Es herrschte Gänsehautstimmung, als die Nummer 44 auf der Auswechseltafel erschien. Luka Vuskovic verließ möglicherweise zum letzten Mal das Spielfeld im Hamburger Volksparkstadion. Die rund 57.000 Zuschauer applaudierten, Vuskovic umarmte mehrere Mitspieler innig, spendete den Fans Applaus und verließ das Spielfeld. Trainer und Betreuer des HSV hatten sich ebenfalls erhoben, um dem jungen Kroaten Standing Ovations zu geben.
Dem Verein längst entwachsen
Dem Verein längst entwachsen
Vuskovic umarmte jeden einzelnen. Besonders herzlich war die Umarmung mit Claus Costa. Der Sportdirektor des HSV hatte den damals 18-Jährigen kurz vor Transferschluss von Tottenham Hotspur ausgeliehen. Rückblickend ein echter Coup: Vuskovic entwickelte sich zu einem der besten Innenverteidiger der Bundesliga – und wurde zum Führungsspieler schlechthin.
Viele besondere Momente beim HSV
Auch für ihn selbst war es eine wertvolle Saison. „Ich könnte keinen besonderen Moment hervorheben, weil es so viele schöne Momente gab“, sagte Vuskovic auf Nachfrage von SPORT1. „Schon das erste Spiel gegen Bayern war besonders. Obwohl wir 0:5 verloren haben, war auch das sehr schön.“ Tatsächlich war bereits bei seinem damaligen Bundesliga-Debüt festzustellen, dass Vuskovic kein junger Spieler wie jeder andere ist. Der HSV war damals zwar fußballerisch klar unterlegen, doch Vuskovic übernahm Verantwortung und pushte seine Mitspieler.
Acht Monate sind seitdem vergangen. Beim 3:2-Heimsieg am Sonntag gegen den SC Freiburg bewies der 19-Jährige noch einmal seinen Wert für den HSV. In der 64. Minute knallte er einen Freistoß zum zwischenzeitlichen 2:1 ins Tor. Dies war sein sechster Treffer in dieser Saison. Kein Spieler des HSV hat mehr Tore geschossen als der Innenverteidiger. Hinten verteidigte er gewohnt stark. Seine Zweikampfquote ist mit 69,91 Prozent die beste der gesamten Bundesliga.
Eine Widmung an den Bruder
Als das Spiel vorüber war, ging der 1,93 Meter große Athlet gemeinsam mit der Mannschaft zu den Fans. Aus dem Fanbereich der Nordtribüne holte er sich ein Banner mit der Nummer 44 und der Aufschrift „Free Vuskovic“. Der Hintergrund: Sein größerer Bruder Mario Vuskovic spielte ebenfalls für den HSV, bis er im November 2022 umstritten wegen Doping gesperrt wurde. Nun saß sein Bruder genauso wie seine Eltern im Publikum, als er das Banner auf dem Rasen ausbreitete.
„Ich habe das Banner in dieser Saison schon ein paar Mal genommen, aber diesmal war es etwas Besonderes, weil es mein letztes Heimspiel für den HSV war“, sagte er. „Es war eine sehr gute Saison und ich bin sehr glücklich und froh, dass ich der Mannschaft mit Toren helfen konnte. Das war unglaublich.“ Trotz seines jungen Alters ist er bereits jetzt ein Vorbild für seine Mitspieler.
Vuskovic hat „eine unglaubliche Mentalität“
Fabio Baldé, der fast zwei Jahre älter ist als der Verteidiger und gegen Freiburg sein erstes Bundesliga-Tor schoss, lobte ihn gegenüber SPORT1: „Er hat einfach eine unglaubliche Mentalität. Bei Luca muss man nicht viel sagen. Es ist unglaublich, dass er für sein Alter schon so abgezockt ist. Man denkt, er hat schon fünf Champions-League-Finals gespielt. Er ist ein unglaublicher Kerl, auch in der Kabine, immer motivierend und positiv. Von ihm kann man sehr viel lernen.“
Ob bereits klar ist, dass Vuskovic den HSV verlassen wird? Einerseits würde er gerne mit seinem Bruder in Hamburg zusammenspielen, dessen Dopingsperre im November abläuft. Doch vertraglich ist er eben an Tottenham gebunden. Vuskovic geht von einem Abschied aus, bezeichnet die Chance auf einen Verbleib als sehr gering, sagt aber auch: „Man weiß nie. Es ist nie gut, eine Tür komplett zu schließen“, antwortet er. „Die Saison ist noch nicht vorbei. Wir werden nach der Saison und nach der Weltmeisterschaft sprechen. Ich weiß noch nicht, was passieren wird.“
Er bezeichnet Hamburg als seine zweite Heimat, liebt den Verein „ein bisschen zu sehr“. Doch er ist fußballerisch wohl zu schnell gewachsen für den Verein. Merlin Polzin ist glücklich, zumindest eine Saison Trainer dieses besonderen Spielers gewesen zu sein. Aber er weiß auch: „Es ist ganz normal, dass sich nach einer Saison die Mannschaft und das Team drumherum verändern.“
Der Abschied von Vuskovic dürfte allerdings besonders wehtun.