Bundesliga>

BVB-Held: "Ich habe meinen Körper manipuliert"

„Ich habe meinen Körper manipuliert“

Sven Bender spricht offen über die Folgen seiner Karriere als Profifußballer. Der ehemalige Nationalspieler zweifelt, ob er den richtigen Weg gegangen ist.
Bender war als Spieler ein Draufgänger - heute trainiert er die SpVgg Unterhaching
Bender war als Spieler ein Draufgänger - heute trainiert er die SpVgg Unterhaching
© IMAGO/foto2press
Sven Bender spricht offen über die Folgen seiner Karriere als Profifußballer. Der ehemalige Nationalspieler zweifelt, ob er den richtigen Weg gegangen ist.

Sven Bender war während seiner Karriere als Profifußballer wohl das, was man im Fußballkneipen-Sprech gerne einen „harten Hund“ nennt: Trotz unzähliger Verletzungen warf sich Bender immer rein, mit Tape und Turban – für 1860, den BVB, Leverkusen und die deutsche Nationalmannschaft.

Doch fünf Jahre nach seinem Abschied aus Leverkusen muss der ehemalige Nationalspieler einen harten Preis für seinen Einsatz zahlen. „Es gibt wenige Tage, ob mit oder ohne Fußballspielen, an denen ich keine Schmerzen habe“, verriet Bender im Interview mit Spox.

Bender ist noch jung – doch hat fast immer Schmerzen

„Ich habe meinen Körper maximal manipuliert, doch irgendwann konnte ich das nicht mehr“, erzählt er. Das Ende seiner Profikarriere im Sommer 2021 sei genau zur richtigen Zeit gekommen: „Sonst wäre es in der Gegenwart noch schlimmer.“ Bis Ende 2023 kickte Bender dann noch gemeinsam mit seinem Bruder Lars bei der TSV Brannenburg.

Es ist medizinisch erwiesen, dass jahrelanger Profifußball langfristige Schäden für Spieler mit sich bringen kann. Das Fachmagazin Lancet Public Health bilanzierte 2025 etwa, dass Fußballer ein anderthalbmal höheres Risiko für Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen besäßen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Auch bei dauerhafter Sehnen- oder Muskelbelastung drohen Spätfolgen, ähnliches gilt für Gelenkverschleiß.

Bender, Cheftrainer der SpVgg Unterhaching, ist allerdings erst 36. Dass die Folgen seiner aktiven Zeit bereits jetzt zu spüren sind, sieht Bender eher pragmatisch: „Das ist das Opfer, das man bringen muss. Dazu war ich bereit.“

Karriereende? Bruder Lars warnte schon damals

„Mit dem Wissen von heute könnte ich es aber kein zweites Mal machen”, meint Bender. Manchmal habe er sich die Frage gestellt, ob sein „Körper für diesen Hochleistungssport überhaupt gemacht war. Doch mein Kopf hat stets meinen Körper ausgespielt, über 15 Jahre lang.“

Zwillingsbruder Lars, der gemeinsam mit Sven im Sommer 2021 bei Leverkusen seine Profikarriere beendete, hatte bereits zu seiner Zeit als Spieler vor den Folgen des Leistungssports gewarnt: „Wir haben totalen Raubbau an unseren Körpern betrieben“, sagte Lars Bender damals gegenüber der SportBild.

Bender: „Es war nicht richtig, und nicht gesund“

„Heute zweifeln wir, ob es immer der beste Weg war, über viele Wehwehchen hinwegzusehen und sich trotz Problemen immer wieder zur Verfügung zu stellen“, sagte der ehemalige Verteidiger damals: „Nein, es war absolut nicht immer richtig und nicht gesund.“

Sven, der mit Borussia Dortmund 2011 und 2012 Deutscher Meister wurde, verpasste in seiner Karriere 125 Partien verletzungsbedingt. Bruder Lars kommt sogar auf 186 verpasste Spiele. Heute sind beide als Trainer tätig.