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Nie wieder passierte einem Torhüter in der Bundesliga, was ihm passierte

Das passierte nur ihm

Heute vor 39 Jahren widerfuhr Lauterns Torhüter-Legende Gerald "Tarzan" Ehrmann Einmaliges: In einem turbulenten Derby bei Waldhof Mannheim wurden vier (!) Elfmeter gegen sein Team gepfiffen.
Gerald Ehrmann war bekannt für seine Muskelkraft
Gerald Ehrmann war bekannt für seine Muskelkraft
© IMAGO / Ferdi Hartung
Heute vor 39 Jahren widerfuhr Lauterns Torhüter-Legende Gerald "Tarzan" Ehrmann Einmaliges: In einem turbulenten Derby bei Waldhof Mannheim wurden vier (!) Elfmeter gegen sein Team gepfiffen.

Es war ein Derby, das in der Bundesliga der Achtziger für jede Menge hitzige Momente sorgte: Der 1. FC Kaiserslautern gegen den SV Waldhof Mannheim, Pfälzer gegen Kurpfälzer, das prickelte schon in alten Oberliga-Zeiten, die Fans waren sich nie grün.

Im Jahr 1983 hatte Kult-Trainer Klaus „Schlappi“ Schlappner „den Waldhof“ erstmals ins Oberhaus geführt. Im vierten Jahr danach kratzte sein Team schon etwas an der regionalen Vorrangstellung der Roten Teufel – die sich immer wieder vergeblich um einen Auswärtssieg beim Erzrivalen bemühten.

Am Mittwochabend des 15. April 1987 – heute vor 39 Jahren – scheiterten sie zum vierten Mal und stellten dabei einen irrwitzigen Bundesliga-Rekord auf, den keiner haben will.

Mittendrin: Lauterns Torhüter-Ikone Gerald „Tarzan“ Ehrmann, dem an diesem historischen Tag etwas widerfuhr, was vor ihm noch keinem Bundesliga-Keeper passiert war – und auch bis heute keinem anderen passiert ist.

Bundesliga-Rekord: Vier Elfmeter für Waldhof gegen den FCK

Schiedsrichter Joachim Kautschor verhängte im Ludwigshafener Südweststadion vier (!) Elfmeter gegen die Gäste – ebenso peinlich wie einmalig. Ehrmann brachten die Pfiffe des Manns in Schwarz mächtig auf die Palme.

Es war wahrlich kein Spiel für schwache Nerven und schon gar keins für Tarzan, der vor allem starke Muskeln hatte – und viel Temperament. Zwei Elfmeter verursachte der spätere Lehrmeister von Roman Weidenfeller, Tim Wiese und Kevin Trapp selber, zwei hielt er, davon wurde einer jedoch im Nachschuss noch verwandelt.

Die zweite Hauptrolle spielte der kleine Waldhof-Stürmer mit dem großen Namen: Fritz Walter, Namensvetter des Lauterer Weltmeister-Kapitäns von 1954.

Elfer-Krimi um Fritz Walter und Gerry Ehrmann

Gleich dreimal trat der spätere Meisterstürmer und Torschützenkönig des VfB Stuttgart gegen Lautern zum Elfmeter an. Einmal scheiterte er, aber den entscheidenden Ball zum 4:3 verwandelte er (89. Minute).

Die Chronologie des Dramas vom Kreidepunkt: Beim Stand von 1:1 verwandelt Walter einen Foulelfmeter – flach mit rechts nach links, 2:1 (31.). Drei Minuten später wieder Elfmeter, wieder Walter gegen Ehrmann – doch der hält. Der FCK dreht die Partie, führt bis zur 82. Minute mit 3:2.

Dann wieder ein Elfmeter für Waldhof, von Ehrmann rabiat gegen Karl-Heinz Bührer verursacht. Da Walter verschossen hat, tritt nun Jörg Neun an, der scheitert aber auch. Doch Walter schnappt sich den Abpraller, kommt per Kopf zu seinem dritten Treffer des Tages.

Das 1:0 hat er übrigens beinahe „normal“ erzielt, wenn auch aus fast unmöglichem Winkel.

Tarzan verzweifelt – Waldhof siegt dank Walters vier Treffern

In der 89. Minute schließlich Elfmeter Nummer vier: Geradezu plump rennt Ehrmann Bührer über den Haufen. Ein glasklarer Elfmeter, nur nicht für Tarzan. Zwei Mitspieler, Markus Schupp und Harald Kohr, müssen ihn festhalten, damit Kautschor schadlos aus dieser Partie kommt.

Waldhof hat andere Probleme: Wer soll schießen? Vier Elfmeter hat noch nie eine Mannschaft bekommen, zwei Schützen aber haben schon vergeben. Haben sie noch einen dritten Mann?

Sie brauchen ihn nicht, denn nun traut sich Walter wieder und verwandelt zum 4:3-Endstand. Wie bei seinem ersten Elfer zielt der Mannheimer Stürmer mit rechts nach links unten. Zu allem Überfluss aus Lauterer Sicht erkennt Schiri Kautschor kurz vor Schluss noch den vermeintlichen Ausgleich durch Sergio Allievi wegen einer Abseitsstellung ab.

Dann ist Schluss und die Liga macht kurze Osterferien. FCK-Trainer Hannes Bongartz will die Zeit nutzen, seinen Spielern die Leviten zu lesen, „denn wir haben uns heute selbst geschlagen.“

Am Ende der Saison ist Lautern Tabellensiebter, Waldhof schafft als 14. den Klassenerhalt, der auch vom FC Bayern umworbene Derbyheld Walter wechselt zum VfB.

Im Jahr 1990 folgt der Waldhofer Abstieg, zurückgekehrt ins Oberhaus sind sie seitdem nie mehr. Und nie mehr gab es ein derart denkwürdiges Südwest-Derby wie an jenem 15- April 1987.