Bundesliga>

Pfiffe gegen Schlotterbeck! BVB reagiert deutlich

Schlotterbeck? BVB reagiert deutlich

Nico Schlotterbeck bekommt nach seiner Vertragsverlängerung einen unschönen Empfang bereitet. Bereits vor Anpfiff wird klar, was den Innenverteidiger vermutlich auch noch in Zukunft von den eigenen Fans erwarten wird. Die Bosse wollen das verhindern.
Der BVB muss mit dem 0:1 gegen Leverkusen die dritte Saisonniederlage hinnehmen. Trainer Niko Kovac zeigt sich im Anschluss mit der mangelnden Kreativität in der gegnerischen Hälfte unzufrieden.
Nico Schlotterbeck bekommt nach seiner Vertragsverlängerung einen unschönen Empfang bereitet. Bereits vor Anpfiff wird klar, was den Innenverteidiger vermutlich auch noch in Zukunft von den eigenen Fans erwarten wird. Die Bosse wollen das verhindern.

Nach der ernüchternden 0:1-Pleite gegen Bayer Leverkusen schlugen der gesamten Dortmunder Mannschaft vor der Südtribüne Pfiffe entgegen. Doch schon vor Anpfiff gab es unüberhörbare Unmutsbekundungen von den Rängen – und die galten Nico Schlotterbeck.

Als BVB-Stadionsprecher Nobby Dickel die Startaufstellung präsentierte, wurde Schlotterbeck unschön begrüßt. Als Dickel die Dortmunder „Nummer vier“ inklusive des Zusatzes der Vertragsverlängerung bis 2031 erwähnte, gab es ein schallendes Pfeifkonzert.

BVB: Fan-Unmut nach Schlotterbeck-Verlängerung

Gerade die BVB-Fans auf der Süd brachten damit zum Ausdruck, was sie von den Umständen der Verlängerung ihres Vize-Kapitäns halten. Auch während des Spiels gab es – wenn auch nur vereinzelt – Pfiffe, wenn der 26-Jährige am Ball war.

„Ich habe es bei der Aufstellung nicht mitbekommen, da war ich wohl noch drinnen. Im Spiel habe ich es einmal kurz mitgekriegt“, sagte Sportdirektor Ole Book anschließend – und wurde deutlich: „Das finde ich nicht in Ordnung.“

BVB-Verantwortliche verurteilen Pfiffe gegen Schlotterbeck

Schlotterbeck sei ein ganz wichtiger Spieler, „der sich zu unserem Verein bekannt hat und sehr viele Top-Leistungen in der Vergangenheit schon gebracht hat und heute einer der guten Spieler auf dem Feld war. Dass die Fans ihn dann auspfeifen, verurteile ich. Das hat er nicht verdient“, betonte Book.

Auch Geschäftsführer Carsten Cramer wurde deutlich: „Für mich als Verantwortlichen fühlt es sich nicht gut an, und von daher muss ich auch sagen, dass sich das nicht gehört, dass ein Spieler von Borussia Dortmund, und das galt nun mal Nico, mit Pfiffen begleitet wird.“

Cramer betonte, dass er Meinungsfreiheit „in Ordnung“ fände – aber: „Spieler im Trikot von Borussia Dortmund verdienen mit Betreten des Rasens Unterstützung“, sagte er: „Wir sind eine Gemeinschaft. Wir haben zusammen einen Vertrag unterschrieben.“ Für Pfiffe „gibt es überhaupt keinen Grund“.

