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García fehlt bei Spanien: "Ich hatte damit gerechnet, dabei zu sein"

„Jedes Spiel ist wie ein Finale“

Aleix García hat sich bei Bayer Leverkusen zur zentralen Figur im Mittelfeld entwickelt. Die wechselhafte Form der Werkself in der Rückrunde konnte aber auch er bislang nicht stabilisieren. Woran das liegt und welche Ziele in dieser Spielzeit noch erreichbar sind, erklärt der Spanier im SPORT1-Interview.
Aleix García spielte mit Bayer Leverkusen gegen Heidenheim zuletzt nur 3:3
Aleix García spielte mit Bayer Leverkusen gegen Heidenheim zuletzt nur 3:3
© IMAGO/Nordphoto
Aleix García hat sich bei Bayer Leverkusen zur zentralen Figur im Mittelfeld entwickelt. Die wechselhafte Form der Werkself in der Rückrunde konnte aber auch er bislang nicht stabilisieren. Woran das liegt und welche Ziele in dieser Spielzeit noch erreichbar sind, erklärt der Spanier im SPORT1-Interview.

Aleix García ist nach einem schwierigen ersten Jahr doch noch bei Bayer Leverkusen angekommen und in seiner zweiten Saison aus dem Schatten des nach England gewechselten Granit Xhaka herausgetreten. Der 28-Jährige hat sich unter Trainer Kasper Hjulmand einen festen Platz im Mittelfeld erkämpft und gibt dort den Takt vor. Allerdings konnte auch er die Formschwankungen der Mannschaft in den vergangenen Wochen nicht überdecken.

In der Rückrunde holte der aktuelle Bundesliga-Sechste aus zehn Partien nur 14 von 30 möglichen Punkten, im Kalenderjahr 2026 stehen vier Siege aus zwölf Spielen zu Buche. So steht die Werkself im Saisonendspurt unter Druck, wenn das erklärte Ziel – ein Platz unter den ersten Vier – erreicht werden soll. SPORT1 hat vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg (Samstag ab 15.30 Uhr im LIVETICKER), das García wegen einer Gelbsperre verpassen wird, mit dem Spanier gesprochen.

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SPORT1: Aleix García, der Terminkalender ist voll, Sie haben im laufenden Jahr bereits 19 Pflichtspiele absolviert. Wie wichtig war es, während der Länderspielphase eine Woche lang durchatmen zu können?

García: Sehr wichtig. Der Jahresbeginn war intensiv, geprägt von zahlreichen englischen Wochen. Die freien Tage taten gut. 

SPORT1: Sie sind vor kurzem Vater geworden. War das auch die erste Gelegenheit, sich intensiver um Ihr Kind zu kümmern?

García: Ja, auf jeden Fall. Ehrlich gesagt hatte ich gar nicht damit gerechnet, zu Hause zu sein, sondern bei der Nationalmannschaft. Aber das ist nicht passiert. Und so habe ich die Zeit genutzt und Zeit mit der Familie verbracht. Es ist unser erstes Kind. Es gibt anstrengende Momente, schwierige Nächte, aber es ist natürlich etwas sehr Schönes.

Bundesliga: Leverkusen enttäuschte zuletzt in Heidenheim

SPORT1: Würden Sie sagen, dass Sie bisher einen guten Job als Vater machen?

García: Ich gebe mir jedenfalls große Mühe. Meine Frau macht es deutlich besser, aber ich versuche, sie in allem bestmöglich zu unterstützen. Das ist für mich natürlich nicht immer einfach, dennoch helfe ich, wo ich kann (lacht).

SPORT1: Die spielfreie Zeit könnte auch Bayer Leverkusen entgegenkommen. Sportlich klemmt es aktuell, aus den letzten neun Spielen gab es nur einen Sieg. 

