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Was hier in zwei Monaten entstanden ist, ist beeindruckend

In zwei Monaten änderte sich alles

Vor zwei Monaten hing in Wolfsburg der Haussegen schief. Nun präsentieren sich Mannschaft, Verein und Fans als Einheit. Der Zusammenhalt soll im letzten Saisonspiel gegen den FC St. Pauli der entscheidende Faktor sein.
Beim Spiel zwischen Wolfsburg und dem FC Bayern sorgte eine Elfmeter-Szene für Gesprächsstoff. Vor Harry Kanes verschossenem Strafstoß war in den TV-Bildern zu sehen, wie Wolfsburgs Jeanuel Belocian den Elfmeterpunkt bearbeitete. Das sagen die Wolfsburger dazu.
Vor zwei Monaten hing in Wolfsburg der Haussegen schief. Nun präsentieren sich Mannschaft, Verein und Fans als Einheit. Der Zusammenhalt soll im letzten Saisonspiel gegen den FC St. Pauli der entscheidende Faktor sein.

In Wolfsburg hat sich die Stimmung gewandelt. Vor zwei Monaten ging noch ein Bruch durch Fans und Mannschaft. „Wir haben die Schnauze voll“, riefen die Anhänger, nachdem der VfL mit 1:2 gegen den Hamburger SV verloren hatte. Pyrotechnik wurde gezündet und brannte auf dem Feld ab.

Einen Tag später wurde Dieter Hecking als neuer Trainer vorgestellt, als Nachfolger von Daniel Bauer – der ebenso glücklos war wie vor ihm Paul Simonis. In den darauffolgenden acht Spielen gab es zwar lediglich einen Sieg und sechs Punkte. Dennoch war am Samstag bei der 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern München festzustellen: Wolfsburg ist wieder eine Einheit – mit der im hochspannenden Abstiegsdreikampf gegen St. Pauli und Heidenheim am kommenden Wochenende zu rechnen ist!

Stimmungswandel beim VfL Wolfsburg

Der neue Wolfsburger Geist wurde am Samstag schon vor Spielbeginn weiter geschürt: Wenige Minuten vor Spielbeginn wurde verkündet, dass der Verein zu einer modernen Variante des Zinnenwappens zurückkehrt. „Für immer unser Wappen“, stand auf einem großen Banner im Fanbereich. Unzählige grünweiße Fähnchen wurden geschwenkt.

Die Wolfsburger Fans, die in der Öffentlichkeit vielfach belächelt werden, peitschten ihre Mannschaft mit wiederkehrenden „VfL“-Rufen nach vorne. „Die Stimmung ist viel besser als sonst“, sagte ein Fan zu SPORT1. „Aber die Mannschaft spielt jetzt auch deutlich besser als sonst.“

Wolfsburg stellte den FC Bayern am Samstag in der ersten Halbzeit vor große Probleme: Das Torschussverhältnis lag aus Sicht der Wölfe bei 15:5, der xGoals-Wert bei 3,37 zu 1,02. Zwar ging das Spiel verloren, weil Michael Olise in der 2. Halbzeit der Siegtreffer für Bayern gelang – doch das Ergebnis ließ sich verschmerzen.

Der VfL steht weiterhin auf dem 16. Tabellenplatz und hat die beste Ausgangsposition im direkten Duell beim punktgleichen Schlusslicht FC St. Pauli (15.30 Uhr im LIVETICKER) und im Fernduell mit den ebenso punktgleichen Heidenheimern.

Auswärtsfaktor für Wolfsburg kein Nachteil

St. Paulis Heimvorteil gegen Wolfsburgs Ausgangslage – welcher Vorteil wiegt mehr? „Da muss ich kurz nachdenken“, sagte Sportdirektor Pirmin Schwegler, als er von SPORT1 diese Frage gestellt bekam, und antwortete dann: „Ich glaube weder noch. Wir werden viel Energie einbringen und nach vorne spielen. Wir haben auswärts eine bessere Bilanz als zu Hause, daher ist uns nicht bange.“

Tatsächlich holte Wolfsburg auswärts 16 Punkte (Platz 11 in der Auswärtstabelle), während in der Volkswagen Arena nur zehn Punkte (Platz 18 in der Heimtabelle) errungen wurden.

Auch St. Pauli ist nicht gerade eine Macht im eigenen Stadion. Nur vier der bisherigen 16 Heimspiele gewannen die Hamburger. Und dennoch weiß Schwegler um die Herausforderung: „Nicht nur das Stadion wird gegen uns sein, sondern auch viele, viele Leute in Deutschland. Das gibt uns noch mehr Kraft, zusammenzuhalten und eine Energieleistung zu erbringen.“

„Wir haben Selbstvertrauen“

Die Tabellensituation ist komplex. Ein Unentschieden würde Wolfsburg für die Relegation genügen, wenn Heidenheim nicht das Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 gewinnt. Sollte Heidenheim gewinnen, müsste Wolfsburg am Millerntor ebenfalls siegen und sicherstellen, dass Heidenheim nicht das um drei Treffer schlechtere Torverhältnis aufholt.

Mattias Svanberg bekräftigte gegenüber SPORT1, nicht taktieren zu wollen. „Wir wollen das Spiel gewinnen“, sagte der Mittelfeldspieler. Er hat Erfahrungen mit großen Entscheidungsspielen: Im März setzte er sich mit Schweden in den WM-Qualifikation Playoffs durch.

„Ich habe das erlebt. Wenn du solche Spiele hast, musst du happy sein und darfst nicht so viel an die schlechten Dinge denken. Wir müssen daran denken, dass wir gewinnen können. Wir haben Selbstvertrauen“, betonte Svanberg.

Der Hecking-Effekt

Trainer Hecking habe einen großen Anteil daran, dass die Mannschaft an sich glaubt. „Wir haben im letzten Monat mehr Punkte geholt, besseren Fußball gespielt, ein bisschen mehr auf die Basics gesetzt. Das haben wir uns gemeinsam erarbeitet. Vor drei, vier Wochen lagen wir noch fünf Punkte zurück. Jetzt haben wir alles in unserer Hand“, sagte der Schwede weiter.

Die Form stimmt positiv. Hecking glaubt, dass die Mannschaft im Hinblick auf das letzte Saisonspiel „vieles“ aus der Partie gegen Bayern mitnehmen kann: „Was die Energie angeht, was Disziplin angeht, was Ordnung auf dem Platz angeht, das Spiel mit und ohne Ball war richtig gut. Aber natürlich wird das gegen St. Pauli ein anderes Spiel. Vieles wird von Kleinigkeiten abhängen. Wir werden uns gut präparieren für dieses Spiel.“

Handgreiflichkeiten? „Wir schauen jetzt nach vorne“

Auch wenn sich die Stimmung in Wolfsburg offenbar gewandelt hat, ist der Verein nicht frei von Unruhen. Mit Mohamed Amoura und Kevin Paredes wurden zwei Spieler für das Spiel gegen Bayern München aus dem Kader gestrichen. Berichten zufolge gab es Handgreiflichkeiten im Training. „Über allem steht die Mannschaft. Das war eine disziplinarische Maßnahme“, erklärte Schwegler, der – wie Hecking – nicht konkreter wurde.

Für das entscheidende letzte Saisonspiel soll das allerdings keine Konsequenzen haben: „Wir schauen jetzt nach vorne.“ Der Stimmungswandel soll nicht getrübt werden.