Trainer Niko Kovac fand ähnliche Worte. „Natürlich geht sowas nicht, wir sind alles Borussen, jeder einzelne Spieler braucht die Unterstützung der Fans“, sagte er bei DAZN: „Wir sind eine Gemeinschaft, wir wollen Erfolg haben. Jeder kann seine Enttäuschung äußern, aber als Team sollten wir zusammenhalten.“

Schlotterbeck will nicht mit den Medien sprechen

Zuspruch erhielt Schlotterbeck auch von seinem Abwehrkollegen Waldemar Anton. „Keiner hat es verdient, ausgepfiffen zu werden. Das sind Dinge, die überhaupt nicht funktionieren“, sagte er: „Das schadet uns als Mannschaft, das muss jeder auf der Tribüne wissen. Das können wir als Mannschaft überhaupt nicht akzeptieren, das ist ein Unding, meiner Meinung nach.“

Laut Julian Brandt könne Schlotterbeck das gut einschätzen. „Es wurde sehr viel darüber berichtet. Am Ende ist es schwierig. Du kannst es nicht allen recht machen oder dass es allen schmeckt. Für den Verein ist es sensationell, dass sie es hingekriegt haben. Er muss sich darauf konzentrieren, was er am besten kann, und das ist Fußballspielen.“

Schlotterbeck selbst wollte nach der Partie nicht mit der Presse sprechen, ebenso wie Geschäftsführer Lars Ricken. „Wir hätten gerne auch Nico Schlotterbeck selbst gefragt, aber er hat sich heute, so unsere Informationen von der Presseabteilung des BVB, dazu entschieden, keine Interviews zu geben, zumindest mal hier vor den Kameras nicht, vielleicht tut er es bei den schreibenden Kollegen, da müssen wir mal weiter abwarten. Auch Lars Ricken möchte sich heute des Weiteren nicht äußern“, sagte DAZN-Moderatorin Laura Wontorra nach dem Spiel. Schlotterbeck sprach auch in der Mixed Zone nicht mit den Medien.

Dort äußerte sich dann aber Ricken und erklärte: „Wir haben mit einem Spieler verlängert, der sich sehr wohl fühlt und es liebt, für Borussia Dortmund zu spielen.“

BVB: Schlotterbeck besitzt Ausstiegsklausel

Nach monatelangem Zögern und Überlegen hatte der Innenverteidiger am Freitag seinen Vertrag vorzeitig um vier weitere Jahre bis 2031 verlängert.

Teil des neuen Arbeitspapiers ist eine deutliche Anhebung des Gehalts, womit er Top-Verdiener wird, und nach SPORT1-Informationen auch eine Ausstiegsklausel, die bereits im Sommer von noch nicht bekannten Topvereinen gezogen werden kann.

Die lange Entscheidungsfindung und den Aspekt mit der speziellen Klausel nehmen ihm viele BVB-Fans krumm, sein Bekenntnis pro Borussia Dortmund kaufen ihm einige offenbar nicht ganz ab.

Jetzt dürften ihm nur noch Zeit und gute Leistungen helfen, um wieder alle Fans auf seine Seite zu ziehen. 

So sieht Khedira die Pfiffe gegen Schlotterbeck

DAZN-Experte Sami Khedira konnte die Pfiffe nachvollziehen und verwies auf die Begleitumstände der Verlängerung.

„Gibt es eine Klausel? Die Klausel an sich ist nicht das Schlimme, aber gilt sie schon jetzt im Sommer? Wenn du jetzt verlängerst und drei Monate später den Verein verlassen solltest, dann gefällt das niemandem – gerade in so einem Umfeld wie in Dortmund“, meinte der Ex-Nationalspieler in der Halbzeitpause: „Deshalb sind sie erzürnt und sauer und lassen ihren Unmut sprechen. Deswegen ist jetzt die Kommunikation sehr wichtig, um Nico Schlotterbeck nicht in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.“

Nach der Partie bescheinigte der Weltmeister von 2014 Schlotterbeck eine gute Leistung. „An ihm lag es nicht“, sagte Khedira. „Es ist nicht einfach, wenn dich deine eigenen Fans auspfeifen. Keine Ahnung, ob er das gehört hat, aber er war stabil. Man hat es ihm nicht angemerkt, aber es hilft auch schon, wenn er merkt, dass der Verein und die Mannschaft hinter ihm stehen. Dann musst du versuchen, die Störgeräusche auszublenden.“