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BVB: Kein Mann für Machtspielchen

Kein Mann für Machtspielchen

Ole Book steht vor seiner Heimpremiere für Borussia Dortmund. Gut zwei Wochen nach seinem Amtsantritt zeigt der neue Sportdirektor bereits, wofür er geholt wurde. Der Drang ins Rampenlicht gehört dabei nicht zwingend zu seinem Profil.
Nach dem späten Sieg von Borussia Dortmund über den VfB Stuttgart gibt BVB-Sportdirektor Ole Book ein Update zu Nico Schlotterbeck. Er äußert sich dabei zum Stand der Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung des  deutschen Nationalspielers.
Ole Book steht vor seiner Heimpremiere für Borussia Dortmund. Gut zwei Wochen nach seinem Amtsantritt zeigt der neue Sportdirektor bereits, wofür er geholt wurde. Der Drang ins Rampenlicht gehört dabei nicht zwingend zu seinem Profil.

Etwas überraschend tauchte Ole Book nach dem 2:0-Sieg des BVB in Stuttgart am SPORT1-Mikrofon und wenige Minuten später in der Mixed Zone der MHP-Arena auf.

Ursprünglich war geplant, dem Neuling Zeit zur Eingewöhnung zu geben – fernab des großen Scheinwerferlichts. Doch weder wirkte er unwohl noch überfordert. Sein Auftrag ist klar umrissen. Zwei Kern-Fragen stellen sich dennoch. 

Neuer BVB-Boss Book punktet mit Inhalten

Ruhig, nüchtern und fast durchgängig mit einem Lächeln im Gesicht stellte er sich den Medien. Auf die SPORT1-Frage, wie er sein Debüt vor einer für ihn ungewohnten Kulisse erlebt habe, antwortete Book: „Es war natürlich toll. Ich habe mich sehr auf dieses Spiel gefreut. Ich konnte die Kulisse auch echt aufsaugen“, so der 40-Jährige und schob direkt hinterher: „Dann hat es sich in der ersten Halbzeit nicht ganz so gut angefühlt, weil wir schon relativ viel dem Ball hinterhergelaufen sind.“

Diese Einordnung beschreibt Books Arbeitsweise treffend: ein Fachmann, dem es um Inhalte geht. Einer, der sich nicht von Emotionen oder persönlichen Befindlichkeiten treiben lässt. Und einer, der seine Stärken lieber im Hintergrund entfaltet.

Mehr Miteinander, weniger Übereinander

Genau das waren Gründe für seine Verpflichtung: die emotionale Bindung zum Verein – Book ist BVB-Fan – gepaart mit wertvollem externen Input. Dass er einen Kader gut zusammenstellen kann, hat er bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wenn auch nur im beschaulichen Elversberg. Dass er den Markt bestens kennt, bestätigen nahezu alle Branchenkenner.

Doch noch ein Punkt ist dem Verein enorm wichtig: Weniger Drama in der Führungsetage. Mehr Miteinander, weniger Übereinander. In den vergangenen Monaten war davon nicht immer viel zu spüren. Sebastian Kehl stand häufig isoliert da, seine Stimme hatte zu selten das nötige Gewicht – auch, weil nicht alle Entscheidungsträger vollends von ihm überzeugt waren. Die zwischenzeitliche Einbindung von Sven Mislintat trug ebenfalls kaum zur Harmonie bei.

Book gilt nicht als Typ, der auf Machtspielchen aus ist. Im Gegenteil: Mit seiner Ruhe, Gelassenheit und inhaltlichen Klarheit soll er nun einen schlagkräftigen Kader formen – einen, der die Fantasie beflügelt, um zeitnah wieder um Titel mitzuspielen.

Das sagte Book zu Schlotterbeck

Bei Nico Schlotterbeck schienen diese Perspektiven auf offene Ohren zu stoßen. Am Freitag verlängerte der BVB den Vertrag mit seinem Innenverteidiger bis 2031.

Als SPORT1 nach der Partie gegen Stuttgart bei dieser Personalie nachhakte, reagierte Book souverän und mit einem Lächeln: „Ich hatte auch das Gefühl, dass sich Nico sehr dafür interessiert, dass er das ganz gut und spannend findet.“ Damit lag er offensichtlich mit Schlotterbeck auf einer Wellenlänge.

Wie viel Macht bekommt Book bei Borussia Dortmund?

Die Verantwortlichen – allen voran die Geschäftsführer Lars Ricken und Carsten Cramer – sind von Book überzeugt. „Neben mir sitzt die Zukunft“, überschüttete Ricken ihn bereits bei seiner Vorstellung mit Vorschusslorbeeren – und formulierte damit zugleich klare Erwartungen.

Zwei zentrale Fragen stellen sich dennoch: Wie viel Gestaltungsmacht erhält Book tatsächlich? Und wie gut harmoniert er mit Niko Kovac?

Aktuell befindet er sich noch in der Einarbeitung, macht sich mit Strukturen, Abläufen und Mitarbeitern vertraut. Der BVB strebt jedoch danach, „einiges anders zu machen. Da geht es nicht nur um Kreativität, sondern auch um Schnelligkeit, um Mut und um Aggressivität auf dem Transfermarkt“, erklärte Ricken im Interview mit Sport Bild.

Folgt man diesen Worten, dürfte Book nicht nur eine neue Personalie auf dem Sportdirektorenposten sein, sondern den Klub auch inhaltlich deutlich stärker prägen als sein Vorgänger Sebastian Kehl.

BVB-Bosse sind überzeugt – wie steht es um Kovac?

Und wie steht es um die Zusammenarbeit mit Kovac? Der BVB-Trainer gilt als pragmatischer Typ, der großen Wert auf defensive Stabilität legt. Book hingegen bekannte sich bei seiner Antrittspressekonferenz zu offensivem, mutigem Fußball. An dieser Ausrichtung wird er sich messen lassen müssen.

„Wir sind im regelmäßigen Austausch“, erklärte Kovac auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen auf SPORT1-Nachfrage.

Man spreche darüber, „wo wir uns verbessern können und verbessern wollen“, so Kovac weiter: „Wir werden agieren müssen, wir sind in einem guten Austausch und versuchen sehr gute Lösungen zu finden. Und da ist er schon ganz fleißig dabei.“

Book vor seiner BVB-Heimpremiere

Book jedoch allein als stillen, sachlichen Beobachter zu beschreiben, greift zu kurz. Auch er ließ am Samstag in Stuttgart Emotionen erkennen – ein Funkeln in den Augen, als es um seine Heimpremiere ging: „Ich muss schon sagen, dass ich mich sehr freue. Das darf ich, glaube ich, sagen“, fügte er fast schon zurückhaltend an. „Ich war schon häufig im Stadion, aber noch nicht unten auf dem Rasen. Das war als Spieler schon ein Traum dort hinzukommen. Jetzt freue ich mich, dass ich zumindest die Atmosphäre von unten erleben kann.“

Eine Antwort ganz ohne taktische Einordnung des Gegners – dafür mit spürbarer Vorfreude. Genau diese Mischung aus Sachlichkeit und dosierter Emotionalität könnte ihm im oft aufgeheizten Umfeld von Borussia Dortmund zugutekommen.