Beim FC Bayern geht es hinter den Kulissen oft um Geschichten und deren jeweilige Deutung. Bislang musste jeder Verantwortliche dafür sorgen, dass seine Verdienste auch den Weg in die Öffentlichkeit finden – das bringt Pluspunkte und macht das Leben leichter.
FC Bayern: An diesen Eberl-Erfolg legt Hoeneß die Axt an
Hoeneß legt die Axt an
Insofern befand sich Max Eberl zuletzt in einer eigentlich komfortablen Situation. Trotz des ständigen Geraunes um seine Person konnte der 52-Jährige immer wieder darauf verweisen, dass er es war, der Erfolgstrainer Vincent Kompany nach München lotste. Er habe den Belgier schon immer auf der Liste gehabt und habe Aufsichtsräte wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge erst überzeugen müssen.
Der entscheidende Punkt sei gewesen, dass er, Eberl, den Klub-Vätern empfohlen habe, doch einfach Pep Guardiola anzurufen und den nach seiner Meinung zu fragen – so stellte es der Sportvorstand jedenfalls vor vier Wochen im ZDF dar.
FC Bayern: Eberl holte Kompany – diese Erzählung gefällt nicht jedem
Eine Erzählung, die an der Säbener Straße nicht jedem gefiel. Schließlich sieht es in der Eberl-Version so aus, als müssten Hoeneß und Rummenigge erst auf naheliegende Ideen gebracht werden, statt selbst darauf zu kommen. Im nervösen Münchner Umfeld können sich selbst die beiden Väter des modernen FC Bayern eine solche Lesart nicht leisten.
Im Spiegel legte Hoeneß jetzt an Eberls Geschichte die Axt an und relativierte die Erzählung, der Sportvorstand habe das Trainer-Juwel im Alleingang gefunden. „Zum Beispiel zu sagen: Er hat den Trainer gefunden… Vorher hätte er den Tuchel unter Vertrag genommen. Dann würden wir heute nicht da stehen, wo wir jetzt sind. Es ist ja sein Job, dass er Optionen bereithält“, sagte der Ehrenpräsident.
Hoeneß: Wir haben verhindert, dass Eberl mit Tuchel verlängert
Hoeneß ging sogar noch weiter ins Detail: „Zuerst wollte Max Eberl dem Thomas Tuchel, der noch ein Jahr Vertrag hatte, noch ein Jahr draufgeben. Das heißt, Tuchel wäre noch zwei Jahre dagewesen. Das haben Karl-Heinz Rummenigge, Herbert Hainer und ich verhindert.“
Die Botschaft ist klar: Eberl musste aus Hoeneß‘ Sicht erst zu seinem Glück gezwungen werden. Erst durch das Veto der Aufsichtsräte sei der Sportvorstand dazu angehalten gewesen, Kompany aus dem Hut zu zaubern.
Hoeneß offenbart einen gefährlichen Blick auf die Vorgänge
Es ist ein gefährlicher Blick auf die Vorgänge, schließlich kann Eberl jeden Pluspunkt gebrauchen. Aber selbst hier wird er jetzt in Frage gestellt.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein eigentlich eindeutiger Erfolg des Sportvorstands hinterfragt wird. Ein weiteres Beispiel ist der Fall Michael Olise. Der Franzose gilt als Eberls Königstransfer.
Selbst Königstransfer Olise wird Eberl streitig gemacht
Doch klubintern wird seine Rolle schön seit längerem auch hier geschmälert. Vielmehr sei es der damalige Chefscout Markus Pilawa gewesen, der die wichtigsten Weichen für den Deal gestellt habe.
Es sind Vorgänge, die Eberl in der ohnehin schon angespannten Gesamtsituation nicht helfen und seiner Geschichte beim FC Bayern schaden.