Es war einer dieser kuriosen Momente, der Bundesliga-Geschichte geschrieben hat. Immer wieder wird Tomislav Piplica auf sein legendäres Eigentor vom 6. April 2002 angesprochen – einen Tag nach seinem 33. Geburtstag.
Ein Eigentor für die Ewigkeit machte den Kult-Torhüter zur Legende
Ein Eigentor machte ihn zur Legende
Statt eines verspäteten Geschenks in Form von drei Punkten erntete der einstige Kult-Torhüter von Energie Cottbus, der heute 57 Jahre alt wird, damals nur Hohn und Spott.
Piplica produziert Eigentor für die Ewigkeit
Rückblick: Im Stadion der Freundschaft ist die Hölle los. Energie Cottbus führt gegen Borussia Mönchengladbach mit 3:2, der Sieg ist in der 85. Minute zum Greifen nah. Er würde den fast sicheren Klassenerhalt für das „Gallische Dorf“ bedeuten.
Doch Gladbach drängt auf Piplicas Tor, die aufgeregten Fans pfeifen und schreien – und verstummen plötzlich. Der Ball liegt im Netz – und Piplica verschämt am Boden. Der Cottbuser Torhüter hatte eine völlig harmlose abgefälschte Bogenlampe von Marcel Witeczek mit dem Hinterkopf selbst ins Tor befördert.
Auftritt im TV bei Stefan Raab
Während der ehemalige Torhüter von Energie Cottbus heute über seinen Fauxpas nur schmunzeln kann, war ihm seinerzeit unmittelbar nach Schlusspfiff überhaupt nicht nach Reden zumute. Doch der Geist war aus der Flasche gelassen, das unerklärliche Eigentor lief im Fernsehen rauf und runter.
Witeczek meinte damals: „Fast schon eine Geschichte für Stefan Raab.“ Der TV-Moderator ließ sich nicht zweimal bitten und lud Piplica in seine Sendung „TV total“ ein.
„Der hat immer wieder angerufen: ‚Tomislav, komm doch bitte in meine Show.‘ Ich habe erst abgesagt, aber er blieb sehr hartnäckig, bis ich sagte: ‚Ich komme, wenn du aufhörst zu fragen’“, erzählte Piplica einst dem Magazin 11Freunde: „In der Sendung erhielt ich den ‚Raab der Woche‘, danach war ich in ganz Deutschland bekannt.“
So erklärt Piplica sein Eigentor
Auf den Ruhm hätte der ehemalige Torwarttrainer der bosnischen Nationalmannschaft, der auch wegen seines Pferdeschwanzes und seiner riskanten Ausflüge Kultstatus erlangte, gerne verzichtet.
„Ich habe den Ball unterschätzt“, sagte Piplica dem SID später rückblickend: „Ich habe unter der Latte gestanden und gedacht, dass der Ball rüber geht. Zu dieser Zeit war so viel Wind gewesen, und auf einmal hat der Ball meinen Hinterkopf getroffen.“
Piplica rettet Klassenerhalt gegen Stuttgart
Sportliche Folgen hatte der Fauxpas für Energie keine: Eine Woche später machte Cottbus beim 0:0 in Stuttgart den Klassenerhalt perfekt. Bester Mann auf dem Platz: Piplica – trotz eines gebrochenen Fingers.
„Ich habe viele gute Spiele gemacht, bin zweimal mit diesem kleinen Verein aufgestiegen“, erklärte der Bosnier, der heute als Torwarttrainer beim Regionalligisten 1. FC Lokomotive Leipzig tätig ist: „Das macht mich stolz, und dieses Tor gehört auch dazu.“
Mit dem Spott konnte Piplica gut leben, aber die Spekulationen über eine mögliche Manipulation trafen ihn hart. „Ich kann jeden Morgen ins Bad gehen und in den Spiegel schauen, das ist das Wichtigste für mich“, sagte der frühere Torhüter.
—–
Mit Sport-Informations-Dienst (SID)