Das war Jonathan Tah wichtig: Im Tim Gabel Podcast hat der Star des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft schonungslos mit dem Großteil der Spielerberater im Fußball-Business abgerechnet.
FC Bayern: Jonathan Tah rechnet mit Beratern ab!
Tah rechnet mit Beratern ab
„Wenn die merken, die können mit dir Geld verdienen, dann kommen sie auf dich zu und wollen mit dir zusammenarbeiten“, erklärte der 30-Jährige, der selbst von Pini Zahavi beraten wird, und verwies darauf, dass das bereits in jungem Alter anfangen würde.
FC Bayern: Das wirft Jonathan Tah vielen Spielerberatern vor
Tah meinte, dass es viele Berater gäbe, bei denen nicht die Interessen des Klienten im Vordergrund stehen würden, sondern die der Agenten selbst. Daher appellierte er: „Verdiene so viel Geld wie du möchtest, aber sei einfach straight, ehrlich, korrekt und ein guter Mensch. Du brauchst nicht erzählen, dass du kein Geld verdienen möchtest.“
Der Bayern-Star berichtete, dass sehr viel in Unwissenheit der Spieler passiere, weshalb es ihm ein Anliegen war, ausführlich über die Missstände zu reden. „Es gibt so viel, was hinter dem Rücken der Spieler passiert, was der Spieler gar nicht mitbekommt. Man fragt nicht nach und will eigentlich damit auch nichts zu tun haben. Du verdienst am Ende als Spieler weniger Geld, weil der Berater einen Deal mit dem Verein macht und sich das Geld selbst in die Taschen steckt“, erklärte Tah.
Der Verteidiger betonte: „Ich finde es immer schlimm, wenn du unfair und nicht ehrlich gegenüber den Menschen bist, mit denen du arbeitest. Deswegen finde ich es schlimm und gut, dass man darüber redet.“ Er wisse auch, dass manche es sicherlich nicht gut finden würden, dass er darüber in einem Podcast rede, ergänzte Tah. Dennoch betonte er erneut die Wichtigkeit des Themas.
Tah: „Du sprichst mir aus der Seele“
Podcast-Host Tim Gabel vertrat die Meinung, dass Fußball-Profis von den Beratern wie Riesen-Babys erzogen würden, sie überhaupt keine Verantwortung übernehmen müssten und viele nicht wüssten, welche Verantwortung damit einhergehe, so viel Geld zu verdienen, und dies einige Berater ausnutzen würden. Tah stimmte ihm hier komplett zu.
„Du sprichst mir aus der Seele. Ich finde das so schlimm teilweise zu beobachten, weil das Riesen-Baby, was dann da steht, – und die Leute sind Ende 20 bzw. Anfang 30 – und du denkst dir nur: ‚Bro, hast du dich mal mit dir selbst auseinandergesetzt?‘ Es geht auch um Geld, aber nicht nur, sondern um dein gesamtes Leben“, sagte Tah. Er forderte aber zugleich auch, dass sich die Personen im Umfeld eines jeden Spielers hinterfragen sollten.
Davor warnt Tah im Umgang mit Beratern
Seiner Meinung nach seien die Berater und das persönliche Umfeld dafür da, dass jeder Spieler langfristig mit dem Trubel um seine Person selbst klarkommt, daran wächst und Verantwortung übernimmt – quasi wie bei der kindlichen Erziehung der Eltern.
Der Bayern-Star zog einen Vergleich: „Wenn du aufwächst, kommt irgendwann der Moment, an welchem du aus der Kinderrolle herauswächst und selbst Verantwortung übernimmst. Du lernst eine Frau kennen, du musst selbst irgendwann für die Familie sorgen. Wie willst du das machen, wenn dich deine Eltern immer kleinhalten und dir gar nicht die Möglichkeit geben, dich weiterzuentwickeln.“
Dementsprechend sei es ein großes Problem, dass es zu viele Ja-Sager unter den Beratern gebe. Tah ist der Meinung, dass man ein Bewusstsein dafür schaffen müsse, dass jeder Spieler – egal in welchem Alter – dies verstehe.
Bei „70 Prozent“ der Berater schrillen Tahs Alarmglocken
„Es ist nicht jeder (Berater) so, aber man muss darüber reden, weil es noch zu viele gibt, die genauso sind. Das kann man nicht akzeptieren, das geht nicht“, stellte Tah klar und verwies darauf: „Ich will nicht zu jedem (Spieler) als Besserwisser gehen. Deswegen versuche ich über solche Dinge zu reden und zu zeigen, was ich mache. Ich mag es nicht, ungefragt einen Rat zu geben.“
Gabel wollte daraufhin wissen, bei wie viel Prozent der Spielerberater, von denen er während seiner bisherigen Karriere mitbekommen habe, Tahs Alarmglocken läuten würden. Die offene Antwort: „70 Prozent.“
Tahs Begründung: „Es ist nicht jeder ein ganz ekeliger, der ganz bewusst jemanden anderen verarscht. Ich rede ganz bewusst von denjenigen, bei denen ich das Gefühl habe, das Umfeld sind nur Ja-Sager, die nicht wollen, dass der Spieler wächst und aus sich herauskommt.“
„Hör auf mit der Scheiße…“
Der Bayern-Star sprach dann auch noch über Betrüger unter den Beratern und meinte: „Beim Scam (Betrug, Anm. d. Red.) von Beratern würde ich locker 40, 50 Prozent schätzen. Es kann auch sein, dass ich falsch liege und alle korrekt sind, aber ich glaube nicht.“
Er selbst ist mit seinem Berater Pini Zahavi sowie dessen deutschen Vertreter Max Bielefeld sehr zufrieden. Tah erzählte abschließend: „Beim Fußball ist immer viel Emotionalität drin, und wenn es um sowas geht, muss man das auch mal weglassen. Wir reden über Business, also sitzen wir hier wie Business-Leute und nicht als Fußballer. Hör auf mit der Scheiße und lass uns wie Business-Leute sprechen. Das mag ich an Pini gerne.“