Bei RB Leipzig zählt Castello Lukeba zu den Leistungsträgern. Seit seinem Wechsel von Olympique Lyon im Sommer 2023 bringt es der 23 Jahre alte Innenverteidiger inzwischen auf 101 Pflichtspiele für die Sachsen.
Wechsel nach England? Leipzig-Star lässt im Interview die Tür offen
„Upamecano und Konaté sind Vorbilder“
Als robuster Defensivspieler wird Lukeba, der auch für die französische U21-Nationalmannschaft spielt, längst mit Top-Klubs in Verbindung gebracht. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht der Leipziger über das kolportierte Interesse anderer Vereine, seinen Vertrag, die Champions League und seine großen Ziele.
SPORT1: Herr Lukeba, wir sind aktuell für die Post-Season-Tour in Südafrika. Was sind Ihre ersten Eindrücke vom Land und der Kultur?
Lukeba: Ich muss sagen, dass die Menschen hier extrem freundlich sind. Sie kümmern sich um uns und geben uns zu jeder Zeit ein gutes Gefühl. Ich spüre eine gute Verbindung zu den Menschen und freue mich unglaublich, noch mehr von diesem Land zu sehen.
Leipzig-Star erwartet „besondere Atmosphäre“ bei Testspiel
SPORT1: Es steht unter anderem das Testspiel gegen den afrikanischen Champions-League-Sieger Mamelodi Sundowns an. Mit dabei sind sicherlich unzählige Vuvuzelas. Was erwarten Sie?
Lukeba: Ich erinnere mich an die Weltmeisterschaft 2010 hier in Südafrika. Auch wenn es keine guten Erinnerungen für unsere französische Nationalmannschaft sind, die in der Gruppe Letzter wurde (lacht). Aber ich freue mich wirklich auf das Testspiel vor der besonderen Atmosphäre.
SPORT1: Bei Ihrer Anreise nach Südafrika haben Sie alle überrascht! Sie haben plötzlich eine Skibrille getragen. Haben Sie die Berge hier in Johannesburg bereits gefunden?
Lukeba: Nein! (lacht) Johan Bakayoko hat mir gesagt, dass er eine Brille mitbringen wird, und da dachte ich mir, dass ich auch eine tragen will. Aber ich muss sagen: Die Brille steht mir ziemlich gut! (lacht)
SPORT1: Wie wichtig ist Ihnen Mode?
Lukeba: Tatsächlich sehr. Mit Klamotten kann man sich ausdrücken. Ich mag es, wenn es ein bisschen speziell ist. Das ist Teil meiner Persönlichkeit.
Bundesliga „gehört zu den besten Ligen der Welt“
SPORT1: Die Reise nach Südafrika dient ebenfalls dazu, Werbung für die Bundesliga zu machen. Mittlerweile sind Sie seit drei Jahren in dieser Liga. War es damals die richtige Entscheidung, nach Deutschland zu gehen?
Lukeba: Auf jeden Fall. Bereits vor meinem Wechsel wusste ich, dass die Bundesliga eine Topliga ist. Die Liga gehört zu den besten der Welt. Ich war nicht überrascht, wie enorm die Qualität ist. Ich will Schritt für Schritt gehen und bin mit der Bundesliga sehr glücklich.
SPORT1: Was wussten Sie bereits über die Bundesliga, als Sie noch in Frankreich gelebt haben?
Lukeba: Ich wusste einiges, viele Menschen in Frankreich schauen die Bundesliga. Die Liga ist die beste für junge Spieler, um sich zu entwickeln. Insbesondere in Leipzig war das immer wieder der Fall. Upamecano und Konaté sind Vorbilder, aber auch Simakan. Mit ihm habe ich noch in der französischen U-Nationalmannschaft gespielt. Er hat mir viel über den Klub und das Land verraten.
Wechsel nach Leipzig: „Es war wirklich schwer“
SPORT1: Sie haben Ihr ganzes Leben in Lyon gelebt und sind mit dem Leipzig-Wechsel das erste Mal ins Ausland gezogen, damals waren Sie 20 Jahre jung. Wie schwer war es, in einem neuen Land und einer neuen Umgebung anzukommen?
Lukeba: Es war wirklich schwer. Ich habe elf Jahre für Olympique Lyon gespielt und kannte nur diese Stadt. Aber zum Glück sind meine Schwester und mein Neffe mit nach Leipzig gekommen. Das hat mir unglaublich geholfen. Außerdem war von Anfang an jeder im Klub sehr bemüht, es mir leicht zu machen mit der Eingewöhnung. Nach ein paar Tagen hat das dann auch gut geklappt. Für meinen Neffen freut es mich außerdem sehr, dass er hier aufwächst. Er hat Englisch und Deutsch bereits gelernt und spielt nun sogar auch in einer Jugendmannschaft von RB Leipzig.
SPORT1: Hat Ihr Neffe das Talent, in Ihre Fußstapfen zu treten?
Lukeba: Ja, sehr gut möglich! Er ist mit 14 Jahren immer noch sehr jung. Das Wichtigste ist für ihn, dass er das Fußballspielen genießt. Aber wenn er so weitermacht, ist es gut möglich, dass wir den nächsten Lukeba in der Bundesliga haben.
