Bundesliga>

Die Bundesliga kann sich auf etwas gefasst machen

Ein neues Juwel für die Bundesliga

Österreich aufgemischt, in der WM-Qualifikation ein Held geworden: Mit Kerim Alajbegovic hat sich Bayer Leverkusen ein begehrtes Talent zurückgeholt. Wird er auch in der Bundesliga glänzen?
Kerim Alajbegovic kehrt im Sommer nach Leverkusen zurück
Kerim Alajbegovic kehrt im Sommer nach Leverkusen zurück
© IMAGO/Sportimage
Österreich aufgemischt, in der WM-Qualifikation ein Held geworden: Mit Kerim Alajbegovic hat sich Bayer Leverkusen ein begehrtes Talent zurückgeholt. Wird er auch in der Bundesliga glänzen?

Das Interesse war groß, die Zahl der Beobachter beträchtlich. Kerim Alajbegovic wusste früh, dass dieser Sommer wieder eine Veränderung mit sich bringen würde. Der 18 Jahre alte Offensivspieler hatte sich mit seinen Leistungen bei RB Salzburg und in der bosnischen Nationalmannschaft in den Fokus gespielt – durch Tore, Präsenz und seine bemerkenswerte Ruhe in entscheidenden Momenten.

Gleichwohl fiel die Entscheidung zügig. Bayer Leverkusen griff zu und sicherte sich die Rückkehr eines Spielers, dessen Entwicklung in dieser Saison rasant an Tempo gewonnen hat. Rund acht Millionen Euro fließen nach Salzburg, Ende März unterschrieb der Offensivspieler im Rheinland bis 2031. Alajbegovic gilt inzwischen als eines der begehrtesten Talente Europas, die Bundesliga wird im Sommer also um ein Juwel reicher.

Kerim Alajbegovic: „Eine unglaubliche Entwicklung“

„Kerim hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Er ist extrem ehrgeizig und hat sich erstaunlich schnell weiterentwickelt“, sagte Geschäftsführer Simon Rolfes am Wochenende nach dem 6:3 gegen VfL Wolfsburg auf SPORT1-Nachfrage.

In der Endphase der WM-Qualifikation bewies Alajbegovic, wie weit er schon ist – auch in maximalen Drucksituationen: Im Halbfinale der WM-Playoffs gegen Wales lag Bosnien lange zurück. Dann bereitete der Youngster erst in der 86. Minute den Ausgleich durch Edin Dzeko vor, ehe er im Elfmeterschießen die Nerven behielt und selbst die Entscheidung herbeiführte.

Wenige Tage später, im Finale gegen Italien, wiederholte sich das Muster: Verantwortung vom Punkt, Sicherheit im Abschluss. Diesmal hieß der Gegner Gianluigi Donnarumma. Bosnien qualifizierte sich anstelle des viermaligen Weltmeisters für die WM in Nordamerika, der Name Alajbegovic war mit diesem Erfolg eng verbunden.

Dass ein Spieler in so jungen Jahren in solchen Momenten diese enorme Verantwortung übernimmt und einen klaren Kopf bewahrt, ist selten. Nationalcoach Sergej Barbarez hatte Alajbegovic erst im vergangenen September zum jüngsten Debütanten der Verbandsgeschichte gemacht.

Jüngster Nationalspieler der Geschichte

Für zwei Millionen Euro verließ Alajbegovic im vergangenen Sommer seinen Stammklub aus Leverkusen – im vollen Bewusstsein, dass für seine Entwicklung vom Jugend- in den Männerbereich Spielpraxis erforderlich ist.

Leihverein RB Salzburg bot ihm genau das: Einsätze, Vertrauen und Wettbewerb auf nationaler sowie internationaler Ebene – erst in der Champions-League-Qualifikation, dann in der Europa League. So ging der Plan, die ersten echten Karriereschritte in einem Verein zu machen, der Talente nicht nur ausbildet, sondern auch fördert und fordert, schnell auf.

