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Bundesliga-Erfolgstrainer offen wie selten! "Der Preis ist Lebenszeit"

Ilzer: „War mir nicht zu schade“

Hoffenheim-Coach Christian Ilzer schildert seinen besonderen Weg vom geplatzten Profitraum bis in die Bundesliga. Dabei spricht er offen über Zweifel, Rückschläge und darüber, wie ihn schwierige Phasen gestärkt haben.
Christian Ilzer spricht vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart über die Champions-League-Ambitionen der TSG Hoffenheim. Der Österreicher bemüht dabei Vergleiche, für die er im Anschluss als "Gott der Metaphern" bezeichnet wird.
Hoffenheim-Coach Christian Ilzer schildert seinen besonderen Weg vom geplatzten Profitraum bis in die Bundesliga. Dabei spricht er offen über Zweifel, Rückschläge und darüber, wie ihn schwierige Phasen gestärkt haben.

Christian Ilzer beschreibt seinen Weg als eine außergewöhnlich lange Entwicklung vom Dorfkind aus Puch bei Weiz bis zum Bundesligatrainer. Über seine Herkunft sagt er im SPORT1-Podcast Leadertalk: „Ich bin ein Dorfkind. Puch bei Weiz ist meine Heimat, da bin ich geboren. Wunderschöne, unbeschwerte Kindheit.“

Schon früh musste Ilzer seinen Traum vom Profifußball neu ausrichten. Nach seinem ersten Kreuzbandriss mit 16 Jahren begann er, eine Jugendmannschaft zu trainieren: „Das waren meine ersten Versuche als Trainer. Und es hat mir damals schon gefallen.“

Der Weg des Hoffenheim-Trainers nach oben verlief nicht geradlinig. Ilzer arbeitete sich über viele Jahre durch nahezu alle Spielklassen in Österreich. „Ich habe nahezu keine Spielklasse ausgelassen – bis in den Profifußball.“ Rückblickend sieht er gerade diese Zeit als entscheidend für seine Entwicklung: „Der Weg war lang. Über 20 Jahre hat es gedauert, bis ich in der österreichischen Bundesliga angekommen bin. Aber jeder Schritt war wertvoll.“

Ilzers Aufstieg in die Bundesliga

Schon als Kind hatte Ilzer große Bilder im Kopf. Obwohl seine Eltern sehr bodenständig waren, sagt er: „Mein Bild war immer größer als das Dorf.“ Besonders geprägt hat ihn Sturm Graz. Als Jugendlicher stand er bei Meisterfeiern auf dem Grazer Hauptplatz und träumte davon, selbst einmal Teil davon zu sein. Jahre später kehrte er als Trainer dorthin zurück.

Für ihn beginnt Entwicklung immer mit einem inneren Bild: „Der Traum ist das Erste, das dich inspiriert. Das Erste, das dich auf die Reise schickt und dich durchhalten lässt, wenn es schwierig wird.“

Dabei geht es für Ilzer nicht nur um Träume, sondern um Haltung und Disziplin. „Ich bin nicht mit Selbstvertrauen geboren worden“, sagt er offen. Dieses Selbstvertrauen sei erst durch gemeisterte Herausforderungen entstanden.

Noch wichtiger sei für ihn aber etwas anderes: „Viel wichtiger als Selbstvertrauen ist Selbstkontrolle.“ Entscheidend seien die kleinen, konsequenten Schritte: „Diese kleinen Schritte, die du regelmäßig und mit Konsequenz machst, bringen dich deinen Träumen näher.“

Was Hoffenheim-Trainer Ilzer antreibt

Sein geplatzter Traum vom Profifußballer wurde schließlich zum Ausgangspunkt seines Trainerwegs. „Aus dem Spielertraum ist Schritt für Schritt der Trainertraum entstanden.“

Entscheidend sei, die eigene Mission zu finden: „Lebenserfüllung kannst du nur erfahren, wenn du die Mission findest, die irgendwo tief in deinem Herzen geschrieben steht.“ Wer diese Mission finde, entwickle auch Orientierung: „Dann hast du auf deinem Weg so eine unsichtbare Leitschiene, der du vertrauen kannst.“

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Wie stark ihn Bilder und Visionen antreiben, zeigt seine Zeit bei Sturm Graz. Bei einem gemeinsamen „Gipfelsturm“ in die Berge mit der Mannschaft malte Ilzer ein Bild von Pokal, Meisterschale und Konfettiregen am Grazer Hauptplatz – zu einer Zeit, als Salzburg den österreichischen Fußball dominierte. „Ich wollte ein großes Bild zeichnen, um Menschen für etwas Außergewöhnliches zu begeistern.“ Wenig später wurde dieses Bild Realität.

