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Kovac im Glück: Wahre BVB-Probleme werden verschleiert

Alles nur ein Täuschungsmanöver?

Borussia Dortmund schleppt sich in Stuttgart zu einem schmeichelhaften Sieg. Nach der Partie gibt es viele Nebenschauplätze. Ein Umstand, der Niko Kovac durchaus gelegen kommen dürfte. Denn die eigentlichen Probleme des BVB rücken in den Hintergrund.
Beim 2:0 gegen Stuttgart entscheidet Dortmund das Spiel mit zwei Treffern in der Nachspielzeit. Niko Kovac nennt es ein Spiel auf Augenhöhe mit dem nötigen Quäntchen Glück.
Borussia Dortmund schleppt sich in Stuttgart zu einem schmeichelhaften Sieg. Nach der Partie gibt es viele Nebenschauplätze. Ein Umstand, der Niko Kovac durchaus gelegen kommen dürfte. Denn die eigentlichen Probleme des BVB rücken in den Hintergrund.

Es wirkte wie ein Täuschungsversuch – wenn auch ungewollt. Die Diskussionen nach dem mühevollen und unansehnlichen 2:0-Sieg in Stuttgart täuschten einmal mehr über die spielerische Armut des BVB hinweg.

Wann verlängert Nico Schlotterbeck? Darf Karim Adeyemi so provokant in Richtung Cannstatter Kurve jubeln? Diese Diskussionen dürften Kovac entgegenkommen – denn sie verschleiern die großen Baustellen der Dortmunder.

BVB-Offensive bis zur Nachspielzeit nicht existent

Die Zahlen sprechen eine alarmierende Sprache.

Das Führungstor von Karim Adeyemi war der erste Torschuss des BVB auf den Kasten von Alexander Nübel –in der 94. Spielminute (!). Zuvor registrierten die Analysten lediglich einen Einwurf von Nico Schlotterbeck in die Arme des VfB-Keepers als Abschluss.

Außerdem: Nur 33 Prozent Ballbesitz für den BVB, in der ersten Hälfte gerade einmal 28 Prozent. Ideen nach vorne? Kaum vorhanden. Biss? Fehlanzeige.

Der BVB war drauf und dran, den Negativrekord unter Niko Kovac einzustellen. Das waren bislang fünf Schüsse in einem Spiel. Auch gegen den VfB kam der BVB am Ende nur auf fünf. Von spielerischer Attraktivität ist keine Spur – es ist das alte Lied der BVB-Saison.

Spielerische Armut – Kovac kann das egal sein

Niko Kovac dürfte das herzlich egal sein. Der Trainer ist und bleibt pragmatisch – und vor allem erfolgreich. „Es war ein erkämpfter Sieg, kein erspielter Sieg“, musste auch Kovac eingestehen und sprach vom „Quäntchen Glück“, aber auch von „Können“, das in Stuttgart den Unterschied machte.

Bei seiner Prognose dürfte er aber wohl nicht ganz recht behalten haben. Er erwartete ein „Top-Spiel“ zwischen dem Zweiten und Dritten, das war es allerdings nur auf dem Papier.

Und dennoch steht unter dem Strich der 19. Bundesliga-Sieg in dieser Spielzeit für den BVB. Die Vizemeisterschaft und die daraus resultierende Qualifikation für die Champions League ist mit elf Punkten Vorsprung vor den drittplatzierten Leipzigern so gut wie sicher.

Dass die Treffer von Karim Adeyemi und Julian Brandt sowie die Vorlagen von Brandt und Fabio Silva allesamt von Einwechselspielern kamen, spricht zudem für das Händchen des Trainers.

Ein Detail, das ihm in die Karten spielt – auch wenn viele Fans mit der Art und Weise wenig anfangen können.

BVB erleidet Spannungsabfall

Ein Spannungsabfall, gerade nach der 2:3-Pleite gegen die Bayern, kann dennoch nicht wegdiskutiert werden.

Aus dem Meisterschaftsrennen, der Königsklasse und dem Pokal hat sich der BVB bereits verabschiedet, das Ziel Champions-League-Qualifikation ist so gut wie eingetütet. Die Folge: Die Gier auf dominante Auftritte fehlt.

Deniz Undav sprach nach der Partie von Qualität, die die Dortmunder hätten. Doch ist es das wirklich? Wenn, war davon lange nichts zu sehen. Gerade die Offensive war nicht existent.

Immerhin: Die Mentalität stimmt. Auch Kovac war mit dem „leidenschaftlichen Verteidigen“ zufrieden, wie er am SPORT1-Mikrofon erklärte. Und weiter: „Du kannst nicht immer den Gegner an die Wand spielen.“

Doch genau das ist der Punkt: Wie oft gelingt dem BVB überhaupt noch ein Spiel, in dem er dominiert?

Neu-Sportdirektor Book guckt genau hin

Der neue Dortmunder Sportdirektor Ole Book dürfte am Samstagabend jedenfalls genau hingeguckt haben. Denn unabhängig von Tabellenplatz und Ergebnis bei seinem Debüt dürfte er alles andere als zufrieden gewesen sein.

Der Kader wird im Sommer angepasst werden müssen, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Book steht für mutigen und offensiven Fußball. Auch daran wird er sich beim BVB messen lassen müssen.

Mit Unterhaltungssport hatte der Sieg in Stuttgart herzlich wenig zu tun. Da helfen auch keine ungewollten Täuschungsmanöver.