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Ärger bei St. Pauli! Auch bei Hamann ist die Verwunderung groß

Diese Szene erhitzt die Gemüter

Der FC St. Pauli steigt aus der Bundesliga ab. Keeper Nikola Vasilj unterläuft ein Eigentor, doch lag dabei ein Foulspiel am Bosnier vor? Vasilj schimpft nach Abpfiff und erhält Unterstützung. Schiedsrichter Siebert kontert.
Die beiden Bundesliga-Absteiger stehen fest: St. Pauli und Heidenheim müssen den Gang ins Unterhaus antreten.
Der FC St. Pauli steigt aus der Bundesliga ab. Keeper Nikola Vasilj unterläuft ein Eigentor, doch lag dabei ein Foulspiel am Bosnier vor? Vasilj schimpft nach Abpfiff und erhält Unterstützung. Schiedsrichter Siebert kontert.

K.o. für den Kiez-Klub, Rettungsanker für die Wölfe: Der VfL Wolfsburg hat im Bundesliga-„Herzschlagfinale“ einen kühlen Kopf bewahrt und den FC St. Pauli in die 2. Liga befördert. Während sich die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking durch den verdienten 3:1 (1:0)-Auswärtserfolg in die Relegation rettete, müssen die Hamburger nach einem Gastspiel von nur zwei Jahren wieder zurück in die Zweitklassigkeit.

Schlüsselmoment für den Sieg der Niedersachsen am Millerntor war sicherlich das zwischenzeitliche 2:1 für den VfL, als St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj ein bitteres Eigentor unterlief (64.). Der Bosnier faustete einen von Christian Eriksen getretenen Eckball mit einer Faust ins eigene Tor, doch war der Treffer für Wolfsburg korrekt?

Vasilj schimpft: „Das ist ein Foul“

Vasilj reklamierte umgehend ein Foulspiel eines Wolfsburger Profis, der ihn in dieser Situation behindert und ein Foul an ihm begangen habe. Das Schiedsrichter-Gespann um Daniel Siebert überprüfte die Szene genau, Siebert selbst machte sich auf Hinweis des VAR am Spielfeldrand ein Bild von der Szene am TV-Bildschirm.

Der Unparteiische gab den Treffer für den VfL – eine Entscheidung, die Vasilj nach dem Spiel überhaupt nicht nachvollziehen konnte. „Meine rechte Hand wird geblockt. Ich kann mit der rechten Hand nicht reagieren und dann war ich auch nicht mehr in der Balance. Ich weiß nicht, wie diese Entscheidung getroffen wurde. Ich verstehe das nicht. Jeder Torhüter weiß, wie schwer so eine Situation ist. Die Gegner drücken und halten mich“, sagte er bei Sky.

Die klare Meinung des Torhüters: „Für mich ist das ein klares Foul. Ich kann mit der einen Hand nicht reagieren. Das ist unglaublich, dass diese Entscheidung das Spiel entschieden hat.“

Foul an Vasilj? Hamann wird deutlich

Zustimmung erhielt Vasilj von den Sky-Experten Erik Meijer und Dietmar Hamann, die ebenfalls ein Foul am Torhüter erkannt hatten. „Ich bin da ganz klar beim Torhüter. Aber die Rechte für Torhüter im Fünfmeterraum sind in den vergangenen Jahren irgendwie verflogen“, sagte Meijer.

Hamann wurde sogar noch deutlicher: „Wenn der Ball unterwegs ist und ein Torhüter wird so geblockt, dann hat das sofort in einem Freistoß zu resultieren. Das muss ein Foul sein und das muss geahndet werden. Als der Schiedsrichter rausging, stand für mich außer Frage, dass das Tor nicht gegeben wird. Das ist Foulspiel.“

Er könne die Aufregung der Hamburger Spieler verstehen, das Tor hätte aus seiner Sicht niemals zählen dürfen. Sieberts Entscheidung hätte „das Spiel und letztendlich den Abstieg“ entschieden.

Siebert kontert die Kritik

Der Unparteiische wurde nach Abpfiff mit den Worten von Vasilj konfrontiert – und konterte die Aussagen klar. „Der VAR hat gesagt: ‚Ja, es gibt Körperkontakt. Schau es dir draußen am Bildschirm an.‘ Ich bin rausgegangen und habe ehrlicherweise nichts Illegales von einem Wolfsburger gesehen. Alles war für mich handelsüblich und im Leben kein Grund, das Tor zurückzunehmen“, sagte er bei Sky.