Die Zahlen untermauern diesen Eindruck. Inzwischen kommt Alajbegovic auf 37 Pflichtspiele, in denen elf Tore und drei Vorlagen seinen Aufstieg zum Leistungsträger belegen. Nicht zuletzt dank Alajbegovic darf Salzburg, das zuletzt zweimal im Titelkampf gescheitert ist, wieder auf die Meisterschaft hoffen.

Mit Dynamik, seiner technischen Sauberkeit und seinem ausgeprägten Gespür für Räume bringt Alajbegovic genau das Element in das Spiel von Salzburg, das in der Vorsaison häufig gefehlt hat. Einige Beobachter in der Alpenrepublik sehen in ihm sogar den aktuell besten Spieler der Liga. 

Leverkusen: Was Rolfes an Alajbegovic fasziniert

Rolfes zeigte sich trotz aller schon vorher vorhandenen Wertschätzung für Alajbegovic von der Geschwindigkeit des Reifeprozesses überrascht. Man habe Alajbegovic den nächsten Schritt zugetraut, sagte der frühere Nationalspieler, „aber er macht ihn so schnell“.

Üblicherweise rechne man mit ein oder zwei Jahren, doch bereits nach sechs Monaten sei intern klar gewesen, dass man ihn mithilfe einer verankerten Klausel im Sommer zurückholen werde. Zugleich hebt Rolfes ein besonderes handwerkliches Detail hervor: „Er hat eine außergewöhnliche Schusstechnik, auch außerhalb des Sechzehners. Das macht ihn wirklich besonders. Und ich denke, auch in anderen Bereichen hat er den Ehrgeiz, sich weiterzuentwickeln.“

Diese Mischung war es auch, die die Leverkusener früh überzeugte. Der gebürtige Kölner begann beim 1. FC Köln, wechselte 2021 – wie einst Florian Wirtz – auf die andere Rheinseite zu Bayer. Schon damals war er seinem Alter voraus: Mit 14 spielte er in der U17, mit 17 nahm er regelmäßig am Profitraining teil. Xabi Alonso nominierte ihn in der Saison 2024/25 mehrfach für den Spieltagskader; zu einem Pflichtspieleinsatz kam es allerdings nicht. Der Wechsel nach Salzburg war daher weniger ein Bruch als vielmehr Teil eines langfristigen Plans. Intern war von einem „zu schleifenden Diamanten” die Rede. Der Schliff ist gelungen.

Wenn du hier klickst, siehst du Instagram-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Instagram dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
IMMER AKZEPTIEREN
EINMAL AKZEPTIEREN

Die Konkurrenz schaut schon aufmerksam hin

In wenigen Monaten kehrt Alajbegovic zur Werkself zurück und soll eine größere Rolle einnehmen. „Wir haben bewusst den Weg mit Bayer Leverkusen eingeschlagen“, sagte Vater Semin Alajbegovic zu Bild und verwies auf das gute Verhältnis zu Boss Fernando Carro sowie zu Rolfes und Kaderplaner Kim Falkenberg. Rolfes betonte derweil: „Es ist ein großes Ziel, in den nächsten Jahren Spieler aus der Akademie in die erste Mannschaft zu integrieren. Deswegen freuen uns sehr, dass Kerim diesen Sommer zurückkommt.“

Wie lange Leverkusen auf ein so großes Talent bauen kann, ist allerdings schwer abzusehen: Laut Berichten haben finanzstarke Vereine aus England ihren Hut in den Ring geworfen, der FC Bayern und sämtliche Topklubs aus Italien wurden ebenso als Interessenten genannt. Rolfes lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Wir haben die Zügel in der Hand“, sagt er.

In Wales und Italien werden sie den Namen Kerim Alajbegovic so schnell sicher nicht vergessen. Die entscheidende Frage ist nun: Wie viel Angst und Schrecken wird er bald bei der Bundesliga-Konkurrenz verbreiten?