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FC Bayern: Die Folgen des Gnabry-Schocks

Bayern hat jetzt ein Problem

Serge Gnabry fällt womöglich monatelang aus. Ein herber Schlag für den 30-Jährigen, aber auch der FC Bayern bekommt im Endspurt der Saison ein richtiges Problem.
Serge Gnabry fällt beim FC Bayern München aus, aber Jamal Musiala kommt nach seiner Verletzung wieder richtig in Fahrt. Trainer Vincent Kompany gibt sich auf der Pressekonferenz zuversichtlich.
Serge Gnabry fällt womöglich monatelang aus. Ein herber Schlag für den 30-Jährigen, aber auch der FC Bayern bekommt im Endspurt der Saison ein richtiges Problem.

Wie lange Serge Gnabry aufgrund eines Adduktorenabrisses ausfallen wird, steht „noch in den Sternen“ – so drückte es Bayerns Sportvorstand Max Eberl am Sonntagabend nach der Partie gegen den VfB Stuttgart aus. Doch inmitten der ohnehin gedämpften Meisterfreude erweckte kein Verantwortlicher des Rekordmeisters den Eindruck, als hätte irgendwer noch Hoffnung, dass der 30-Jährige in dieser Saison nochmal auflaufen wird.

Auch eine WM-Teilnahme liegt für den deutschen Nationalspieler in weiter Ferne. Trotzdem erklärte Vincent Kompany: „Schauen wir mal, wie es jetzt weitergeht mit seiner Verletzung.“ Was nach Hoffnung klingt, kann nicht verdecken, dass der Bayern-Trainer für die anstehende Endphase der Saison vor einem großen Problem steht. Die Frage lautet: Wer kann den in dieser Saison so gut aufgelegt Gnabry adäquat ersetzen?

Als natürlicher „Ersatz“ steht Jamal Musiala parat, schließlich ist er die eigentliche Stammkraft auf der Zehnerposition, auf der Gnabry bislang den Luxus-Stellvertreter gab (zehn Tore, elf Vorlagen). Doch der 23-Jährige steht nach seiner schweren und komplizierten Verletzung noch nicht wieder bei 100 Prozent.

Ist Musiala schon bereit für K.o.-Duelle?

Bei seinen Auftritten auf St. Pauli, gegen Real Madrid und gegen den VfB konnte Musiala sichtlich seine Zaghaftigkeit ablegen und bereits wieder mit Toren und Assists glänzen. Doch die K.o.-Duelle im Pokal und in der Champions League könnten eine Nummer zu anstrengend für ihn sein – besonders wenn der Nationalspieler 90 Minuten und mehr spielen müsste.

Durch Gnabrys Verletzung gerät Musiala zwar erheblich unter Leistungsdruck, doch er bekommt verbale Unterstützung von höchster Stelle: „Es ist großartig zu sehen, dass Jamal zu seiner Form findet. Er wird stärker, sieht deutlich schärfer aus, das ist natürlich ein großes Plus für uns“, erklärte Harry Kane.

Karl und Bischof sind nicht zur Stelle

Musiala rückt nun auch deswegen in den Fokus, weil andere Alternativen wie Lennart Karl und Tom Bischof sich derzeit ebenfalls im Krankenstand befinden. Viel darf nicht mehr passieren. Zwar signalisierten beide bereits nach der Partie gegen Real auf SPORT1-Nachfrage, dass in Sachen Regeneration alles nach Plan laufe, eine konkrete Ausfallzeit ist aber noch nicht bekannt.

Zumal Bischof wohl eher eine Notlösung wäre. Zwar kann er hinter der Spitze spielen, doch dort machte er in dieser Saison nicht seine besten Spiele. Glänzen konnte er vor allem als Linksverteidiger und auf der Sechserposition – dort sieht er ohnehin seine fußballerische Heimat. „Ich helfe da, wo ich gebraucht werde. Aber natürlich bin ich immer noch am glücklichsten, wenn es auf die Sechs geht“, verriet der 20-Jährige bereits Mitte März auf Frage von SPORT1.

Kompanys Optionen sind überschaubar

Gegen Stuttgart agierte Raphael Guerreiro auf der Zehnerposition und machte seine Sache nicht schlecht. Doch der Portugiese gilt nicht als jemand, der Spiele entscheiden kann. Bislang trat er vor allem als Ergänzungsspieler auf – in Leverkusen und Paris könnte das zu wenig sein.

Obendrein ergibt sich für Trainer Kompany ein weiteres Problem, das gerne übersehen wird: Sollte es in den anstehenden Partien zwischenzeitlich nicht optimal laufen, hat er kaum Möglichkeiten, um für neuen Schwung von der Bank zu sorgen. Die Optionen des Chefs sind übersichtlich – das dürfte auch bei den Gegnern ankommen. Die bayerische Aufstellung in den Top-Partien ist quasi vorhersehbar.

Schiebt Kompany Davies auf den Flügel?

Gut möglich also, dass Kompany, der seine Aufstellung grundsätzlich nie verrät, zu kreativen Lösungen greift. Unter Umständen könnte die linke Seite von Konrad Laimer hinten beackert werden und Alphonso Davies würde nach vorne rücken. So könnte der Trainer Luis Díaz in die Mitte schieben. Es wäre ein gewagtes Unterfangen, das dem Kolumbianer den Vorteil der Schnelligkeit berauben würde.

Am liebsten wäre es allerdings wohl auch Kompany, dass Musiala weiterhin zügige Fortschritte macht. In Top-Form kann der 23-Jährige der ohnehin schon angsteinflößenden Offensive der Münchner schließlich noch auf ein höheres Level verhelfen.