Es lief die 19. Minute im Pokalhalbfinale zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern, als Jamal Musiala das Spiel an sich reißen wollte. Doch Robert Andrich hatte etwas dagegen: Der 31-Jährige attackierte seinen Nationalmannschaftskollegen gleich zweimal hintereinander sehr robust. Musiala sank zu Boden, schrie offenkundig vor Schmerzen – doch er konnte weiterspielen.
Jamal Musiala: Hinter den Kulissen ist beim FC Bayern Verunsicherung zu vernehmen
Zwischen Angst und Risiko
Interessant an der Szene war, wie emotional Vincent Kompany reagierte. Der Bayern-Trainer schrie ebenfalls, allerdings vor Wut. Nicht nur, dass er sich eine Gelbe Karte für Andrich gewünscht hätte. Nein, er ist immer noch in brennender Sorge um seinen Schützling, der eigentlich zeitnah wieder zu „Magic Musiala“ werden soll – so hatte es der Coach jüngst ausgedrückt.
Klar ist: Im Fall des Kreativkünstlers bewegen sich die Münchner irgendwo zwischen Angst und Risiko. Schließlich gab es seit Jahresbeginn genügend Rückschläge für Musiala. Noch ist Vorsicht geboten.
Musiala? Bei den Bossen herrscht noch Verunsicherung
„Jamal war gut heute, das war deutlich. Man kann sehen, dass seine Spielfreude langsam zurückkommt“, sagte Sportvorstand Max Eberl nach der Partie und fügte hinzu: „Jedes Spiel, jede Minute hilft ihm.“
Auch Kompany sieht einen Aufwärtstrend bei Musiala, auch wenn der noch nicht wieder der Alte zu sein scheint: „Er spielt in den letzten Wochen vom Gefühl her wieder befreit“, erklärte der Coach.
In der Tat: Musiala ist mutiger als noch im Februar, traut sich mehr und fordert konsequenter die Bälle. Zudem geht der 23-Jährige wieder mehr Risiken ein. Trotzdem ist bei den Verantwortlichen – auch hinter den Kulissen – noch Verunsicherung zu vernehmen.
Am liebsten würde man den Bayern-Star in Watte packen. Das Problem: Die Gegner wissen um Musialas Verletzungsgeschichte und nutzen sie aus. In Leverkusen war es Andrich, in den Spielen gegen Real Madrid in der Champions League kümmerten sich gleich mehrere Spieler um ihn und gingen entsprechend hart in die Zweikämpfe.
Das erschwert die Situation um Bayerns Superstar
Musiala komplett zu schonen, ist trotzdem keine Option. Serge Gnabry fällt wegen eines Adduktorenabrisses für den Rest der Saison aus, Lennart Karl laboriert noch an einem Muskelfaserriss.
Immerhin trainiert der Youngster wieder mit Ball und könnte im Hinspiel des Halbfinals in der Königsklasse gegen Paris Saint-Germain wieder im Kader stehen. Doch auch hier geht Kompany vorsichtig vor: „Es geht erstmal darum, dass er gesund zurückkommt. Es gibt immer eine Phase in einer Saison, in der es um die Preise geht – das ist Teil einer Karriere. Aktuell wollen wir aber nicht zu viel Risiko eingehen.“
Karl könne bei der Reintegration in den Kader zunächst mit kürzeren Einsätzen rechnen, so der Trainer.
Angesichts der Tatsache, dass es am Wochenende in der Bundesliga nach Mainz geht, wäre zumindest das dringend nötig. Dass Musiala innerhalb von sieben Tagen gleich dreimal fast über die gesamte Distanz auf dem Platz stehen kann, bleibt nämlich fraglich.