„Endlich“, werden viele Fans gedacht haben, als sie am Sonntagmittag von dem Aus von Sebastian Kehl erfuhren. Zu oft war der 46-Jährige die Projektionsfläche für alles, was beim BVB schieflief.
Sebastian Kehl: Besser als sein Ruf
Besser als sein Ruf
Transfers? Kehl. Keine Transfers? Auch Kehl. Zu teuer, zu unkreativ, zu zögerlich – die Vorwürfe waren schnell formuliert, selten differenziert. Das Dortmunder Umfeld ist eines der schwierigsten im deutschen Fußball: ein Dauer-Brennglas, in dem jede Entscheidung seziert wird.
Ja, es gab verpasste Chancen. Namen wie Rayan Cherki stehen sinnbildlich dafür. Und natürlich bleiben auch Transfers wie Sébastien Haller oder Anthony Modeste hängen. Dazu ein aufgeblähtes Gehaltsgefüge – etwa im Fall von Niklas Süle. Doch das alles Kehl allein anzulasten, greift zu kurz.
Sebastian Kehl: Oft kritisiert, selten gefeiert
Denn die andere Seite wird gerne ausgeblendet: Kehl holte Spieler wie Karim Adeyemi, Felix Nmecha oder Niclas Füllkrug – Letzteren verkaufte er mit sattem Gewinn weiter. Auch Transfers wie die im Sommer 2024 höchstbegehrten Maximilian Beier und Serhou Guirassy zeigen: Kehl konnte sehr wohl überzeugen und liefern. Nur wurde das selten so laut gefeiert wie seine Fehler kritisiert.
Kehl betonte stets das Gemeinsame, doch intern fehlte ihm oft das Gewicht. Zu weich, zu zögerlich, nicht durchsetzungsstark genug – so lauteten die Vorwürfe aus den eigenen Reihen. Im Haifischbecken Profifußball, das von klaren Kanten lebt, war Kehl vielen zu leise.
Er hatte es immer schwer beim BVB
Im Klub selbst war Kehl nie unumstritten. Dass Klub-Patron Hans-Joachim Watzke nie als großer Fürsprecher galt, machte die Sache nicht leichter. Einige hätten sich gewünscht, dass die Klublegende – immerhin seit über 24 Jahren im Verein – aus eigenen Stücken das Handtuch wirft. Spätestens als Lars Ricken über ihm installiert wurde, war klar: Das Vertrauen ist endlich – und Kehl zunehmend ein Einzelkämpfer.
Das „Wir“ gab es nie so wirklich. Weder mit den Fans noch intern.
Und dann ist da noch die verpasste Geschichte: die Meisterschaft, die am letzten Spieltag gegen Mainz auf dramatische Art und Weise verspielt wurde. Das verlorene Finale von Wembley. Titel, die greifbar waren – und am Ende fehlten. Auch das haftet an seiner Amtszeit. Wäre nur eines dieser Spiele anders ausgegangen, würde heute wohl anders über ihn gesprochen.
Das Kehl-Aus ist für beide Seiten richtig
So aber bleibt ein Sportdirektor ohne Titel – und einer, der nie wirklich angekommen ist.
Für Kehl ist der Schritt dennoch eine Chance. Er muss nicht, er darf sich neu beweisen. Vielleicht in einem Umfeld, das ruhiger ist. Vielleicht bei einem Klub, der seine Arbeit anders bewertet, wo er mehr Applaus bekommt.
Und der BVB? Der kann jetzt den Umbruch vollziehen – endlich, konsequent, auf allen Ebenen.
Diese Trennung kommt spät. Aber sie ist überfällig und richtig – für beide Seiten.