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So soll der neue BVB aussehen

So soll der neue BVB aussehen

Ole Book hinterlässt bei seiner Antritts-Pressekonferenz beim BVB einen starken Eindruck. Der 40-Jährige strotzt vor Tatendrang und skizziert genau das, was die Dortmunder Bosse fordern. Sein Auftrag ist klar.
Der Beginn einer neuen Ära in Dortmund: Ole Book wird Sportdirektor bei Borussia Dortmund und hat direkt große Aufgaben vor sich. An seinem ersten Tag beim BVB hinterlässt er einen vielversprechenden Eindruck.
Ole Book hinterlässt bei seiner Antritts-Pressekonferenz beim BVB einen starken Eindruck. Der 40-Jährige strotzt vor Tatendrang und skizziert genau das, was die Dortmunder Bosse fordern. Sein Auftrag ist klar.

Am liebsten hätte er die Vorstellungsrunde wohl übersprungen und direkt losgelegt. „Ich will mir keine Zeit geben, mich einzugewöhnen. Ich fühle mich bereit, direkt durchzustarten“, erklärte Ole Book bei seinem ersten Auftritt im Signal Iduna Park.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit stellte er eines im Hinblick auf seinen Vornamen klar: „Den Nils habe ich vor über 30 Jahren höchstpersönlich abgeschafft. Das kriegt man wirklich nicht mehr zu hören. Das letzte Mal gehört, als ich mit fünf Jahren zuhause Ärger bekommen habe. Den würde ich lieber weglassen.“

Auch ohne „Nils“ überzeugte Book: Ruhig, sachlich, bedacht, mit einer Prise Humor. Er nahm sich Zeit für jede Frage, wich aus, wo es angebracht war, und machte vor allem eines deutlich: wohin der „neue“ BVB steuern soll.

„Perlentaucher“ Book will beim BVB seinem Ruf gerecht werden

Sein Ruf als „Perlentaucher“ eilt ihm voraus – und ist der Hauptgrund für seinen Wechsel aus Elversberg. Sein Auftrag: Talente unter dem Radar finden, verpflichten und so sportlichen wie wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.

In Elversberg gelang ihm das eindrucksvoll. Doch funktioniert dieses Modell auch bei einem Weltklub wie dem BVB?

„Ich glaube schon, dass da auch noch mal ein bisschen was anderes gefragt ist. Noch eine andere Qualität“, sagte Book. Zugleich betonte er: „Gute Fußballer sind auch ligaübergreifend gute Fußballer. […] Am Ende des Tages geht es auch darum, was passt zusammen, was passt in die Mannschaft und was passt in das, was der Trainer spielen möchte. Da wollen wir in enger Zusammenarbeit Perlen finden, die Borussia Dortmund helfen. Ich glaube, die Vorgehensweise ist eine sehr sehr ähnliche.“

Auch BVB-Boss Carsten Cramer hat keinerlei Bedenken, sieht in Book die „Zukunft“ und den personifizierten „Neuanfang“: „Qualität bleibt Qualität.“

„Stehe für mutigen und offensiven Fußball“

Auch wenn Book den Begriff „Perlentaucher“ – zuletzt strapaziert durch Personen wie Sven Mislintat und Ben Manga – „nie für mich benutzt“ hat, sind die Erwartungen klar: kreative, mutige Transfers.

Book soll den BVB wieder stärker und vor allem attraktiver machen. Die Dortmunder Fans dürften das nur zu gerne hören. „Grundsätzlich stand und stehe ich in den letzten Jahren für mutigen und offensiven Fußball“, sagte er und versprach „Attraktivität und Offensivstil“ – Qualitäten, die zuletzt unter Kovac zu kurz kamen, auch mangels passenden Personals.

Umso wichtiger wird die Zusammenarbeit mit dem Trainer. Book nennt sie „einen der wichtigsten Schnittpunkte in einem Fußballverein“. Ein Urteil über den aktuellen Kader wollte er sich nicht „anmaßen“ – auch das zeigt sein Gespür für Timing.

Keine Angst vor großen Namen

Dass Dortmund ein anderes Umfeld ist als das unscheinbare Elversberg, weiß Book. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm dennoch nicht – eine Eigenschaft, die die BVB-Führung überzeugte.

Auch in Gesprächen mit großen Klubs oder einflussreichen Beratern tritt er mit klarer Haltung auf. Intern ist man sich einig: Der BVB ist ein Weltklub, der sich zuletzt zu klein gemacht hat. Mit Book soll sich das nun ändern.

Die große Bühne wird er vorerst anderen überlassen. Wie häufig er medial in Erscheinung tritt, ist noch offen. Ricken wird viele öffentliche Aufgaben wie Interviews übernehmen, während sich Book auf seine Kernarbeit konzentriert.

Dabei startet er nicht bei Null: Strukturen und Staff sind vorhanden, Vertragsgespräche laufen. In viele Prozesse kann er direkt einsteigen. Auch den Kontakt zu Nico Schlotterbeck hat er früh gesucht – wohl wissend, welche Rolle dieser künftig spielen könnte.

BVB-Fan Book erfüllt sich einen Traum

Für Book geht mit dem Wechsel zum BVB ein Traum in Erfüllung – es war der einzige Klub, für den er eine Ausstiegsklausel hatte. Der in Beckum geborene Funktionär ist seit jeher Fan, geprägt vom Vater. Zufrieden gibt er sich damit aber nicht. „Es war nicht das Ziel, bei Borussia Dortmund zu arbeiten“, sagte er und ergänzte: „Erfolgreich bei Borussia Dortmund zu arbeiten.“

Eine konkrete Titelansage vermied er. Man wolle „maximal erfolgreich“ sein. Sein Credo: „Ich glaube, dass Fleiß die Basis des Scoutings ist und dass Scouting die Basis der Kaderplanung und Kaderplanung die Basis des Erfolgs von Borussia Dortmund ist. […] Wir sollten mit Fleiß anfangen und das ist ein guter Start.“

Book und BVB einen traumatische Vergangenheit

Eine Erfahrung teilt Book bereits mit dem BVB: den schmerzhaften Umgang mit verpassten Momenten. Während Dortmund im Mai 2023 die sicher geglaubte Meisterschaft aus der Hand gleiten ließ, erlebte er selbst im vergangenen Jahr mit Elversberg ein Drama in der Relegation gegen Heidenheim – knapp, bitter, unvergessen.

Doch genau aus solchen Momenten zieht Book seine Stärke. Rückschläge sind für ihn kein Stolperstein, sondern Ansporn. In Dortmund soll daraus nun mehr entstehen als nur ein Neuanfang – vielmehr der Aufbruch in erfolgreichere Zeiten.