Die Herausforderungen des Trainerjobs

Den Trainerjob beschreibt Ilzer als extrem vielseitig: „Du musst auf so vielen Ebenen funktionieren und wirst ständig gefordert.“ Besonders wichtig wurde für ihn die Kommunikation – mit der Mannschaft, dem Staff, aber auch mit sich selbst. „Wie spricht man zu einem Team? Wie spricht man zu sich selbst?“ Wachstum sei dabei ein zentraler Antrieb: „Zu wachsen gibt mir das Gefühl von Erfolg.“

Ein entscheidender Entwicklungsschritt war für ihn das Zuhören. Früher habe er versucht, sich vor allem über Fachwissen und viele Worte durchzusetzen. Heute sagt er: „Ich habe lernen müssen zuzuhören, weil das in der Führung eines der wichtigsten Tools ist.“ Nur so könne man Menschen wirklich verstehen: „Nur wenn du zuhörst, kannst du Motive verstehen.“ Diese Fähigkeit sei ihm nicht in die Wiege gelegt worden: „Das musste ich entwickeln.“

Menschenführung empfindet Ilzer nicht als Belastung, sondern als Kern seiner Aufgabe: „Meine Hauptaufgabe ist es, das Potenzial meiner Spieler bestmöglich zu entwickeln.“

Dafür brauche es nicht nur Gespräche, sondern auch Beobachtung und Gespür. „Du musst beobachten, wahrnehmen und ein Gefühl für den Verein entwickeln.“ Entscheidend sei dabei innere Ruhe: „Wenn du in dir drinnen keine Ruhe hast, kannst du nichts aufnehmen.“

Ilzer: „Du musst wissen, was dein Auftrag ist“

Die schwierigsten Phasen seiner Karriere waren für Ilzer oft die prägendsten. Über seine Zeit bei Austria Wien sagt er: „Rückblickend war dieses Jahr extrem wichtig für meine Entwicklung.“

Dort erlebte er die extremen Ausschläge des Profifußballs. „Vor drei Monaten wirst du unter Feuerwerk auf den Schultern getragen. Drei Monate später wirst du von Polizisten zu einem versteckten Bus eskortiert.“ Gerade daraus habe er gelernt, sich nicht von Erfolg oder Misserfolg definieren zu lassen: „Du musst wissen, was dein Auftrag ist.“

Auch seine erste Phase bei der TSG Hoffenheim war extrem. „Da gab es große Herausforderungen – intern wie extern.“ Die Situation sei schwierig gewesen, auch persönlich: „Es hat Momente gegeben, wo es nicht angenehm war für mich, wo auch einmal Zweifel da waren.“ Entscheidend sei aber gewesen, sich selbst wiederherzustellen: „In diesen Momenten war es wichtig, mich selbst wieder stark zu machen.“ Nur so könne man auch anderen wieder etwas geben.

Der Auftrag sei klar gewesen: „Die Liga halten und die Basis für das nächste Jahr schaffen. Da war ich mir nicht zu schade, unbequeme Entscheidungen zu treffen.“

Hoffenheim? „Das ist für mich fast wichtiger als die Punkte“

Den Spielstil seiner Mannschaft versteht Ilzer nicht als reine Trainerhandschrift. „Du kannst einem Verein nichts überstülpen.“ Deshalb spricht er lieber vom „TSG Fußball“ als von einem Ilzer-Stil.

Entscheidend sei, dass sich die Mannschaft darin wiederfindet: „Wenn ich von TSG-Fußball spreche, dann fühlt sich jeder Spieler abgeholt.“ Das sei für ihn wichtiger als jede Tabellenplatzierung: „Das ist für mich fast wichtiger als die Punkte.“

Inhaltlich steht dieser Fußball für Aktivität, Tempo und Investition. „Für mich braucht Fußball Aktivität.“ Nach Ballgewinn solle sofort der Weg nach vorne gesucht werden: „Rauf aufs Gaspedal.“ Und auch nach Ballverlust fordert Ilzer Aktivität: „Sofort wieder in die Balleroberung.“ Erfolgreicher Fußball brauche Hingabe: „Blut, Schweiß und Tränen gehören dazu.“

Ilzer: „Der Preis ist Lebenzeit“

Den Preis seines Weges benennt Ilzer ehrlich: „Der Preis ist Lebenszeit.“ Gemeint ist vor allem die Distanz zur Familie. „Du bist nicht jeden Tag bei deiner Familie.“

Gleichzeitig beschreibt er sein Zuhause als wichtigsten Kraftort: „Meine Familie ist ein Ort, an dem ich unabhängig von Erfolg oder Misserfolg immer gleich bin.“ Dort finde er Erdung und Stabilität: „Das ist ein Ort, der mich erdet und mir Kraft gibt.“

In der Führung seiner Spieler setze Ilzer auf „extreme Klarheit und Konsequenz“. Dabei gehe es nicht um unzählige Regeln: „Du brauchst keine 100.000 Regeln. Aber die Regeln, die es gibt, müssen eingefordert werden.“ Gleichzeitig müsse Führung Entwicklung ermöglichen.

Baumann und Co. tragen Hoffenheim

Besonders anschaulich beschreibt er seine Rolle mit dem Bild eines Kreises. Zu Beginn stehe der Trainer mitten im Kreis und führe stark. Später bewege er sich mehr in den Kreis hinein und schließlich zunehmend nach außen.

Genau dort sieht sich Ilzer aktuell: „Dieser Kreis ist inzwischen extrem gut selbstorganisiert.“ Die Mannschaft habe eine starke Eigendynamik entwickelt und werde von einer stabilen Führungsgruppe getragen. Zu diesem Kreis zählen für Ilzer unter anderem Oliver Baumann, Andrej Kramarić und Grischa Prömel. Über diese Gruppe sagt er: „Das ist kein Einzelwerk, das ist wirklich eine Gruppe, die miteinander auf einem Niveau agiert.“

Wichtig sei ihm dabei eine Kultur ohne Ausreden: „Wir haben keine Opferkultur.“ Stattdessen gebe es „Macher und Mentoren“. Die Mannschaft habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst zu organisieren. „Ich muss nur noch punktuell in den Kreis hineingehen“, so der Österreicher.