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Der perfekte Umgang mit unschöner Kritik

Diese Nachricht ging um die Welt

Union Berlin ernennt Marie-Louise Eta bis Saisonende zur Cheftrainerin. Die Entscheidung sorgt auch international für Aufsehen.
Union Berlin trennt sich von Steffen Baumgart. Die bisherige U19-Trainerin Marie-Louise Eta soll die Eisernen bis Saisonende übernehmen.
Union Berlin ernennt Marie-Louise Eta bis Saisonende zur Cheftrainerin. Die Entscheidung sorgt auch international für Aufsehen.

Mit dem Aus von Steffen Baumgart sorgte Union Berlin in der Nacht auf Sonntag für einen Paukenschlag. Und der hallt auch international nach. Das hängt mit Baumgarts Nachfolgerin zusammen: Marie-Louise Eta.

„Historisch! Die Bundesliga hat ihre erste Frau auf einer Trainerbank einer Männermannschaft“, schrieb die spanische Mundo Deportivo. Die Marca setzte noch eins drauf: „Erste Trainerin einer Männermannschaft in einer der Top-5-Ligen Europas.“ Die Sportzeitung aus der Hauptstadt Madrid sah „eine im deutschen Fußball beispiellose Entscheidung“.

Popp feiert Eta-Beförderung

Die ehemalige Nationalspielerin Alexandra Popp (145 A-Länderspiele) feierte die historische Entscheidung. „Ich finde es einen richtig, richtig coolen Schritt“, freute sich Popp am Rande der Icon League im Gespräch mit SPORT1.

Popp und Eta kennen sich bestens. „Ich habe in der U15-Nationalmannschaft zusammen mit ihr gespielt. Da weiß ich als Spielerin auch schon, über welche fußballerische Intelligenz sie verfügt“, erklärte Popp.

Dass Eta einst selbst auf höchstem Niveau Fußball gespielt hat, könnte von großem Vorteil sein. „Ich habe von klein auf ganz viel Zeit mit dem Fußball verbracht“, erzählte sie Ende letzten Jahres bei rbb24. Fußball ist das beherrschende Thema in ihrem Leben.

Der Aufstieg von Marie-Louise Eta

Eta spielt Fußball, seit sie sechs Jahre alt ist. Im Alter von 13 Jahren wechselte sie zu Turbine Potsdam. Mit Potsdam gewann sie 2010 die Champions League und dreimal die Deutsche Meisterschaft. Außerdem wurde sie U20-Weltmeisterin. „Man sieht an ihren Erfolgen, dass sie es als Trainerin auch allen zeigen kann“, ist sich Popp sicher.

Ihre Karriere als Trainerin begann dort, wo ihre aktive Karriere endete: bei Werder Bremen. Sie begann als Jugendtrainerin und war schon damals die erste Frau der Vereinsgeschichte, die dieses Amt ausübte. Im Sommer 2023 zog es sie dann nach Berlin.

Nach der Entlassung von Urs Fischer stieg sie am 15. November 2023 zur ersten Co-Trainerin eines Bundesligisten auf. Als der ehemalige Union-Trainer Bjelica im Januar 2024 eine Tätlichkeit gegen Leroy Sané beging, rückte sie für drei Spiele als Sprecherin des Trainerteams in den Vordergrund.

„Es ist schon Wahnsinn, was ich in meiner Zeit hier schon alles erlebt habe“, sagte Eta zuletzt. Nun darf sie sich Cheftrainerin nennen. Dabei bewegt sich Eta in einem komplizierten Spannungsfeld.

Bundesliga: Eta geht als Pionierin voran

So gibt es auch im Jahr 2026 nur wenige Profitrainerinnen in Deutschland. Jobs in leitenden Funktionen zu bekommen, erweist sich als enorm schwer. Eta geht als Pionierin voran.

„Und warum sollten Frauen nicht auch wichtige Positionen im Männerfußball übernehmen können?“, hinterfragte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus am Sonntag bei Sky90. Er zog den Vergleich zu Drittligatrainerin Sabrina Wittmann beim FC Ingolstadt. „Eine Trainerin, die bereits in ihrer dritten Saison ist. Sie macht dort einen guten Job. Warum sollte es also nicht auch in der Bundesliga funktionieren?“, sagte Matthäus.

