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Der VfL Wolfsburg kann Dinge mit Geld statt Ideen lösen - genau das ist fatal

Die größte Enttäuschung der Saison

Der VfL Wolfsburg wähnt sich vor der Bundesliga-Relegation in Sicherheit. Doch ein Erfolg über den SC Paderborn sollte alles andere als groß gefeiert werden, kommentiert SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.
VfL Wolfsburg muss gegen Paderborn kämpfen, um nicht in die 2. Bundesliga abzusteigen.
Der VfL Wolfsburg wähnt sich vor der Bundesliga-Relegation in Sicherheit. Doch ein Erfolg über den SC Paderborn sollte alles andere als groß gefeiert werden, kommentiert SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Dass sich die Wolfsburger ihre Situation schönreden, ist sicher irgendwo nachvollziehbar. Aber es ist auch einfach dramatisch schlecht. Starspieler Christian Eriksen vergleicht einen möglichen Sieg in der Relegation gegen Paderborn (Hinspiel ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) sogar mit einem „Titelgewinn“. Der Däne meint: „Es gibt dafür keine Schale, aber es fühlt sich sicher wie ein Titel an.“

Also, ganz ehrlich: So schön es für den VfL wäre und dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch sein wird, wenn er am Ende die Klasse hält, so extrem enttäuschend und ausschließlich mangelhaft war die Darbietung in der abgelaufenen Saison. Gemessen an den Möglichkeiten war Wolfsburg die schlechteste Mannschaft des Jahres.

Doch die größte Enttäuschung der Saison wird in der Bundesliga bleiben, zumindest aller Voraussicht nach, dafür ist der Vorteil im Vergleich mit dem SC Paderborn wohl einfach zu groß. Das war auch 2017 und 2018 der Fall, als sich die Wolfsburger ebenfalls auf der letzten Relegations-Rille den Klassenerhalt sicherten, gegen Braunschweig und Kiel.

VfL Wolfsburg: Der Klub scheitert immer wieder an sich selbst

Was in Wolfsburg passiert, ist alles andere als eine Heldengeschichte. Der VfL ist weder arm noch strukturschwach. Er ist im Grunde kaum limitiert. Der Klub scheitert nicht an seinen Möglichkeiten, sondern immer wieder an sich selbst.

Die ständige Unruhe ist keine Ausnahme mehr oder ein Unfall, sondern Teil der Identität geworden. Und in Unruhe, dafür ist der VfL doch der beste Beleg, lässt sich nicht gut arbeiten.

Immer wieder neue Trainer, immer andere Sportliche Leiter. Neue Philosophien im Jahrestakt. Beim VfL Wolfsburg beginnt irgendwie jedes Jahr ein neues Projekt. Und fast jedes endet vorzeitig.

Konzernunterstützung als Kern des Übels?

Vielleicht ist es ein Kern des Übels, dass sie den Volkswagen-Konzern im Rücken haben. Weil sich im Klub, das ist deutlich zu spüren, immer wieder viele darauf verlassen, dass aus dem VW-Hahn ja die Unterstützung fließt. Dass die Wolfsburger finanziell zu den Privilegierten zählen, scheint eher eine Belastung für sie zu sein. Weil sie Dinge immer wieder mit Geld lösen können, statt zuerst mal mit guten Ideen. 

Der VfL Wolfsburg hat ja alles: moderne Infrastruktur, herausragende Trainingsbedingungen, hohe Etats (nicht nur bei den Profis, auch im Nachwuchs) sowie wirtschaftliche Sicherheit selbst in Krisenzeiten. Und trotzdem kaum sportliche Substanz.

Viel zu häufig Krisenmodus, viel zu häufig alles neu. Dieter Hecking ist der dritte Cheftrainer in dieser Saison. Als Sportdirektor begann Peter Christiansen, mittlerweile ist Pirmin Schwegler verantwortlich. 

„Als Wunder sollt das niemand bezeichnen“

Auf der Geschäftsstelle war das ein Thema diese Woche, nach dem Sieg bei St. Pauli: Was für eine hektische Saison das wieder war, was alles los war. „Als Wunder sollte Platz 16 echt niemand bezeichnen“, formulierte ein langjähriger Angestellter, „wir sind einfach mit einem blauen Auge davongekommen.“ 

Darum geht’s doch: Wer mit diesen Möglichkeiten die Relegation als Erfolg verkauft, der muss dringend seinen Kompass justieren. In Wolfsburg geht’s gerade nicht mehr um Strategien oder langfristige Pläne, sondern ausschließlich darum, den Schaden zu begrenzen. Mal wieder.