Lukeba mit RB zurück in der Champions League
SPORT1: Wenn wir auf die abgelaufene Saison schauen, dürften Sie ziemlich glücklich sein, oder?
Lukeba: Ich bin sogar sehr happy! Es war eine gute Saison für mich und für uns. Wir haben uns für die Champions League qualifiziert. Das war das Wichtigste überhaupt. Wenn man eine ganze Saison ohne europäische Spiele bestreitet, tut es ziemlich weh, wenn dienstags und mittwochs die Champions League läuft. Wenn man nur ein Spiel die Woche hat, ist so eine Saison extrem lang. Außerdem habe ich die 100-Spiele-Marke für RB Leipzig geknackt, das war mein Ziel!
SPORT1: Nun hören Sie wieder die Champions-League-Hymne. Wie fühlt sich das an?
Lukeba: Um ehrlich zu sein, ich kann es nicht beschreiben. Wenn ich an die Spiele gegen Manchester City oder Real Madrid denke, dann waren das sehr besondere Gefühle. Wir spielen Fußball für genau diese Spiele. Um uns gegen die Besten zu messen. Es war als Kind immer mein Traum, in der Champions League zu spielen.
SPORT1: Haben Sie eigentlich spezielle Vorbilder auf der Innenverteidigerposition?
Lukeba: Als ich jung war, habe ich zu Thiago Silva aufgeschaut. Er ist ein Vorbild für mich. Mit welcher Ruhe er die Bälle spielt und seine Führungsqualitäten – das ist sehr besonders. Außerdem muss ich Samuel Umtiti nennen. Er ist ebenfalls in Lyon gestartet und ist sogar Weltmeister geworden.
„Weiß gar nicht genau, wie mein Vertrag aussieht“
SPORT1: Es gibt viele Gerüchte um Ihre Person. Sie haben eine Ausstiegsklausel im Vertrag und könnten diese im Sommer aktivieren. Ist es eine Option, dass Sie Leipzig diesen Sommer verlassen?
Lukeba: Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht genau, wie mein Vertrag aussieht, den hat mein Berater ausgehandelt. Ich weiß nicht einmal, wie lange er noch läuft. Ich bin aber glücklich in Leipzig, erst recht, nachdem wir uns wieder für die Champions League qualifiziert haben. Jetzt genießen wir erst mal die Zeit in Südafrika, danach steht Urlaub an und dann schauen wir, was passiert. (schmunzelt)
SPORT1: Aber könnte es nach drei Jahren in Leipzig Zeit für den nächsten Schritt sein?
Lukeba: Im Fußball kann man nie die Zukunft voraussagen. Es gibt immer viele Gerüchte. Ich weiß nicht, was passieren wird, denn alles kann sich täglich ändern.
SPORT1: Was denken Sie denn über die Premier League?
Lukeba: Das ist eine sehr gute und sehr attraktive Liga. Extrem viele gute Spieler spielen dort. Ich finde, sie hat sogar einige Ähnlichkeiten zur Bundesliga.
Premier League als mögliches Ziel?
SPORT1: Ist es ein Traum, dort einmal zu spielen?
Lukeba: Ich habe viele Freunde, die in der Premier League spielen. Wenn ich dort auch eines Tages spiele, würde ich das nehmen. Aber es ist nichts, was unbedingt passieren muss. Viel wichtiger ist es mir, dass ich in meiner Karriere viele Titel gewinne.
SPORT1: Arsenal und Manchester United sollen an Ihnen Interesse haben. Sind das attraktive Klubs für Sie?
Lukeba: Das sind zwei extrem große Klubs. Arsenal hat nicht umsonst gerade die Premier League gewonnen und steht im Champions-League-Finale. Am Ende geht’s mir einfach darum, Spaß am Fußball zu haben und eine Menge Titel zu gewinnen! Nach meiner Karriere will ich sehen, was ich gewonnen habe. Die Titel sind das Wichtigste für mich.
Große Ziele auf und neben dem Platz
SPORT1: Sie haben vor etwas mehr als einem Monat einen Song mit dem Titel „Prends pas la tête“ herausgebracht. Wie kam es dazu?
Lukeba: Die Musik ist meine Leidenschaft. Ich bin sehr musikalisch aufgewachsen und manchmal schreibe ich aus Langeweile Songs oder mache Musik. Dann kam mit dem französischen Rapper R2 ausgerechnet mein Lieblingsrapper auf mich zu, sodass ich das machen musste! Und es ist vielleicht nicht das letzte Mal gewesen, dass wir einen Song gemacht haben.
SPORT1: Das hört sich nach einer Ankündigung an!
Lukeba: Ja, Breaking News extra für euch. (lacht)
SPORT1: Sie haben in einem anderen Interview erzählt, dass Sie Musik „für die Ladies“ mögen. Jetzt haben Sie auch einen Song rausgebracht. Wie kam es bisher an?
Lukeba: Jetzt hast du mich erwischt! (lacht) Ich meinte damit, dass ich Songs gerne höre, die von Liebe handeln. Das ist die beste Emotion, die man haben kann.
SPORT1: Zurück zum Sportlichen: Was sind Ihre konkreten Karriereziele?
Lukeba: Ich will die Champions League gewinnen und ich will Weltmeister werden.