Eine völlig andere Meinung vertritt Maik Barthel, der ehemalige Berater von Robert Lewandowski. Als Eta 2023 zur Co-Trainerin aufstieg, drückte der Spielerberater sein Unverständnis aus. „Eine Co-Trainerin zum Thema zu machen, wird dem FC Union Berlin nicht helfen, die zerstörte Mannschaftshierarchie wieder in Ordnung zu bringen“, schrieb Barthel damals.

„Bitte nicht noch den deutschen Fußball der Lächerlichkeit preisgeben. Es langt, dass man die Mannschaftshierarchie komplett zerstört hat mit den Transfers. Es braucht nicht noch andere Storys aktuell“, polterte der Spielerberater weiter.

Beleidigungen im Netz

Und auch am Sonntag, nach der neuerlichen Beförderung von Eta, gab es in den sozialen Medien teils heftige Reaktionen. Die 34-Jährige sah sich Beleidigungen im Netz ausgesetzt, ihre Kompetenz wurde hinterfragt, einzelne User wünschten dem Verein sogar den Abstieg.

Dass Frauenhass weder im Internet, noch sonst wo auf dieser Welt etwas verloren hat, sollte eigentlich jedem klar sein. Auf charmante Art und Weise erinnerte der X-Admin der Unioner die User daran und konterte deren Aussagen humorvoll bis bissig.

Natürlich gab es neben Popp und Matthäus auch noch jede Menge weitere Befürworter. Auch die DFB-Frauen freuten sich mit Eta. „Ein super Zeichen“, sagte beispielsweise Sjoeke Nüsken. Frankfurts Jella Veit sieht die Trainerin als „großes Vorbild“.

Internationale Presse würdigt „historische Entscheidung“

Und während die Entscheidung am Sonntagmorgen im SPORT1 Doppelpass bei den Experten auf viel Zuspruch und Verständnis traf, war die Meldung aus Deutschland bei der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport gar eine der Topmeldungen – gleich hinter dem Abgesang auf die AC Mailand. Auch Transfer-Journalist Fabrizio Romano verbreitete die „historische Entscheidung“ bei X.

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Beim Corriere della Sera wurde Etas Berufung zur ersten Cheftrainerin in der Bundesliga ebenfalls vermeldet, „womit die Bundesliga ein Tabu bricht“. Die französische Tageszeitung Le Monde schrieb: „Eine Premiere in der Bundesliga.“

Ernennung von „Pionierin Eta“ in den USA ein Thema

Bei der englischen Boulevardzeitung Sun war die Schlagzeile „Girl Power“ zu lesen. Auch die übrige Presse auf der Insel vermeldete den historischen Schritt. In den USA schlug die Meldung ebenso Wellen. „Union Berlin ernennt die Pionierin Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin“, titelte USA Today.

Auch wenn Eta nach Saisonende wie geplant die Nachfolge von Ailien Poese bei den Union-Frauen antreten soll und somit keine langfristige Lösung darstellt, erntete Union-Boss Horst Held im Doppelpass viel Anerkennung für die Entscheidung, ihr das Vertrauen zu schenken. „Chapeau, dass Horst Heldt diesen Mut hat. Das wird etwas Gutes“, sagte Fredi Bobic, aktuell Leiter der Fußballabteilung bei Legia Warschau.

Dass nun erstmals eine Frau an der Seitenlinie eines Bundesligisten steht, findet der langjährige Hertha-Geschäftsführer richtig: „Man muss mit der Zeit gehen und darf nicht in der Vergangenheit verharren und sagen, dass eine Frau dort nicht arbeiten kann. Das ist vorbei und das ist auch gut so.“

Und während all die Medien, Experten, Zeitungen und Fans die historische Entscheidung stundenlang heiter diskutierten, wollte Eta den Fokus ganz alleine auf den sportlichen Erfolg richten. „Ich habe die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen“, wurde sie am Sonntagabend von den Köpenickern zitiert. Bei Union liest man solche Sätze sicherlich gern.