Eigentlich klingt die Jobbeschreibung eines Schiedsrichters recht simpel. Auf der Grundlage eines ausführlichen Regelwerks soll der Unparteiische die korrekte Entscheidung treffen. Inzwischen hat er dafür heutzutage sogar neben der Rücksprache mit seinen Assistenten unter anderem die Möglichkeit, sich Videobilder komplizierterer Szenen rückwirkend anzusehen. Dennoch gibt es Woche für Woche die gleichen Themen. Durch den VAR hat die Schiedsrichter-Kritik sogar eher zugenommen.
Hitzige Schiri-Diskussion im Doppelpass! Ist DAS das eigentliche Problem
Werden Schiedsrichter überfrachtet?
Die (fehlende) Entwicklung macht Sorgen – und im Doppelpass auf SPORT1 kristallisierte sich eine mögliche Ursache dafür heraus. Ist der Schiedsrichter schlichtweg überfrachtet mit den vielfältigen Einflüssen, Möglichkeiten und Aufgaben, mit denen er sich beschäftigen muss?
Diskussion um Schiedsrichter im SPORT1 Doppelpass
„Ich finde eine Sache befremdlich. Ihr werdet zunehmend zu Robotern“, sagte Sky-Reporter Florian Plettenberg im Doppelpass an Schiedsrichter Patrick Ittrich gerichtet, der ebenfalls in der Runde saß, und führte aus: „Ihr habt auf dem Ohr sieben oder acht Stimmen. Eure Assistenten, den vierten Offiziellen, Köln. Dann mischt noch der Spieler mit. Dann lauft ihr mit einer Kamera herum. Das ist doch Schwachsinn. Wie soll sich der Schiedsrichter auf das Spiel konzentrieren? Wo sind wir denn angekommen?“
„Und dann muss er sich noch überlegen: ‚Was sage ich denn, wenn ich vor das Mikrofon treten muss‘“, schob Trainer-Ikone Felix Magath ein.
Ittrich gibt „eine gewisse Überforderung“ zu
Ittrich, der seit 2016 als Bundesliga-Schiri tätig ist, stimmte zu, „dass es teilweise eine gewisse Überforderung gibt“. Doch die Vielzahl an Einflüssen durch Assistenten, den VAR und Spieler seien nur die offensichtlichen Aspekte.
„Es geht ja nicht nur darum. Es kommen dann ja auch noch von außen noch Einwirkungen“, merkte der 47-Jährige an und legte los: „Da wird mit Bällen geworfen, dann kommt Pyro dazu. Und alles regelt der Schiedsrichter. Ich muss mich mit dem Veranstaltungsleiter unterhalten, ich muss mich mit der Polizei unterhalten. Ich muss mit der BodyCam aufpassen, dass ich nichts Falsches sage. Ich gebe dir Recht, das ist viel.“
Schiedsrichter sieht Teilschuld auch bei Spielern
Gleichzeitig erschwere auch eine Entwicklung des Spieler-Verhaltens auf dem Platz die Arbeit der Unparteiischen. „Auch Spieler werden immer … ich will jetzt ein Wort sagen, das ich nicht sagen darf … abgezockter und versuchen alles, um ihren eigenen Vorteil herauszuholen. Das macht es uns natürlich auch nicht einfacher. Das muss man auch mal ganz klar sagen“, bekräftigte Ittrich.
Bei Magath traf er damit einen wunden Punkt. „Das müsste man einfach mal unterbinden, indem man endlich mal einem Spieler, der schauspielert und sich hinlegt, die Rote Karte zeigt“, sah sich der 72-Jährige zu einem drastischen Vorschlag veranlasst.
Ob eine Reduzierung der Einflüsse auf Schiedsrichter oder – wie von Magath angeregt – eine strengere Regelauslegung die Lösung ist, bleibt eine zentrale Frage für die Zukunft des Fußballs. Fest steht – und das hat die Diskussion im Doppelpass verdeutlicht – dass die Rolle des Schiedsrichters weit über das bloße Leiten eines Spiels hinausgewachsen ist und die Grenze der menschlichen Belastbarkeit dabei zunehmend thematisiert werden muss.