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Fan-Wut und wilde Szenen: Trainer droht Rauswurf

Wolfsburg-Fans wüten nach Abpfiff

In Wolfsburg brennt der Baum. Die neuerliche Niederlage könnte Trainer Daniel Bauer den Job kosten. Die Fans lassen ihrem Unmut freien Lauf.
Daniel Bauer äußert sich nach der 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV zu seiner Zukunft. Die Wölfe stehen auf dem 17. Tabellenplatz und sind akut abstiegsbedroht.
In Wolfsburg brennt der Baum. Die neuerliche Niederlage könnte Trainer Daniel Bauer den Job kosten. Die Fans lassen ihrem Unmut freien Lauf.

Die Abstiegssorgen beim VfL Wolfsburg werden immer schlimmer und Trainer Daniel Bauer steht vor dem Aus! Die Wölfe verloren das eminent wichtige „Sechs-Punkte-Spiel“ gegen den Hamburger SV mit 1:2 (1:1).

Der Tabellen-17. der Bundesliga wartet seit nunmehr acht Spielen auf einen Sieg. Die neuerliche Pleite könnte Bauer seinen Job kosten. Sportdirektor Pirmin Schwegler hatte vor Anpfiff ein Trainer-Bekenntnis vermieden und wollte den Fokus auf das Spiel legen.

Ähnlich äußerte sich Schwegler auch im Nachgang. „Die Nacht wird kurz. Wir werden Gespräche führen und es analysieren und dann eine Entscheidung treffen, sodass wir so viele Prozentpunkte zusammenbekommen, wie wir zusammenbekommen“, sagte er bei DAZN.

Bauer bestätigte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, dass er mit den Verantwortlichen bereits im Austausch war.

„Ja, wir haben gesprochen. Über das Spiel, über die Szenen. Es ging um die Spielnachbereitung. Morgen um 11.00 Uhr ist unser Spielersatztraining. Seht mir nach, dass jetzt nach dem Spiel 0,0 Gedanken zu meiner Zukunft habe. Die Enttäuschung über die Niederlage ist unfassbar groß heute“, sagte der 43-Jährige.

Wilde Szenen und Rote Karte für Ersatztorwart

Nach dem Abpfiff war es zu Rudelbildungen und Ausschreitungen zwischen beiden Mannschaften gekommen. Auslöser war wohl eine Auseinandersetzung zwischen Adam Daghim und Nicolai Remberg.

„Ich habe niemanden böse getroffen, aber man rangelt halt ein bisschen. Aber ich würde da meinen Co-Trainer oder generell meine Jungs nie allein lassen”, erklärte Remberg bei Sky. Ersatztorwart Marius Müller sah nach dem Handgemenge noch die Rote Karte.

„Was die Spieler da nach dem Schlusspfiff zeigen, hätten sie mal besser in den 90 Minuten auf dem Feld gezeigt. Da verstecken sie sich seit Wochen und Monaten. Dann wenn das Spiel abgepfiffen ist, sind sie auf einmal mutig. Das kann ich gar nicht verstehen“, sagte Experte Dietmar Hamann.

Fan-Wut nach Abpfiff

Die frustrierten Wolfsburger Fans zündeten derweil reichlich Pyrotechnik und schwarzer Rauch stieg empor. Die eigenen Schals wurden angezündet und es begann zu brennen.

Bereits vor dem Anpfiff hatten sich die Wölfe-Fans mit einem klaren Statement gemeldet: „Letzte Chance: Unseren Rückhalt für euren Sieg“ stand auf einem großen Banner in der Heimkurve.

Nach Abpfiff wurde das Banner ausgetauscht: „Chance vertan. Rückhalt verspielt!“, war nun zu lesen. „Man hat das Gefühl, dass der Verein ein Stück weit auseinanderfällt im Moment“, wurde Hamann deutlich.

Arnold: „War nicht schön, in der Kabine zu sein“

Die Spieler des VfL waren nach Abpfiff lange geschlossen in der Kabine. „Wie soll die Stimmung sein? Es war Frustration pur. Wir sind sehr, sehr enttäuscht. Es war einfach nicht schön, gerade in der Kabine zu sein“, sagte Maximilian Arnold bei DAZN: „Der Trainer hat gesprochen und die Worte bleiben bei uns.“

Die Fan-Wut sei „kein schöner Moment“ gewesen. „Alle die es mit dem VfL Wolfsburg halten, sind sehr, sehr frustriert. Ich verstehe auch diesen Frust, diese Enttäuschung. Ich glaube den Jungs in der Kabine geht es nicht anders. Ich glaube heute schläft keiner, weil es einfach ziemlich wehtut“, fuhr Arnold fort: „Wir müssen alle gemeinsam versuchen, es so hinzubiegen, dass der VfL Wolfsburg nächste Saison auch erste Liga spielt.“

Drei Elfmeter - Grabara mit unglücklicher Aktion

Dabei erwischte Wolfsburg den besseren Start und ging durch Christian Eriksen (22., Foulelfmeter) in Führung. Doch die Freude währte nicht allzu lange. Nach VAR-Eingriff bekam der HSV einen Elfmeter zugesprochen - Luka Vuskovic verwandelte (33.). Kamil Grabara war zwar noch mit beiden Händen am Ball, musste nach der missglückten Parade aber dennoch hinter sich greifen.

Nach Wiederanpfiff gab es den nächsten Elfmeterpfiff, wieder für die Gäste aus Hamburg. Diesmal war Jean-Luc Dompé vom Punkt erfolgreich (58.). Jonas Adjetey, der den Elfmeter verursacht hatte, war schier fassungslos und zog das Trikot über sein Gesicht.

Wolfsburg warf in der Folge nochmal alles nach vorne. Dzenan Pejcinovic hatte eine Riesenchance, musste eigentlich nur noch einköpfen, traf aber nur den Pfosten (64.). Eine halbe Stunde später war die Niederlage besiegelt.

Und so gab es bei den Wolfsburgern wieder hängende Köpfe, während der HSV einen wichtigen Auswärtssieg landete und sich bis auf Platz zehn nach vorne schob.

In Wolfsburg brennt der Baum

Der Unmut wächst also weiter an. Nach dem schwachen Auftritt in der Vorwoche in Stuttgart hatte Trainer Bauer öffentlich tief blicken lassen. „Fakt ist, dass wir viele Strukturen ändern müssen und die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Klubs aktuell nicht bundesligatauglich sind“, sagte der Coach und forderte: „Ein anderes Mindset in der gesamten Struktur.“

Zuvor hatte schon Yannick Gerhardt, der seit zehn Jahren beim VfL unter Vertrag steht, Alarm geschlagen und ungewöhnlich offen betont, dass „der Verein nicht gesund ist. Es ist sehr komplex.“

Am Samstagnachmittag folgte dann die empfindliche Niederlage gegen Hamburg.