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"Ich bin nicht die erste Frau": Union-Trainerin Eta im ersten großen Interview

Das „bisschen Wahnsinn“ um Eta

Die Entscheidung, sie zur Cheftarinerin zu machen, ging um die Welt: Nun hat Union-Coach Marie-Louise Eta in ihrem ersten großen Interview über ihre Rolle als Frau im Männerfußball gesprochen.
Nach der Kritik von Felix Magath weiß sich Marie-Louise Eta zu wehren. Wegen fehlender Erfahrung hat die Union-Trainerin wenig Sorgen.
Die Entscheidung, sie zur Cheftarinerin zu machen, ging um die Welt: Nun hat Union-Coach Marie-Louise Eta in ihrem ersten großen Interview über ihre Rolle als Frau im Männerfußball gesprochen.

Gut eineinhalb Wochen ist Marie-Louise Eta inzwischen als erste weibliche Cheftrainerin der Bundesliga-Geschichte im Amt – die Entscheidung von Union Berlin, im Saisonendspurt auf Eta zu setzen, fand Anklang in der gesamten Sportwelt – oft positiv, vereinzelt negativ.

Nun hat die Union-Trainerin ihr erstes großes Interview gegeben und durchblicken lassen, wie sie mit dem ganzen Trubel um ihre Person umgeht: „Ich kann das Interesse verstehen. Mir ist bewusst, was das gesellschaftlich bedeutet. Da entsteht eine Verantwortung für mich – ob ich will oder nicht“, sagte sie im Gespräch mit der DIE ZEIT.

Eta: „Ich kann mich wehren, ich kann zurückschreien“

Es sei ihr nie vordergründig darum gegangen, das Rollenbild der Frau im Männerfußball zu stärken. „Ich wollte schon immer mit Leistung überzeugen. Ich möchte als Fußballtrainerin gesehen werden“, meinte Eta, gestand aber auch ein, dass es durchaus „ein bisschen Wahnsinn“ sei, was in den vergangenen Tagen rund um sie und Union Berlin passiert sei.

Für die Ernennung der 34-Jährigen zur Cheftrainerin hatte es viel Lob, jedoch vereinzelt auch Kritik gegeben, die nicht selten sexistischer Natur war. Sie habe auch heute noch stereotypische Kommentare aus ihrer Kindheit im Ohr: „Aber ich kann mich wehren, ich kann weghören. Und ich kann zurückschreien“, sagte Eta in Bezug auf ihre Rolle in der Männerdomäne. Über die Jahre habe sie sich ein „dickes Fell“ zugelegt. Nicht alles sei eine Frage des Geschlechts.

Union-Trainerin erinnert an Vorgängerinnen

Während Eta vielerorts als Pionierin oder Revolutionärin innerhalb der Fußballwelt gefeiert wird, blickt die gebürtige Dresdnerin etwas pragmatischer auf ihre eigene Rolle: Sie sehe sich als „Wegbereiterin“ und erinnerte an andere Frauen, die bereits lange Zeit vor ihr im Männerbereich aktiv waren: „Ich erinnere an die Französin Corinne Diacre, die schon vor gut zehn Jahren einen Zweitligisten trainierte. Imke Wübbenhorst und Inka Grings trainierten in der Regionalliga, Sabrina Wittmann tut das in der Dritten Liga (beim FC Ingolstadt; Anm. d. Red.).“

Eta warf auch einen großen Referee-Namen der Bundesliga in den Raum: „Bibiana Steinhaus hat mich gepfiffen, als ich noch aktiv war. Ich bin nicht die erste Frau“, meinte sie. Die erste Frau, die nun hauptverantwortlich in der Männer-Bundesliga an der Seitenlinie steht, ist sie aber dennoch, da kommt selbst Eta nicht dran vorbei.

Keinen Berater? Eta enthüllt kurioses Detail

Dass sie die Männer von Union Berlin in den letzten fünf Saisonspielen trainieren soll, sei der Wunsch von Klub-Präsident Dirk Zingler gewesen. Der habe gesagt, „du machst das jetzt. Ich zähl auf dich“, verriet sie: „Das Telefonat hat nicht lange gedauert.“ Ob sie den bedeutsamen Schritt mit ihrem Berater durchsprechen wollte? Keinesfalls. „Ich habe keinen. Ich habe keine Zeit, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen“, erklärte Eta, „Ich muss eine Fußballmannschaft trainieren.“

Ihr erstes Spiel hatte Eta mit Union am vergangenen Wochenende mit 1:2 gegen den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg verloren – am Freitagabend reisen die Köpenicker zum Auswärtsspiel nach Leipzig, wo mit RB ein Champions-League-Aspirant wartet. „Ich kann nicht erwarten, dass von heute auf morgen alles funktioniert, was ich mir vornehme“, sagte Eta im Blick auf die noch anstehenden Spiele.