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Nicht alles ist super: Das Dilemma mit den Bundesliga-Aufsteigern

Die unbequeme Wahrheit

Der Aufstieg von Elversberg und Paderborn erfreut viele Fußball-Romantiker. Mit Blick auf die Strahlkraft der Bundesliga ist aber nicht alles super, meint SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.
Paderborn-Trainer Ralf Kettemann spricht nach dem Relegationsrückspiel gegen den VfL Wolfsburg über den Aufstieg und die kommenden Aufgaben in der Bundesliga.
Der Aufstieg von Elversberg und Paderborn erfreut viele Fußball-Romantiker. Mit Blick auf die Strahlkraft der Bundesliga ist aber nicht alles super, meint SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Die Chance war groß, dass zumindest zwei Schwergewichte die Bundesliga in der neuen Saison bereichern. Hinter Meister Schalke war auch Hannover lange im Aufstiegsrennen der 2. Liga, dazu hätte es Hertha im Grunde schaffen müssen. Der Hauptstadtklub hatte laut Transfermarkt den mit Abstand wertvollsten Kader der Saison.

Nun also Elversberg und Paderborn. Viele Fußball-Romantiker freuen sich – total zu Recht ja auch. Zwei Vereine, die mit klarer Idee, sehr guter und konstanter Arbeit und erst recht begrenzten Mitteln ihre „Wunder“ geschafft haben.

Fans lieben Geschichten von Underdogs. Und genau das sind die Aufstiege von Elversberg und Paderborn: hochmoderne Erfolgsgeschichten. Die Davids haben es den Goliaths mal wieder gezeigt.

Bundesliga lebt auch von ihrer Strahlkraft

Trotzdem ist, mit Blick von oben, nicht alles super. Denn die Bundesliga, Deutschlands ja auch wirtschaftlich wichtigste Sportserie, lebt nicht nur von Taktik und Tabellen, sondern zu einem sehr relevanten Teil auch von Strahlkraft. Von großen Stadien, vollen Auswärtsblöcken, traditionsreichen Duellen und TV-Übertragungen, die große Klubs zeigen und große Gefühle transportieren.

Traditionsriesen wie Hertha, Hannover oder Kaiserslautern haben genau das im Tank und garantieren Geschichte(n) und Reichweite – sowie Zehntausende Fans, oft auch auswärts, die die Bundesliga vergrößern. Der HSV war in dieser Saison das ideale Beispiel.

Paderborn und Elversberg stehen dagegen für eine Entwicklung, die sportlich besonders und maximal fair ist, ökonomisch aber schwierig. Kleine Stadien, überschaubare Fanszenen, weniger Zugkraft für TV-Sender, Streaming-Plattformen, Social Media und neutrale Zuschauer.

Sportlicher Erfolg garantiert nicht direkt eine attraktivere Liga

Läuft sonntags Elversberg gegen Paderborn statt zum Beispiel HSV gegen Schalke, ist das sportlich legitim – aber eben kein Spiel, das die Attraktivität der Bundesliga steigert, auch international.

Das ist durchaus ein Dilemma: Die Bundesliga will Wettbewerb und Durchlässigkeit. Aber sie lebt zugleich von großen Klubs, ihren Stars, deren Faszination und Reichweiten. Elversberg und Paderborn sind ein toller Beweis dafür, dass im deutschen Fußball noch Leistung zählt. Und zeigen gleichzeitig, dass sportlicher Erfolg allein nicht gleich eine attraktivere Liga macht.

Vielleicht liegt genau da die unbequeme Wahrheit: Die Bundesliga bekommt die Aufsteiger, die sie verdient – aber nicht immer die, die sie bräuchte oder gerne hätte.