Bundesliga>

Hrubesch-Ansage an HSV-Star: "Das muss Glatzel auch kapieren"

Kompany? „Das kann er nahezu perfekt“

Hinter Bundesliga-Legende Horst Hrubesch liegt eine bewegende Karriere. Im Gespräch mit SPORT1 macht sich die HSV-Ikone für Merlin Polzin stark, spricht über den Wandel im Fußball-Business und lobt die Entwicklung von Vincent Kompany. Für Robert Glatzel hat Hrubesch einen Ratschlag parat.
Horst Hrubesch ist eine echte Legende des Hamburger SV - nur Trainer wurde er dort nie. Im exklusiven SPORT1-Interview klärt er über die Gründe auf und schwärmt zudem vom aktuellen Coach Merlin Polzin.
Hinter Bundesliga-Legende Horst Hrubesch liegt eine bewegende Karriere. Im Gespräch mit SPORT1 macht sich die HSV-Ikone für Merlin Polzin stark, spricht über den Wandel im Fußball-Business und lobt die Entwicklung von Vincent Kompany. Für Robert Glatzel hat Hrubesch einen Ratschlag parat.

Ein Mann, klare Worte – und keine große Lust auf Inszenierung: Horst Hrubesch wartet in der Bar eines Freundes auf SPORT1, entspannt, bodenständig, ganz so, wie man ihn kennt.

Zwischen Tresen und Fußball-Erinnerungen spricht der 75-Jährige im Exklusiv-Interview über den Wandel des Spiels, seine Zeit beim DFB, den HSV – und macht eine klare Ansage in Richtung Robert Glatzel.

SPORT1: Moin, Herr Hrubesch, Sie stehen ja nicht ständig in der Öffentlichkeit und geben eher selten Interviews. Warum ist das so?

Horst Hrubesch: Moin moin. So sehe ich das gar nicht. Ich habe mir immer Gedanken gemacht, was Sinn macht und was keinen Sinn macht – und suche mir das dann aus. Für mich geht es nicht darum, meinen Job ständig öffentlich zu machen.

Hrubesch als HSV-Cheftrainer? „Hat nie gepasst“

SPORT1: Wie sieht Ihr Alltag heute aus, jetzt, wo Sie nicht mehr ständig auf dem Platz stehen?

Hrubesch: (lacht) Ich versuche, Rentner zu werden. Ich habe in den vergangenen Jahren noch einiges in Hamburg gemacht, jetzt genieße ich mehr Zeit mit meiner Frau. Der Kontakt zum Fußball bleibt aber – egal ob im Frauen- oder Männerbereich.

SPORT1: Hatten Sie eigentlich jemals den Traum, Cheftrainer beim HSV zu werden?

Hrubesch: Nein, Traum würde ich nicht sagen. Es gab Anfragen, aber das hat nie gepasst. Ich war viele Jahre beim DFB tätig und habe mich dort sehr wohlgefühlt. Gerade die Arbeit mit jungen Spielern und der Austausch mit Vereinen hat mir Spaß gemacht.

SPORT1: Glauben Sie, dass die Verbindung zwischen Verband und Vereinen heute besser geworden ist?

Hrubesch: Es wird immer Differenzen geben. Ich erinnere mich an die Anfangszeit beim DFB, als wir das Nachwuchsprogramm aufgebaut haben – das hat sich ausgezahlt. Du musst dich immer fragen, was zeitgemäß ist, und dich weiterentwickeln. Auslandsexkursionen haben uns damals sehr geholfen.

SPORT1: Was hat sich im Fußball am meisten verändert, seit Sie selbst aktiv waren?

Hrubesch: Das Spiel ist deutlich schneller und athletischer geworden. Auch Trainingsmethoden und medizinische Betreuung haben sich enorm entwickelt. Aber ich bin überzeugt: Die Top-Spieler von früher könnten auch heute noch mithalten.

SPORT1: Social Media ist heute aus dem Fußball nicht mehr wegzudenken. Sie haben da ja sicher eine eigene Meinung.

Hrubesch: Ich bin da zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es ein Job. Aber ich frage mich schon, ob immer alles nach außen getragen werden muss. Mir ist das oft zu viel. Ich hätte zum Beispiel auch lieber die Tatsachenentscheidung und nicht den VAR. Im Fußball hat sich nicht alles nur zum Positiven verändert.

SPORT1: Heißt das, Sie sind kein großer Fan des VAR?

Hrubesch: Ich brauche ihn nicht unbedingt. Ich glaube an gute Schiedsrichter. Die Torlinientechnik ist okay – aber die Entscheidung sollte weitgehend beim Schiedsrichter bleiben.

Hrubesch: „Das war meine beste Zeit“

SPORT1: Warum waren Sie im Frauenfußball so erfolgreich?

Hrubesch: Das war meine beste Zeit. Beim DFB musste ein Trainerwechsel her, ich habe übernommen. Mir war wichtig, den Spielerinnen zu erklären, was wir tun – und warum. Wir hatten eine Phase, die nicht optimal war. Meine Aufgabe war es, die Stimmung zu verbessern und Vertrauen aufzubauen. Mein Glück war, dass die Mädels mir geglaubt haben. Das Schwierige war: Wir hatten nur Spiele, die wir gewinnen mussten – keine Freundschaftsspiele. Aber sie haben das überragend gemacht.

