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BVB: Ein Deal mit Beigeschmack

Ein Deal mit Beigeschmack

Nico Schlotterbeck verlängert seinen Vertrag bei Borussia Dortmund. Beide Seiten dürften mit dem finalen Ergebnis zufrieden sein - auch wenn es nur einen echten Gewinner gibt. Ein Kommentar.
Das Hin und Her um eine Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck beim BVB hat nun ein Ende. Hier verkünden die Schwarz-Gelben die vollzogene Verlängerung.
Nico Schlotterbeck verlängert seinen Vertrag bei Borussia Dortmund. Beide Seiten dürften mit dem finalen Ergebnis zufrieden sein - auch wenn es nur einen echten Gewinner gibt. Ein Kommentar.

Nico Schlotterbeck bleibt bei Borussia Dortmund. Nach Wochen des Wartens, Zweifelns und Taktierens ist die Vertragsverlängerung endlich fix. Und ja: Auf den ersten Blick haben hier beide Seiten genau das bekommen, was sie wollten.

Der Spieler bleibt bei seinem Herzensverein, der Klub bindet einen seiner wichtigsten Leistungsträger. Win-win also? Nicht ganz. Denn diese Verlängerung ist vieles – aber keine bedingungslose Liebeserklärung.

Schlotterbeck hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie wohl er sich in Dortmund fühlt und wie sehr er sich mit dem Verein identifiziert. Und dennoch ließ er sich Zeit. Viel Zeit.

Schlotterbeck verspielt Kredit bei BVB-Fans

Wochenlang, monatelang hielt er den BVB hin. Das ist im modernen Fußball nicht ungewöhnlich und angesichts seiner sportlichen Entwicklung und zu seinem wegweisenden Zeitpunkt in seiner Karriere auch nachvollziehbar.

Eine solche Entscheidung will gut überlegt sein. Trotzdem hat diese Hängepartie Spuren hinterlassen – vor allem bei den Fans. Bei den Anhängern hat er einiges an Kredit eingebüßt. Die ganz große Euphorie dürfte ausbleiben. Diesen Zeitpunkt hat er verpasst.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der das Bild relativiert: Die Verlängerung ist auch ein Ergebnis fehlender Alternativen auf absolutem Topniveau. Die ganz großen Angebote blieben aus. Das Bekenntnis wirkt eher wie ein nettes Zugeständnis für den Verein – eine Liebeserklärung mit eingebauter Hintertür.

Und diese Hintertür ist vertraglich festgeschrieben. Denn auch Borussia Dortmund musste für diese Unterschrift an seine Grenzen gehen. Ein rekordverdächtiges Gehalt und vor allem eine Ausstiegsklausel waren notwendig, um Schlotterbeck zu halten.

Deal von Kehl-Nachfolger eingetütet

Diese Klausel ist der eigentliche Kern dieses Deals. Ohne sie hätte es die Verlängerung höchstwahrscheinlich nicht gegeben. Und wirkliche Planungssicherheit gibt sie den Verantwortlichen nicht. Denn Schlotterbeck könnte den Verein im Sommer doch verlassen. In diesem Fall würde der BVB immerhin ordentlich abkassieren – Schmerzensgeld.

Immerhin: Intern darf man diesen Abschluss durchaus als Erfolg verbuchen. Vor allem für Ole Book, der gemeinsam mit Lars Ricken den Deal final über die Ziellinie gebracht hat. Nachdem die Gespräche bereits unter Sebastian Kehl weit fortgeschritten waren, ging Book noch einmal entscheidend in die Tiefe – sportlich wie perspektivisch. Ein früher Prestigeerfolg für den neuen starken Mann, der der einzige große Gewinner ist.

So bleibt unter dem Strich ein Beigeschmack. Beide Seiten haben bekommen, was sie wollten – und doch haben beide auch etwas eingebüßt. Schlotterbeck hat Sympathien verspielt, der BVB, so wirkt es, hat sich oft treiben lassen.

Was bleibt, ist ein Vertrag, der weniger nach tiefer Überzeugung klingt als nach einem gut austarierten Kompromiss. Schlotterbeck bleibt. Aber nicht um jeden Preis. Der BVB hält ihn. Aber nicht ohne Risiko. Eine bedingungslose Liebeserklärung sieht anders aus.

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