„Nikola Vasilj macht eine unglückliche Figur (…) Er kann nicht erwarten, dass bei jedem Körperkontakt Foulspiel gepfiffen wird. Die Zeiten sind längst vorbei.“

Wolfsburg rettet sich in die Relegation

Die 20. Saisonniederlage besiegelte das Schicksal des Teams von Coach Alexander Blessin, dessen Sieglos-Serie von zehn Spielen am Ende den Klassenerhalt kostete. Am Samstag nutzte St. Pauli vor 29.546 Zuschauern im ausverkauften Millerntorstadion in der ersten Halbzeit wieder einmal beste Chancen nicht.

Für Wolfsburg trafen Konstantinos Koulierakis per Kopf (37.) und Dzenan Pejcinovic (80.), zudem unterlief St. Paulis bis dahin überragendem Keeper Nikola Vasilj ein Eigentor (64.). Die Hoffnung der Gastgeber nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Abdoulie Ceesay (57.) währte nur kurz. In der Schlussphase schoss Wolfsburgs Christian Eriksen einen Handelfmeter (77.) an die Oberkante der Latte.

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt den Niedersachsen nicht: Das Relegationshinspiel gegen den Zweitligadritten SV Elversberg, Hannover 96 oder SC Paderborn steigt am kommenden Donnerstag in Wolfsburg, die Entscheidung fällt dann auswärts am Montag drauf (beide 20.30 Uhr/jeweils Sat.1 und Sky).

„Wir fahren da hin und wollen das Spiel gewinnen. Alles andere hat uns nicht zu interessieren“, betonte Hecking vor der Partie. Wie Pauli-Coach Blessin mochte auch er sich nicht mit dem Parallelspiel befassen. Zwischenstände aus Heidenheim wurden im Stadion nicht durchgesagt. „Angst hemmt und deshalb wollen wir sie wegschieben“, kündigte Blessin an.

Vasilj patzt entscheidend

Dieses Vorhaben gelang zunächst gut, der Siegzwang schien die Braun-Weißen jedenfalls nicht zu lähmen. In der Anfangsphase stand St. Pauli, das aufgrund der schlechtesten Tordifferenz als Schlusslicht in den letzten Spieltag startete, hinten kompakt und setzte nach vorn vereinzelt Nadelstiche. Nennenswerte Chancen für ein dringend benötigtes Tor blieben allerdings aus.

Bis zur 22. Minute, als sich plötzlich die Ereignisse überschlugen. Zunächst war es St. Paulis Joel Fujita, der das Leder aus rund 25 Metern an die Unterkante der Latte hämmerte – und damit den direkten Gegenzug einleitete. Und so stürmte VfL-Stürmer Adam Daghim im Vollsprint über den halben Platz, um dann zehn Sekunden nach dem Fujita-Wumms völlig frei an Vasilj zu scheitern. Nach der folgenden Ecke stand erneut Vasilj im Brennpunkt, als er einen Daghim-Schuss aus kurzer Distanz an die Latte lenkte.

Das Spiel nahm jetzt mal so richtig Fahrt auf, beide Teams legten die anfängliche Zurückhaltung komplett ab. Für Wolfsburg traf Vinicius Souza per Kopf den linken Außenpfosten (33.), St. Pauli kam durch einen Flachschuss von Connor Metcalfe (34.) beinahe zur Führung. Das Tor fiel dann wenig später auf der Gegenseite. Eine weitere Chance von Daghim konnte Vasilj zwar noch entschärfen, den anschließenden Eckball köpfte Koulierakis über die Linie.

Torwart gibt nach Abstieg Abschied bekannt

St. Pauli blieb mutig – und hätte wenig später durch Andreas Hountondji ausgleichen müssen. Der Angreifer brachte es allerdings fertig, eine flache Hereingabe aus zwei Metern völlig freistehend zu verstolpern. Besser machte es im zweiten Durchgang Ceesay, der für Hountondji zur Pause eingewechselte Stürmer, traf nach einer Ecke. Zur tragischen Figur wurde schließlich später Vasilj, der nach dem Spiel seinen Abschied verkündete.

„Ich muss ehrlich sein, das war mein letztes Spiel hier. Es ist hart für mich. Der Klub und ich müssen neue Wege gehen“, sagte er bei Sky. Vasilj wechselte im Sommer 2021 aus der Ukraine nach Hamburg und wird den Gang in die 2. Liga nicht mit antreten.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)