Am Ende hätte Bayer Leverkusen am Samstag wohl nur eines geholfen: ein Spielabbruch nach 32 Sekunden. Da besorgte Aleix Garcia im so wichtigen Duell um den verbleibenden Platz für die Champions League gegen den VfB Stuttgart die blitzschnelle Führung und die Welt war noch in Ordnung.
Bayer Leverkusen: Diese Aussagen zeigen, dass der Umbruch gescheitert ist
Jetzt muss Bayer Konsequenzen ziehen
Was danach folgte, hatte allerdings nichts mehr mit dem zu tun, was sich das Team von Kasper Hjulmand ursprünglich vorgenommen hatte: Die Rheinländer verloren beim direkten Mitstreiter völlig chancenlos 1:3 und werden das selbst gesteckte Minimalziel aller Voraussicht nach verfehlen.
Die Rückkehr in die Königsklasse, das war von Anfang an logisch, sollte eigentlich Pflicht sein. Nun braucht es am letzten Spieltag ein kleines Wunder. Bayer rutschte vom vierten auf den sechsten Platz ab und liegt drei Punkte hinter Stuttgart sowie der TSG Hoffenheim.
Nur wenn die Werkself ihr Spiel gegen den Hamburger SV gewinnt und beide Konkurrenten gleichzeitig patzen, könnte Leverkusen dank der besseren Tordifferenz noch an beiden vorbeiziehen. Realistisch wirkt das natürlich kaum. Und die Stimmung? Die ist erst einmal am Tiefpunkt angekommen.
Leverkusen: Andrich nimmt kein Blatt vor den Mund
Mutlos, energielos, willenlos, planlos – Worte für die Vorstellung bei den Schwaben gäbe es viele. Die bitterste Erkenntnis aber ist eine andere: Leverkusens Unberechenbarkeit ist längst berechenbar geworden. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Rückrunde.
„Nach einer super Leistung machen wir kein gutes Spiel“, hatte Torjäger Patrik Schick schon nach dem überzeugenden 4:1 in der Vorwoche gegen RB Leipzig gesagt und behielt mit seiner düsteren Vorahnung recht. Wie so oft in den vergangenen Monaten ließ Hjulmands Mannschaft, speziell in der Haltung, nahezu alles vermissen, wirkte früh angezählt und ergab sich fast ohne Gegenwehr. Robert Andrich reagierte schonungslos.
„Ich finde, es ist einfach ein Sinnbild für die ganze Saison. Und ich finde, es ist das Schlechteste, was wir jetzt machen können, wenn wir sagen: Wir hätten hier gewinnen können. Wenn du ehrlich bist: Diese ganze Saison, unabhängig davon, dass 58 Punkte trotzdem eine gute Punktzahl sind – wenn wir wirklich ganz ehrlich mit uns sind, reicht es dann einfach nicht für die Champions League dieses Jahr“, polterte Bayers Kapitän bei DAZN.
Und weiter: „Das ist ein Aspekt, den wir uns alle im Verein eingestehen müssen, dass wir einfach für gewisse Sachen nicht gut genug waren. Heute war wieder so ein Spiel.“
Der Bayer-Kader konnte die Erwartungen nicht erfüllen
Damit steht auch fest: Der massive Leverkusener Umbruch im Sommer 2025 ist – zumindest für diese Saison – gescheitert. Ein Kader, der intern als klar gut genug für einen Platz unter den ersten vier eingeschätzt wurde, konnte die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen.
Millionenschwere Neuzugänge wie Malik Tillman, Loïc Badé, Eliesse Ben Seghir oder Ezequiel Fernández hinken den Erwartungen weiterhin hinterher. Noch wichtiger scheint aber: Hjulmand ist es nie gelungen, aus all den Einzelteilen eine funktionierende Einheit zu formen. „Sobald es eng wird, sobald es brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen“, brachte es Andrich auf den Punkt.
Was sich nun ändern müsse, um den Klub wieder in die Spur zu bringen? „Ich bin da der falsche Ansprechpartner. Als Spieler werde ich mir nicht anmaßen, über einen Kader zu sprechen, weil das steht mir nicht zu“, sagte Andrich auf die entsprechende Frage. „Da geht es um den Trainer, da geht es um Simon (Rolfes; Anm. d. Red.), da geht es um Fernando (Carro; Anm. d. Red.). Die haben das zu entscheiden.“
Hjulmand dürfte bei Bayer keine Zukunft haben
Der 31-Jährige sei sich sicher, dass die Verantwortlichen die Saison „nüchtern und ehrlich“ analysieren würden: „Wir werden dann schauen, in welche Richtung es geht. Ich glaube schon, dass wir Veränderungen reinkriegen müssen, um da wieder hinzukommen, wo wir hinwollen.“
Bayer wird also Konsequenzen ziehen müssen – und das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch auf der Trainerbank machen. Zwar hatte Hjulmand Leverkusen nach der frühen Übernahme von Ex-Coach Erik ten Hag im Herbst stabilisiert und zurück in Richtung Europapokal geführt. Doch die Europa League wäre gemessen an Anspruch und Budget eher ein Trostpreis.
Selbst wenn Bayer das letzte Spiel gegen den HSV gewinnt und Stuttgart sowie Hoffenheim patzen, bliebe die Grundfrage: Reicht das, was Hjulmand mit diesem Team vorhat – und vor allem: Kann er es langfristig weiterentwickeln? Den eindeutigen Nachweis hat der Däne nicht erbracht.
Steht Bayer Leverkusen vor dem nächsten Umbruch?
Geschäftsführer Rolfes arbeitet bereits seit Längerem vor und pflegt eine Liste mit Kandidaten. Ein Name, der zwischenzeitlich als potenzielle Lösung galt, ist inzwischen vom Tisch: Fabian Hürzeler hat sich für den Verbleib bei Brighton & Hove Albion entschieden und seinen Vertrag in England verlängert.
Oliver Glasner von Crystal Palace und Filipe Luís bleiben laut Medienberichten hingegen denkbare Optionen. Der 40-jährige Luís wurde Anfang März 2026 bei Flamengo in Brasilien entlassen und ist seitdem vereinslos. Wer in der nächsten Saison die Verantwortung an der Seitenlinie übernimmt, wird nun die wichtigste zu klärende Frage sein.
Daran hängt zwangsläufig die Kaderplanung. Schon jetzt wird im Umfeld diskutiert, welche Stellschrauben Leverkusen drehen muss. Die einen plädieren für mehr Erfahrung und Führungsqualität, andere sehen auf den offensiven Außenbahnen Bedarf in puncto Tempo.
Gleichzeitig deutet sich auf der Abgangsseite Bewegung an. Alejandro Grimaldo bietet sich regelmäßig an, auch um Tillman ranken sich Gerüchte. Und das schlagkräftigste Argument „Wir spielen Champions League“ gibt es wohl vorerst nicht mehr. Nach dem XXL-Umbruch im Vorjahr steht Bayer schon wieder vor einem tiefen Einschnitt.