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Gladbach: Die Sorge vor dem Zerfall

Ein klares Signal

Florian Neuhaus ist bei Borussia Mönchengladbach derzeit außen vor. Die Situation des Mittelfeldspielers steht sinnbildlich für eine Gladbacher Herkulesaufgabe – und lässt einen leisen Zerfall befürchten.
Rocco Reitz wechselt im kommenden Sommer zu RB Leipzig. Damit verliert Borussia Mönchengladbach einen wichtigen Leistungsträger und eine Identifikationsfigur.
Florian Neuhaus ist bei Borussia Mönchengladbach derzeit außen vor. Die Situation des Mittelfeldspielers steht sinnbildlich für eine Gladbacher Herkulesaufgabe – und lässt einen leisen Zerfall befürchten.

Es schien, als habe er seinen Tiefpunkt überwunden. Nach dem schlagzeilenträchtigen Mallorca-Video kämpfte sich Florian Neuhaus, der kurz darauf zur U23 abgestellt wurde, mit starken Leistungen zurück ins Team.

Unter Trainer Eugen Polanski gehörte er lange zum unangefochtenen Stammpersonal – bis Ende Januar. Dann folgte der nächste Einbruch.

In den vergangenen Spielen kam er nur zweimal zum Einsatz, seit Februar stand er insgesamt lediglich 42 Minuten auf dem Platz. Der vorläufige Tiefpunkt: Am vergangenen Spieltag wurde er beim 1:1 gegen Mainz nicht einmal in den Kader berufen. Und das, obwohl die Fohlen erneut Kreativität und Offensivqualitäten vermissen ließen.

Polanski verbannt Neuhaus aus dem Kader

Die Degradierung von Neuhaus gibt Rätsel auf. Fakt ist: Der 29-Jährige steht exemplarisch für einen enorm schwierigen Transfersommer der Gladbacher Verantwortlichen.

„Ich habe schon vor dem Spiel gesagt, dass harte Entscheidungen anstehen, jetzt, wo Robin Hack und Nathan Ngoumou wieder zurück sind. Ich habe mit Flo gesprochen und auch zu ihm gesagt, dass das nur eine Entscheidung für das Mainz-Spiel ist. Es hat nicht mit schlechter Leistung zu tun, sondern es geht darum, wie ich den Kader bestücke. Jetzt in der kommenden Trainingswoche hat er wieder die Chance, sich für Wolfsburg zu empfehlen. Ob die Jungs das so nachvollziehen können, ist natürlich eine andere Frage“, erklärte Polanski.

Es ist ein klares Signal, wenn der Topverdiener keinen Platz mehr im Kader findet.

Neuhaus ist kein Einzelfall

Neuhaus ist kein Einzelfall. Auch Marvin Friedrich und Ngoumou traf es am vergangenen Wochenende – beide saßen nicht einmal auf der Bank. „Diese Entscheidung hat nichts mit den Leistungen dieser Jungs zu tun“, betonte der Coach. Ausschlaggebend sei vielmehr die Kaderstruktur gewesen.

„Wir wollten unbedingt Hack im Spieltagskader haben, weil wir wissen, was er uns geben kann“, erklärte Polanski. Hack, der nach einer Meniskusverletzung in dieser Saison kaum zum Einsatz kam (vier Spiele) und zuletzt im November spielte, steht damit in der Hierarchie klar vor dem Trio – obwohl er noch nicht ansatzweise bei 100 Prozent ist.

Das ist das größte Problem der Gladbacher

Der Fall Neuhaus legt jedoch ein deutlich größeres Problem offen: Das Gehaltsgefüge, das in den vergangenen Jahren völlig gesprengt wurde. Der zentrale Mittelfeldspieler gehört mit rund vier Millionen Euro Jahresgehalt zu den Topverdienern – sportlich ist er jedoch längst nicht unverzichtbar. Die finanziell angeschlagenen Gladbacher würden ihn nur zu gerne abgeben: um Ablöse zu generieren und Gehalt einzusparen.

Doch Neuhaus (Vertrag bis 2027) hat wenig Anreiz für einen Wechsel, da er andernorts vermutlich deutlich weniger verdienen würde. Ähnlich gelagert sind die Fälle von Giovanni Reyna, Kevin Stöger und Jonas Omlin, der aktuell an Bayer 04 Leverkusen ausgeliehen ist. Bei allen dreien passt das Gehalt nicht zum Standing in der Mannschaft.

Gleichzeitig gibt es Spieler, die den Klub gerne verlassen würden, teils schon seit mehreren Transferperioden, denen jedoch konkrete Angebote fehlen. Als potenziell lukrative Verkaufskandidaten gelten Nico Elvedi, Joe Scally, Franck Honorat und auch Tomas Cvancara (derzeit an Celtic Glasgow verliehen).

Wechselwillige Gladbach-Profis ohne Markt

Fest steht: Borussia Mönchengladbach muss im Sommer Spieler verkaufen und Einnahmen generieren. Der alleinige Verkauf von Rocco Reitz nach Leipzig wird nicht reichen, um den dringend notwendigen Umbruch einzuleiten.

Von der Ablösesumme von rund 20 Millionen Euro fließen nur etwa knapp acht Millionen in die Kaderplanung – der Rest ist bereits verplant oder dient dem Abbau von Verbindlichkeiten.

Der kommende Transfersommer wird damit zur Mammutaufgabe für Sport-Geschäftsführer Rouven Schröder und Kaderplaner André Hechelmann – und das unabhängig vom Klassenerhalt. Ein Abstieg würde die Lage zwar verschärfen – auch wenn die Spielergehälter dann um etwa die Hälfte sinken würden.

Gladbacher Furcht vor dem Absturz

Die unsichere Planung wirkt sich zudem auf die Zukunft der Leihspieler aus: Wie es mit Yannik Engelhardt, Haris Tabakovic, Kota Takai und Alejo Sarco weitergeht, ist völlig offen. Stand jetzt kann sich Gladbach keinen von ihnen leisten.

„Es gibt keine Alternative zu Positivität“, erklärte Schröder im Podcast „Pfostenbruch“.

Doch die Perspektiven bleiben angespannt. Mit begrenzten finanziellen Mitteln muss der Geschäftsführer im Sommer mehr Qualität in den Kader bringen. Spieler wie Jens Castrop, Kevin Diks, Tim Kleindienst und das 17 Jahre alte Talent Wael Mohya sollen künftig das Gerüst bilden. Die Realität aber zeigt: Im kommenden Transfersommer dürfte kein Gladbacher als unverkäuflich gelten.

Das Ergebnis der kommenden Transferperiode dürfte richtungsweisend werden. Viele Fans sorgen sich um einen weiteren Zerfall und fürchten einen Absturz des Traditionsklubs.