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FC Bayern: Das Schweizer Taschenmesser zeigt neue Qualitäten

Die Zweifel im Keim erstickt

Tom Bischof glänzt für den FC Bayern nicht nur als Schweizer Taschenmesser, sondern auch erstmals als Weitschuss-Ass - daran hat auch Joshua Kimmich seinen Anteil. Trotz anfänglicher Zweifel vor seinem Wechsel nach München hat sich der 20-Jährige stetig weiterentwickelt. Für die Doppelpass-Experten hat daran vor allem der Trainer einen großen Anteil.
Tom Bischof avancierte beim Sieg der Bayern in Freiburg zum Matchwinner. Im Doppelpass erntet der Bayern-Held Lob.
Tom Bischof glänzt für den FC Bayern nicht nur als Schweizer Taschenmesser, sondern auch erstmals als Weitschuss-Ass - daran hat auch Joshua Kimmich seinen Anteil. Trotz anfänglicher Zweifel vor seinem Wechsel nach München hat sich der 20-Jährige stetig weiterentwickelt. Für die Doppelpass-Experten hat daran vor allem der Trainer einen großen Anteil.

Mit seiner eindrucksvollen Vorstellung im Breisgau hat Tom Bischof noch einmal untermauert, warum der FC Bayern im vergangenen Sommer alles daransetzte, um ihn in die bayerische Landeshauptstadt zu lotsen.

Zunächst besorgte er mit seinem schwächeren rechten Fuß aus der Distanz den Anschlusstreffer (81.), dann – aus ähnlicher Entfernung – mit seinem linken den Ausgleich (90.+2).

Bischof wird zum Mann der Stunde beim FC Bayern

Mit seinem Doppelpack machte er das Siegtor von Lennart Karl (90.+9) überhaupt erst möglich. Aus einem drohenden Punktverlust wurde ein emotionaler Comeback-Sieg – bei dem Bischof plötzlich zum Mann der Stunde wurde.

Auch Joshua Kimmich hatte daran seinen Anteil. „Vor dem Spiel hat Jo noch zu mir gesagt: ‚Kannst du jetzt mal bitte auf die Kiste schießen?'“, verriet Bischof nach Abpfiff bei DAZN. Gut, dass er auf ihn gehört hat.

Kritik und Zweifel verstummen dank Schlüsselfigur Kompany

Kritik und Zweifel, dass Bischof beim deutschen Rekordmeister hinter etablierten Stars wie Kimmich, Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka nur die Bank wärmen würde, was wiederum seiner Entwicklung geschadet hätte, kamen nur im Vorfeld seines Wechsels auf. Denn seit er bei den Bayern ist, setzt Vincent Kompany auf ihn. Dabei hatte selbst sein Berater Volker Struth vor dem Wechsel einige Bedenken.

Für Bayern-Legende Markus Babbel ist vor allem der Trainer der entscheidende Faktor für die stetige Weiterentwicklung Bischofs. „In der Vergangenheit wäre Tom Bischof untergegangen. Da wäre er nicht oft zum Einsatz gekommen“, sagte Babbel im Doppelpass auf SPORT1. „Aber das schafft eben auch Vincent Kompany. Er vertraut all seinen Spielern und wirft sie auch mal hinein.“

Dieses Vertrauen zahlte Bischof dem Belgier mit einer abgeklärten Leistung über die volle Distanz zurück – und zwar nicht zum ersten Mal. Bereits 33-mal gab Kompany dem 20-Jährigen die Chance, sich zu beweisen. 14-mal stand Bischof sogar in der Anfangsformation.

Sein großer Pluspunkt ist dabei seine Vielseitigkeit. Während der Linksfuß in Hoffenheim primär im Mittelfeldzentrum agierte, kommt er beim FCB auch häufig als Linksverteidiger zum Einsatz und glänzt als taktische Allzweckwaffe.

Schweizer Taschenmesser und Weitschuss-Ass

„Seine beiden Tore, eins mit links, eins mit rechts. Wenn du nicht weißt, was sein starker Fuß ist, siehst du es definitiv nicht. Und er nimmt auch die Position an auf der linken Seite, auch mal im Mittelfeld oder auf der rechten Seite“, zeigte sich Stefan Effenberg im Doppelpass auf SPORT1 beeindruckt von Bischofs Variabilität.

Diese Flexibilität macht ihn für den Kader der Münchner so wertvoll. Zwar steht er noch im Schatten der etablierten Weltstars, füllt seine ergänzende Rolle als Schweizer Taschenmesser allerdings in Perfektion aus. Und als Weitschuss-Ass könnte er sich auch in Zukunft noch als äußerst hilfreich erweisen, wenn die Bayern gegen tiefstehende Abwehrketten gefordert sind.

„Der wird Tore machen in seiner Karriere“, prognostizierte Kompany nach dem Spiel gegen Freiburg: „Aus der Distanz darfst du Bischi nicht schießen lassen. Im Training hat er schon viel getroffen, im Spiel noch nicht. Was er heute gemacht hat, davon wissen wir, dass er es macht. Weil er macht das immer.“

Trotz der Euphorie mahnen Babbel und Effenberg

Trotz der Euphorie mahnen die Experten zur Geduld – auch wenn das Talent unbestreitbar ist. Für Babbel ist die Spielpraxis das A und O für den einmaligen deutschen Nationalspieler: „Bischof kann kicken, er hat einen überragenden linken Fuß und eine super Schusstechnik. Nur, wenn du nicht zum Einsatz kommst, dann wird es schwierig, auch vom Selbstverständnis her.“

Genau hier setze Kompany an und schaffe es, diese Spieler „immer wieder einzubauen und in so einem wichtigen Spiel wie jetzt gegen Freiburg 90 Minuten ranzulassen“.

Effenberg sieht den Youngster derweil auf einem perfekten Weg, mahnt aber gleichzeitig ein realistisches Rollenverständnis an. „Er bleibt nach wie vor ein Backup-Spieler, aber einer, dem die Zukunft bei Bayern München gehört“, urteilte Effenberg, der Bischof am Dienstag gegen Real Madrid wieder auf der Bank vermutet.

Davon ist zwar auszugehen – dennoch dürfte nach der Gala von Freiburg klar sein: Bischofs Weg beim deutschen Rekordmeister hat gerade erst so richtig begonnen – und könnte denen, die es mit den Münchnern halten, noch viel Freude bereiten.