SPORT1: Wie bewerten Sie die Entwicklung des Frauenfußballs heute?

Hrubesch: Absolut positiv. Ich habe die HSV-Frauen von der dritten bis in die erste Liga begleitet – wir haben vor 57.000 Zuschauern gegen Bremen gespielt. Die Entwicklung ist da, und sie muss weitergehen. Die Spielerinnen bleiben bodenständig und wollen diesen Weg gehen.

SPORT1: Wird der Fußball Ihrer Meinung nach manchmal zu sehr analysiert?

Hrubesch: Als Trainer musst du dir immer die Frage stellen: Wie gehe ich damit um? Die Basis bleibt entscheidend. Wenn du den Ball sauber spielen kannst und auch im Kopfball stark bist, dann weißt du, was Fußball braucht. Natürlich wird heute viel analysiert – damit musst du leben.

SPORT1: Ob System oder Mentalität wichtiger war, interessiert viele – Herr Hrubesch, Sie haben hier eine klare Haltung.

Hrubesch: Für mich war entscheidend, dass die Spieler stabil sind und im Kopf klar bleiben. Du musst ihnen etwas an die Hand geben, das sie verstehen und umsetzen können. Wichtig ist: an sich selbst glauben. Was kann ich – und was kann ich nicht? Ich habe immer gesagt: „Mit der Qualität Spiele zu verlieren, macht keinen Sinn.“ Das klingt vielleicht arrogant, war aber meine Überzeugung. Wir gehen auf den Platz, um zu gewinnen.

Polzin-Ära beim HSV? „Das traue ich ihm zu“

SPORT1: Wie sehen Sie die jungen Trainer wie Merlin Polzin, Fabian Hürzeler oder Sebastian Hoeneß?

Hrubesch: Da wird sehr viel gearbeitet. Der entscheidende Punkt ist: Du musst nicht dich selbst finden, sondern eine Mannschaft. Ich bin von den Jungs überzeugt. Veränderungen sind gut – man muss ihnen Zeit geben.

SPORT1: Was zeichnet Merlin Polzin besonders aus?

Hrubesch: Er war viele Jahre dabei, auch in schwierigen Zeiten. Ich habe gesehen, wie akribisch er arbeitet und wie er mit Spielern umgeht. Er hat eine klare Idee und spricht Dinge direkt an. Und man sieht, dass die Mannschaft mit ihm geht.

SPORT1: Glauben Sie, er kann eine Ära prägen?

Hrubesch: Ja, das traue ich ihm zu. Aber Fehler gehören dazu – und das zweite Jahr wird noch schwieriger.

SPORT1: Wann der HSV wieder international spielt, ist eine Frage, die die Fans seit Jahren bewegt.

Hrubesch: Das wird dauern. Wir brauchen Kontinuität und müssen ein Gerüst für die nächsten Jahre aufbauen. Der Weg geht über mehrere Jahre.

SPORT1: Warum steht Robert Glatzel aktuell nicht im Team?

Hrubesch: Die Frage muss er sich selbst stellen. Das ist eine Trainerentscheidung – und wir wissen nicht, was intern besprochen wurde. Er hat in der 2. Liga überragend performt, das steht außer Frage. Aber er muss den Trainer zwingen, ihn aufzustellen – das ist seine Aufgabe. Es ist schade, aber solche Härtefälle gibt es immer. Am Ende zählt, was die Mannschaft braucht. Und wenn einer auf der Strecke bleibt, dann ist das so. Das muss Glatzel auch kapieren.

SPORT1: Haben Spieler heute weniger Widerstandsfähigkeit?

Hrubesch: Nein. Sie müssen nur verstehen, dass es ein Job ist. Du musst an dir arbeiten – und nur gemeinsam kannst du Spiele gewinnen.

Hrubesch: Das kann Kompany „nahezu perfekt“

SPORT1: Wie sehen Sie Vincent Kompany als Trainer?

Hrubesch: Ich traue Kompany alles zu. Er hat schon als Spieler Verantwortung übernommen und macht das jetzt als Trainer genauso. Er nimmt die Spieler mit und geht auf Menschen zu – das ist entscheidend. Ich hatte früher Ernst Happel, der war nach außen knorrig, intern aber anders. Kompany ist anders im Auftreten, aber ähnlich stark wie Happel im Umgang mit Spielern. Das kann er nahezu perfekt.

SPORT1: Wie hat sich Führung im Fußball verändert?

Hrubesch: Die Kader sind größer geworden, viele spielen nicht. Deshalb ist Kommunikation entscheidend. Du musst Spieler einbinden und ihnen Verantwortung geben.

„Die Nachwuchsarbeit bleibt entscheidend“

SPORT1: Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf im Fußball?

Hrubesch: Die Nachwuchsarbeit bleibt entscheidend. Ehrenamtliche leisten unglaublich wichtige Arbeit – ohne sie geht es nicht.

SPORT1: Hat Ihnen der Fußball mehr gegeben oder umgekehrt?

Hrubesch: Beides. Ich habe hart gearbeitet und wusste immer, was ich kann. Du kannst dein Glück ein Stück weit erzwingen – das war mein Weg.

SPORT1: Würden Sie nochmal zurückkehren?

Hrubesch: Nein. Ich bin zufrieden. Familie ist das Wichtigste. Ich habe zwei gesunde Kinder und fünf gesunde Enkel. Ich werde 75 – da genieße ich das Leben.