Wie Bayern Nübel abserviert - SPORT1
Wie Bayern Nübel abserviert
Im Grunde keine Besonderheit, doch die Pressemitteilung hatte zwischen den Zeilen etliche Botschaften in sich, die für einen Mann endgültig das Ende in München bedeuten: Alexander Nübel.
Bayern setzt auf Neuer, Ulreich und Urbig
Sportvorstand Max Eberl betonte: „Wir haben bei der Ausrichtung im Tor einen klaren Plan und setzen ihn Schritt für Schritt um: Manuel Neuer, Sven Ulreich und Jonas Urbig bilden ein Torwartteam, in dem jeder seine Rolle hat und das sich gemeinsam entwickelt.“
Dass für Nübel in der Pressemitteilung und erst recht nicht im Kader des FC Bayern Platz ist, ist damit endgültig besiegelt. Dass er seit langem auf der Streichliste der Münchner steht, hatte SPORT1 bereits zuvor berichtet. Jetzt wurde der Nationalkeeper eiskalt abserviert.
Sportdirektor Christoph Freund bestätigte auf SPORT1-Nachfrage in der Mixed-Zone auch, dass Nübel nicht zum Bayern-Kader in der kommenden Saison 2026/27 gehören wird. „Wir hatten einen Austausch mit seinem Management und auch Alex weiß Bescheid, wie unsere Planungen sind“, sagte der Österreicher.
Auch Präsident Herbert Hainer ließ am Rande der Meisterfeier am Nockerberg durchblicken, dass Nübel nicht so schnell zurückkehren wird: „Im Sommer läuft die Leihe von Nübel in Stuttgart aus und dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Aber im Moment gehe ich nicht davon aus, dass er zum FC Bayern zurückkehrt.“
Nübel bei den Münchnern außen vor
Die Gründe hierfür sind zahlreich und liegen teils weit in der Vergangenheit. Klar ist: Eine echte Chance hatte Nübel nie. Und sollte er eine gehabt haben, hat er sie nicht genutzt.
Bereits kurz nachdem die Bayern im Januar 2020 seine Verpflichtung verkündet hatten und es Gerüchte um garantierte Einsätze für ihn gab, setzte Neuer den Ton: „Ich bin kein Statist, sondern Protagonist“, ließ der Platzhirsch im Trainingslager in Katar wissen.
Hinter den Kulissen soll er sogar noch deutlicher geworden sein. Überliefert ist der Satz: „Dem schenke ich kein Spiel.“
Als Nübel dann im darauffolgenden Sommer tatsächlich an der Säbener Straße aufschlug, dürfte er schnell gemerkt haben, worauf er sich da eingelassen hatte. Dem Vernehmen nach ließ ihn der damalige Torwarttrainer Toni Tapalovic – immerhin enger Vertrauter und Trauzeuge von Neuer – täglich spüren, was er von ihm hielt: Reichlich wenig.
Die Hausmacht der lebenden Torwart-Legende ließ sich nicht erschüttern, Nübel wurde verliehen. Damals wurde deutlich, dass der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidzic Neuers Ehrgeiz – und dessen Ellbogen – kolossal unterschätzt hatte.
Nübels Leidensgeschichte unter Neuer
Nübels Leidensgeschichte unter Neuer ging auch Jahre später weiter. SPORT1-Infos zufolge kostete es dem mittlerweile 29-Jährigen im Jahr 2024 die EM-Teilnahme, dass sein Verhältnis zur Nummer 1 stets angespannt war.
Obendrein konnte er sich auch deswegen nicht um seine Karriereplanung kümmern, da Neuer mit seiner langen Bedenkzeit quasi für Stau auf dem bayerischen Torhüter-Karussell sorgte.
Angesichts dieser Tatsachen konnte man fast Mitleid mit Nübel haben, als er vor dem Länderspiel der DFB-Elf gegen Ghana nach Jonas Urbig gefragt wurde und tapfer erklärte, er werde bald mit dem neuen Kronprinz zusammenarbeiten, schließlich habe er in München noch einen Vertrag (bis 2030 – Anm. d. Red.).
Dabei hatten die Führungsriege des Rekordmeisters bereits damals den Daumen gesenkt und hinter den Kulissen einen Torwartplan ohne Nübel erarbeitet.
Urbig bekommt seine Chance beim FC Bayern
Apropos Urbig: Besonders tragisch ist es für Nübel, dass sein einstiger Wechsel zu den Bayern vor über sechs Jahren harsch kritisiert wurde. Mit 23 sei er zu jung für die Nachfolge von Neuer, sein Agent habe ihn falsch beraten – so die Vorwürfe damals.
Bei Urbig klang das alles anders. Obwohl dieser als Ersatzkeeper aus der zweiten Liga kam, wurde ihm von sämtlichen Experten bescheinigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Der 22-Jährige profitierte in der Folge tatsächlich von zahlreichen Faktoren: Neuer war mehrmals verletzt und etwas milder im Umgang geworden. Zudem war er zu Beginn der Saison im DFB-Pokal für zwei Spiele gesperrt – beste Voraussetzungen für einen Youngster von Urbigs Qualität.
Und: Er verzichtete auf große Ansagen und hielt sich stets zurück, während man Nübel während seiner Zeit in München stets unterstellte, Neuer aufs Altenteil schieben zu wollen.
Neuer-Aussage liest sich vielsagend
Vor diesem Hintergrund kann man eine Aussage Neuers aus der Pressemitteilung auch als kleine Spitze gegen den Ex-Kollegen lesen: „In unserem Torwart-Team halten wir zusammen und versuchen, die Latte immer höher zu legen, uns permanent gegenseitig zu pushen und optimal auf die Spiele vorzubereiten.“
Die Botschaft ist klar: Aktuell halten die Keeper zusammen, in der Vergangenheit wohl nicht immer.