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"Wolfsburg im Stile Real Madrids" - Als die Wölfe die Bayern fraßen

Heckings Meisterstück gegen die Bayern

Dem VfL Wolfsburg droht der erste Abstieg aus der Bundesliga. Ausgerechnet jetzt kommen auch noch die Bayern. Das aber muss kein negatives Omen sein.
Der VfL Wolfsburg darf wieder auf den Klassenerhalt hoffen. Am 34. Spieltag kommt es voraussichtlich zum Showdown um den Relegationsplatz gegen den FC St. Pauli. Zuvor treffen Cheftrainer Dieter Hecking und die Wölfe allerdings noch auf den FC Bayern München.
Dem VfL Wolfsburg droht der erste Abstieg aus der Bundesliga. Ausgerechnet jetzt kommen auch noch die Bayern. Das aber muss kein negatives Omen sein.

Der Start in die Rückrunde 2014/15 verhieß guten Fußball, aber nicht unbedingt Spannung. Zwar empfing der Zweite an jenem Freitag, den 30. Januar 2015, den Ersten. Aber die Guardiola-Bayern waren noch ungeschlagen und dem ersten Verfolger VfL Wolfsburg schon um elf Punkte enteilt.

Nie war das Titelrennen langweiliger als in der Ära des spanischen Trainers in München. Weil fünf seiner Weltmeister am Ball waren, gab sich auch der Bundestrainer Joachim Löw die Ehre und kam einmal nach Wolfsburg.

Die Vorfreude auf das Gipfeltreffen, auf das vor der Saison keiner getippt hätte, war stark getrübt. Es war das erste Spiel nach dem Tod von VfL-Profi Junior Malanda, der kurz zuvor als Beifahrer bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. „Ein emotionaler Abend, geprägt von außergewöhnlichen Umständen und einer elektrisierenden Atmosphäre in der VW-Arena“, schrieb die Wolfsburger Allgemeine Zeitung dieser Tage, als sie gemeinsam mit Trainer Dieter Hecking auf diese Partie zurückblickte.

Der doppelte Dost und ein aufgehender Stern

Für Hecking, der in der vergangenen Woche sein 450. Bundesligaspiel leitete, zählt der Tag, als die Bayern zum bisher letzten Mal von den Wölfen gefressen wurden, zu den Top-Drei-Highlights seiner Karriere. Es begann, wie es sich jeder Trainer und Fan wünscht – mit einem frühen Tor. Der Niederländer Bas Dost überwand Manuel Neuer schon nach vier Minuten nach einem Konter.

„Dosts Blitztor brachte Sicherheit – und entnervte den nun gar nicht mehr übermächtigen Gegner“, schrieb die WAZ damals. Als der Schiedsrichter schon zur Pause bitten wollte, hatte Dost noch einen großen Auftritt und donnerte den Ball, den ausgerechnet der Münchner Sturmkollege Robert Lewandowski zu kurz abgewehrt hatte, volley in den Kasten. 2:0! „Habt ihr gesehen, wie der Ball da reingegangen ist?“, fragte der Schütze später triumphierend in die Reporterrunde.

Es gingen dann noch mehr Bälle in Neuers Kasten, binnen eines berauschenden Spiels verdoppelte sich die Gegentorzahl des kommenden Meisters von vier (nach der kompletten Hinrunde) auf acht. Dafür zeichnete nach der Pause der Superstar im Team der Wölfe verantwortlich. Der Belgier Kevin De Bruyne, noch am Anfang seiner Weltkarriere, startete nach einem Pass des ewigen VfLers Maximilian Arnold noch in der eigenen Hälfte und stellte nach 53 Minuten die Anzeigetafel auf 3:0.

Noch gaben die Bayern nicht auf, und Verteidiger Juan Bernat stocherte den Ball fast im Gegenzug über die Linie. Doch es war nur ein Aufflackern, das erlosch, als der unaufhaltsame De Bruyne Verteidiger Dante, später ein VfL-Spieler, austanzte und ebenfalls einen Doppelpack schnürte (73.). Es blieb beim 4:1, es war ein verdienter Sieg gegen desolate Bayern, von denen sieben Spieler im kicker die Note 5 bekamen, darunter auch ein gewisser Xabi Alonso. Das Stadion tobte vor Freude, die Fans sangen „Deutscher Meister wird nur der VfL“ und Hecking sagte: „Der ganze Verein hat gezeigt, dass er nicht der Werksklub ist, der ohne Emotionen durch die Gegend läuft.“

Noch heute beteuert er: „Die Umstände des Unglücks und wie das Spiel damals von uns gespielt wurde – das war außergewöhnlich. Es war ein ganz besonderer Abend. Ich glaube, an dem Abend hätte jeder Gegner kommen können, jeder hätte das Spiel gegen uns verloren. Wir waren alle so aufgedreht. Dazu eine überragende Stimmung im Stadion. Das vergisst man nicht.“

„Wolfsburg im Stile Real Madrids“

Pep Guardiola sicher auch nicht. In seiner dreijährigen Bayern-Zeit (2013-2016) hat er in der Bundesliga nie höher verloren und nur einmal ebenfalls mit drei Toren (2014 gegen den BVB/0:3). Von ihm war nach dem Spiel nicht viel zu hören, er monierte nur: „Man darf nicht so viele Räume lassen.“ Wie schon gegen Real Madrid im Vorjahr (2014/0:4) waren sie Opfer ihrer Spielweise geworden. De Bruyne jedenfalls sagte wissend: „Wissen Sie, die Bayern spielen mit vielen Risiken, und oft geht es eben gut. Heute haben sie uns aber zu viel Raum gelassen. Man muss einfach mit Risiko gegen sie spielen.“

Bayerns Arjen Robben gestand: „Natürlich ist das ein Schock. Man kann mal ein Spiel verlieren – okay. Aber 4:1 ist natürlich ein bisschen viel.“ Immerhin verloren sie gegen den kommenden Vizemeister und Pokalsieger, eine bessere VfL-Mannschaft gab es seither nicht mehr. Das Ergebnis sorgte auch international für Aufsehen, auch in Guardiolas Heimat. „Wolfsburg im Stile Real Madrids“, feierte El Mundo den Sieger, und die Marca schrieb: „Wolfsburg frisst die Bayern. Sie zerstören die Unbesiegten in einer magischen Nacht.“ Auf eine Wiederholung warten sie in der VW-Stadt seit nunmehr elf Jahren. Der Trainer zumindest weiß, wie es geht.