern-Bossen.
Bemerkenswert ist zudem die Befürchtung, die Horst Heldt äußert. Der Manager von Union Berlin, dem kommenden Gegner der Bayern, sagte bei Sky: „Das nächste Schiedsrichtergespann beim nächsten Spiel – ja, Prost Mahlzeit – die haben es nicht einfach. Weil natürlich jede Situation ganz genau beäugt und begleitet wird. Und das ist nicht in Ordnung.“
Bayern will den Respekt der Schiedsrichter
Heldt könnte mit seiner Vermutung richtig liegen: Den Klub-Strategen des FCB geht es bei ihrer Schiedsrichter-Schelte vermutlich gar nicht um vergangene Partien. Vielmehr sollen es die Unparteiischen bei 50/50-Entscheidungen schwer haben, gegen den Rekordmeister zu pfeifen.
Sie, aber nun auch der Union-Boss, erhöhen den Druck – ob das in der Diskussion weiterhilft, bleibt fraglich. Für die Schiedsrichter wird es immer schwerer. Denn die unterschwellige Botschaft lautet: Im Zweifel lassen sie sich eben doch beeinflussen und sind nicht immer objektiv.
Richtig ist aber auch, dass eine solche Debatte nicht neu ist. Bereits 2012 vermuteten Hoeneß und der damalige Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge eine grundsätzliche Benachteiligung ihres Klubs. Im Zweifelsfall werde „immer gegen Bayern“ entschieden, hieß es.
Auch seinerzeit gab es Widerspruch. „Dass die Bayern benachteiligt werden, kann ich nicht unterschreiben“, sagte der damalige Gladbacher Manager Max Eberl.