Für diese Fair-Play-Geste gibt es großen Applaus! Michael Gregoritsch vom FC Augsburg hat sich im Auswärtsspiel beim Hamburger SV (1:1) als fairer Sportsmann gezeigt und sowohl bei Schiedsrichter Deniz Aytekin als auch bei Gegenspieler Fábio Vieira Pluspunkte gesammelt.
Starke Fair-Play-Geste in Hamburg: "Ein Musterbeispiel"
Starke Fair-Play-Geste in Hamburg
Was war passiert? Kurz vor der Pause kam Gregoritsch direkt vor dem Hamburger Strafraum im Zweikampf mit Vieira zu Fall. Aytekin hatte direkten Blick auf die Szene und entschied nach kurzem Zögern auf Freistoß.
Freistoß sorgt bei Hamburger SV gegen FC Augsburg für Wirbel
Es folgten aber direkt Diskussionen. Neben Gregoritsch war nämlich auch Vieira direkt zu Boden gegangen, zu Recht, wie die TV-Bilder zeigten.
Denn in der Wiederholung war deutlich zu sehen, wie Gregoritsch den Hamburger seinerseits am Fuß traf. Als sich der Augsburger drehte, um den Ball gegen Vieira abzuschirmen, stieg er dem Hamburger auf den Fuß und rutschte dadurch weg.
Gregoritsch zeigt faire Geste im Gespräch mit Aytekin
Während Vieira noch behandelt wurde, lief Aytekin zur Seitenlinie, wo Gregoritsch zu diesem Zeitpunkt in der Nähe seines Trainers Manuel Baum stand. Der Schiedsrichter fragte den Augsburger dabei ganz offensichtlich noch einmal, wie die Szene aus seiner Sicht abgelaufen war.
Nach einem kurzen Gespräch, in dem Aytekin mehrmals nickte, gab er Gregoritsch die Hand, trabte zurück auf den Platz – und nahm den Freistoß zurück! Nachdem der Referee angezeigt hatte, dass es mit Schiedsrichterball weitergehen würde, drehte er sich nochmal zu Gregoritsch zurück und hob anerkennend den Daumen.
„Zunächst war ich mir beim Pfiff sicher. Ich dachte, Fábio hat dem Michael absichtlich die Füße weggezogen“, erklärte Aytekin seine Sicht auf die Situation bei Sky. Direkt im Anschluss habe er dann aber erkannt, dass sich der Hamburger „die Achillessehne hält, starke Schmerzen hat und die Augsburger schon etwas verwundert waren. Dann habe ich die ersten Zweifel bekommen und dachte: ‚Oh Gott, ich glaube, das war falsch.'“
Gregoritsch schwärmt von Aytekin: „Über Jahrzehnte einer der besten in Deutschland“
Zum Gespräch mit Gregoritsch kam es folglich, da der Unparteiische ein Ziel verfolgt habe, das „fair und ehrlich ist“. Während viele Zuschauer häufig behaupten würden, „dass es im Fußball keinen Respekt, keine Fairness und keine Menschlichkeit gibt“, habe Gregoritsch heute das Gegenteil bewiesen.
„Das war ein Musterbeispiel für gegenseitige Wertschätzung, Respekt und Fairness, was Michael da gemacht hat“, sagte Aytekin und merkte an: „Das passiert leider zu selten, aber das, was er da gemacht hat, war ganz großes Kino.“
Ebenso viel Respekt brachte jedoch auch Gregoritsch seinem Gegenüber entgegen, der im Nachgang nichts an der Szene auszusetzen hatte. Auf die Frage, ob er am Samstag gerne selbst Schiedsrichter gewesen wäre antwortete er wertschätzend: „Nein, aber deswegen ist er einer der besten in Deutschland gewesen – wahrscheinlich über Jahrzehnte. Er hat es schon sehr gut gepfiffen. Im Affekt sieht man als Spieler hin und wieder ein paar Sachen anders, aber ich unterhalte mich dann immer sehr gut mit ihm. Deshalb ist trotz Emotionen alles gut.“
Kommentator feiert: „Fair-Play-Medaille für das Gregerl“
Auch im Live-Kommentar stieß die Szene auf große Begeisterung. „Fair Play! Das ist Fair Play“, jubelte Kommentator Oliver Forster bei DAZN: „Der Gregoritsch hats zugegeben! ‚Ich bin gerutscht und nicht gefoult worden.‘ Fair-Play-Medaille für das Gregerl, für den Österreicher.“
Darüber hinaus gab es von Vieira Applaus für die Szene. Der Hamburger klatschte wie auch Teamkollege Robert Glatzel und nochmals Aytekin mit Gregoritsch ab. „Miteinander sind sie stark! Ja herrlich!“, kommentierte Forster die Szenen.
„Der rutschende Österreicher. Und dann sagt er: ‚Es war nichts.‘ Weil der Aytekin ihn fragt. Aber wie geil ist der Aytekin?! Dass er ihn fragt, dass er hingeht, da draußen. Dass sie reden und miteinander kommunizieren. Gregerl und Aytekin – was für eine Szene!“
HSV-Trainer Merlin Polzin zeigte sich ebenfalls voller Anerkennung und erklärte: „Da sieht man, welch fairer Sportsmann er ist, dass er auf Nachfrage seinen Standpunkt mitgeteilt hat. Top, sich so zu verhalten.“ Gregoritsch, der von 2015 bis 2017 in Hamburg gespielt hat, sei noch immer „derselbe faire Sportsmann, der er hier war“, sagte er.
Kritischer sah die Aktion FCA-Coach Manuel Baum, der sich fragte: „Was wäre denn gewesen, wenn er gesagt hätte, es war ein Foul? Dann wäre er jetzt der Buhmann.“
Augsburg führte zum Zeitpunkt der Szene durch das Tor von Arthur Chaves aus der 22. Minute mit 1:0. Nach der Pause meldete sich der HSV aber durch Ransford Königsdörffer (60.) zurück. Auf Hamburger Seite sah Miro Muheim noch Rot (64.). Am Ende trennten sich beide Teams mit 1:1.