García: Ich glaube, jetzt ist der richtige Moment, kritisch mit uns selbst zu sein. Wir spielen häufig guten Fußball, gewinnen aber nicht – und genau das bringt uns in eine Situation, die nicht optimal ist. Wir müssen uns als Mannschaft, aber auch jeder für sich, genau analysieren und die Fehler abstellen. Oft sind es nur kleine Details, die den Unterschied machen. In den vergangenen vier oder fünf Spielen haben wir Punkte liegen lassen, weil Kleinigkeiten nicht gepasst haben. Die Pause kam zur rechten Zeit, um den Kopf freizubekommen. Jetzt richtet sich der Blick voll auf das Spiel gegen Wolfsburg.

SPORT1: Am zurückliegenden Spieltag hat die Werkself beim Tabellenletzten in Heidenheim einen bitteren Rückschlag erlitten und nur 3:3 gespielt – der Auftritt wirkte mitunter wie ein Sinnbild der bisherigen Rückrunde.

García: Das Match in Heidenheim war für uns alle enttäuschend. Wir hatten das Spiel unter Kontrolle, lagen 2:0 vorn und später stand es 3:2. Trotzdem haben wir wichtige Punkte liegen gelassen. Am Ende waren es wieder kleine Fehler, die uns teuer zu stehen kamen. Wir waren zu passiv und nicht aggressiv genug. In dieser Liga wird so etwas sofort bestraft. Das müssen wir uns ankreiden und daraus lernen.

García: „Wir wollen unter die ersten Vier“

SPORT1: Bis Weihnachten entwickelte sich unter Kasper Hjulmand vieles in die richtige Richtung. Doch Leverkusens Jahr 2026 ist von Schwankungen geprägt, an die Hinrunde konnte nicht angeknüpft werden. Woran liegt das?

García: Weil vor allem einige der Schlüsselspieler zuletzt müde waren, das hat man gespürt. Wir konnten dieses hohe Tempo über all die englischen Wochen hinweg nicht halten. Aber jetzt wollen wir uns auf die Bundesliga fokussieren. Wir müssen den nächsten Schritt machen – jedes Spiel ist für uns wie ein Finale. Unser Ziel ist klar: Wir wollen unter die ersten Vier und unbedingt wieder in die Champions League.

SPORT1: Für Außenstehende war es in den vergangenen Monaten nicht leicht, über Bayer zu sprechen, weil die Gründe für die Schwächephase schwer zu greifen waren. Im Fußball fällt in solchen Fällen dann auch schnell das Schlagwort „Mentalitätsproblem“.

García: Wir verlieren im Spiel phasenweise die Konzentration und lassen dadurch zu viele Chancen zu. Gegen Heidenheim war das gut zu sehen: Wir haben das Match im Griff – dann verschwindet in der zweiten Halbzeit ein Stück weit unsere Struktur, unsere Art Fußball zu spielen. Die Qualität im Team ist sehr hoch, wirklich sehr hoch. Entscheidend ist meines Erachtens, dass gerade die erfahrenen Spieler in solchen Momenten vorangehen und Verantwortung übernehmen.

SPORT1: Jarell Quansah sagte nach dem 1:1 gegen Mainz: „Wir spielen nicht genug zusammen, haben unterschiedliche Ideen, agieren unkoordiniert und müssen uns neu formieren.“ Solche Aussagen waren in dieser Saison häufiger zu hören. Der große Umbruch im vergangenen Sommer ist das eine – aber so entsteht der Eindruck, dass sich die Mannschaft noch nicht vollständig gefunden hat.

García: Grundsätzlich haben wir die Klasse, von hinten herauszuspielen, statt lange Bälle zu schlagen. Wir müssen wieder stärker zu unseren Prinzipien zurückfinden. In der Hinrunde haben wir sehr guten Fußball gespielt, daran sollten wir uns orientieren. Wenn jeder Einzelne zu seinem besten Niveau zurückfindet, wird sich das auch im Kollektiv zeigen.

Nationalmannschaft? So reagiert García auf seine Nicht-Nominierung

SPORT1: Trotz allem läuft die Saison für Sie persönlich sehr gut. Sie sind immer mehr in die zentrale Rolle hineingewachsen, die zuvor Xhaka innehatte. Was funktioniert für Sie in dieser Saison besser?

