Niemand spricht über die schwachen Leistungen der letzten Wochen, Union Berlin bekommt überall Applaus. Steffen Baumgart und zwei Siege aus 14 Spielen sind kein Thema mehr, die Nachricht von der ersten Trainerin in einer Männer-Topliga geht um die Welt.
Viel Lob, wenig Druck: Unions Kandidatensuche läuft
Heldts kluger Schachzug
Keine noch so teure PR-Aktion hätte einen vergleichbaren „Candystorm“ auslösen und Union, vor allem eben inhaltlich, als Vorreiter des Fußballs positionieren können. Das freut auch die Partner und Sponsoren, nach einer grauen Saison ohne besondere Aufmerksamkeit.
Zeit genug für langfristige Planung
Horst Heldts Initiative, in der Nachbesetzung von Baumgart eine große Chance zu sehen, statt den üblichen Branchenreflexen zu folgen und einen erfahrenen Mann zu verpflichten, war ein kluger Schachzug. Auch seine eigene Position betreffend. Die neue Euphorie rund um Marie-Louise Eta nimmt erst einmal die Lupe von ihm, Heldt hat nun Zeit, für den Sommer die ideale Besetzung der Cheftrainerposition zu finden.
Sich in Ruhe mit möglichen Kandidaten auszutauschen, ist im hektischen Profigeschäft fast nie möglich. Christian Eichner, der in Karlsruhe aufhört, ist ein Anwärter auf den Job, auch Florian Kohfeldt (Darmstadt) wird diskutiert. Genauso ist es möglich, dass Marie-Louise Eta im Amt bleibt. Heldt hat da jetzt keinen Druck.
Nun kommt das Sportliche. Samstag empfängt Union den ziemlich demolierten VfL Wolfsburg, der schon sieben Punkte Rückstand hat auf Rettungs-Platz 15. In der Berliner Mannschaft herrscht Zuversicht, mit einem Heimsieg den Klassenerhalt klar machen zu können. Sowohl die Ansprache als auch die ersten Ideen von Marie-Louise Eta kommen bei den Spielern gut an, sie erklärt ihre Punkte, so ist es zu hören, sehr klar und einfach.
Attribute, die Union Berlin zugute kommen
Der plötzliche Fokus scheint dem Team zu helfen. Jeder möchte das erste Spiel in der besonderen Konstellation unbedingt gewinnen. „Alle sind echt konzentriert bei der Sache“, sagt einer, der mit auf dem Platz steht, „das war zuletzt leider nicht immer so.“
Mit Marie-Louise Eta ist bei Union eine sehr talentierte, extrem fleißige und, das berichten im Grunde alle Wegbegleiter, hochgradig sympathische Cheftrainerin am Werk. Vielleicht sind das genau die Attribute, die dem Klub jetzt und dann auch in Zukunft gut tun. Horst Heldt schaut genau hin. Für den Moment, das muss man so sagen, hat er alles richtig gemacht.