García: Ich glaube, das ist ganz normal: Wenn dir ein Trainer Vertrauen schenkt, kannst du dein volles Leistungsvermögen abrufen. Das hat man auch bei Granit gesehen, der für mich ein absoluter Topspieler ist. Als er das volle Vertrauen von Xabi (Alonso, Anm. d. Red.) hatte, konnte er seine Stärken optimal einbringen. Das gilt für jeden – für mich, für andere im Team. Kasper (Hjulmand, Anm. d. Red.) hat mir von Beginn an dieses Vertrauen gegeben. 

SPORT1: Mit Alejandro Grimaldo und Lucas Vázquez haben Sie zwei Landsleute im Team. Wie sehr hilft Ihnen das im Alltag und auf dem Platz?

García: Auf dem Platz hilft es vermutlich sogar mehr als daneben. Wenn wir fit sind, spielen wir alle regelmäßig und übernehmen Verantwortung. Abseits des Rasens verstehe ich mich mit allen im Team sehr gut.

SPORT1: Im Gegensatz zu den Länderspielen im vergangenen Jahr fehlten Sie diesmal im Kader der spanischen Nationalmannschaft. Wie haben Sie die Nicht-Nominierung aufgenommen?

García: Im ersten Moment war ich natürlich enttäuscht, weil ich damit gerechnet hatte, dabei zu sein. Ich hatte das Gefühl, es verdient zu haben. Letztlich trifft aber der Trainer (Luis de la Fuente; Anm. d. Red.) die Entscheidung – und er hat sich anders entschieden. Das habe ich schnell akzeptiert. Meine Familie ist aus Spanien für ein Wochenende gekommen, wir hatten hier in Deutschland eine sehr schöne Zeit. Die Enttäuschung war da, ist aber auch schnell wieder verflogen. 

SPORT1: Allerdings steht im Sommer eine Weltmeisterschaft an.

García: Das bleibt auch ein klares Ziel für mich. Ich denke, dass noch alles offen ist. Ich werde alles daransetzen, mir meinen Platz zu erarbeiten. Einfach wird das nicht – gerade im spanischen Mittelfeld ist die Konkurrenz sehr groß. Aber ich glaube fest an mich. Dann wird man im Sommer sehen, was passiert.

Leverkusen spielt im Pokal gegen den FC Bayern

SPORT1: Es würde Ihnen sicherlich helfen, auch in eigener Sache zu werben, wenn Bayer wieder in Form kommt. Was stimmt Sie optimistisch, dass Leverkusen kommende Saison tatsächlich wieder in der Champions League spielt?

García: Wir sind nah dran. In den letzten Wochen haben wir aber zu viele Punkte liegen lassen. Jetzt bleiben uns sieben Endspiele, dazu kommt der DFB-Pokal. Wir werden uns auf jede Partie sehr genau vorbereiten. Natürlich haben wir die Möglichkeiten, attraktiven Fußball zu spielen, mit guten Kombinationen. Wenn ein Spiel aber nicht in unsere Richtung läuft, müssen wir es auch pragmatisch lösen können und einfach die Punkte mitnehmen. 

SPORT1: Sie sprachen den DFB-Pokal an. Dort empfängt Leverkusen im Halbfinale den FC Bayern.

García: Dass wir zu Hause spielen, ist ein großer Vorteil. Vor unseren Fans wird es ein besonderes Spiel – gegen einen Topgegner, der schwer zu schlagen ist. Aber wenn man sich das letzte Bundesligaspiel gegen sie anschaut, dann haben wir es sehr gut gemacht gegen sie. Ich sehe definitiv eine Chance, das Finale zu erreichen.

SPORT1: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein?

García: Bayern ist der Favorit, keine Frage. Aber das Ziel, nach Berlin zu fahren, motiviert uns alle sehr. In einem Spiel ist alles möglich.