„Würde er beim FC Barcelona, Real Madrid oder einem anderen europäischen Topklub spielen, würde ganz Europa über den nächsten großen Star im Fußball reden.“
"Ein richtiger Zehner, wie man ihn von früher kennt"
Das ist Dortmunds neues Juwel
Wen der griechische Sportjournalist Notis Chalaris mit dieser Lobeshymne meint? Einen gewissen Konstantinos Karetsas, der künftig für Borussia Dortmund auflaufen wird. Der 18 Jahre alte Nationalspieler Griechenlands hat bis 2031 beim BVB unterschrieben – und inzwischen sein erstes Training in Dortmund absolviert. Es war ein zähes Ringen um die Dienste des Ausnahmetalents vom KRC Genk, das wochenlang andauerte.
Karetsas hat „Bock auf den BVB“
Schließlich einigten sich die Parteien laut Medienberichten auf 30 Millionen Euro Ablöse, bis zu drei Millionen Euro können in Boni wohl noch obendrauf kommen. Der Deal kam wohl auch zustande, weil der BVB gute Argumente in der Hinterhand hatte und dem Youngster einen klaren Plan aufzeigen konnte.
„Wir freuen uns, dass wir ihn für unseren Weg begeistern konnten, und haben in den Gesprächen vom ersten Moment an gemerkt, dass Kos Bock auf den BVB hat“, erklärte Dortmunds Geschäftsführer Sport Lars Ricken im Zuge der erfolgten Verpflichtung.
Die Argumente der Dortmunder heißen Ousmane Dembélé, Erling Haaland, Jude Bellingham oder Jadon Sancho. Allesamt Spieler, die einst mit ähnlichen Hoffnungen wie Karetsas zum BVB gewechselt waren und bei den Schwarz-Gelben zu Weltstars heranreiften, die nun bei Europas Elite-Klubs ihre Fähigkeiten demonstrieren. Zumindest drei der vier genannten.
„Borussia Dortmund ist ein besonderer Verein und ich bin unglaublich stolz, jetzt das schwarzgelbe Trikot tragen zu dürfen“, gab Karetsas bei seiner BVB-Vorstellung zu Protokoll. „Ich freue mich sehr darauf, meine Mitspieler kennenzulernen und bald in diesem beeindruckenden Stadion vor unseren Fans zu spielen.“
Taugt Karetsas als Brandt-Ersatz?
Der Grieche hatte bereits im vergangenen Jahr verraten, dass er gemeinsam mit seinem Vater seine Entwicklung „genau geplant“ habe. „Zuerst in Belgien durchstarten und dann entweder dieses oder nächstes Jahr zu einem anderen Team wechseln“, erklärte der Youngster im Interview mit The Athletic Ende 2025.
Seinen Heimatverein Genk, bei dem er im Alter von 16 Jahren sein Profidebüt gab, verließ er als teuerster Abgang der Klubhistorie. Die sportlichen Unterschiede zwischen KRC Genk und Borussia Dortmund liegen auf der Hand. Die geografische Distanz ist mit 177 Kilometern und nur zwei Autostunden Entfernung deutlich geringer. Das könnte ihm den Einstieg beim neuen Klub erleichtern.
Ob Karetsas sich fußballerisch schnell bei den Westfalen einfügen kann, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen, um das Loch, das der abgewanderte Julian Brandt in der Dortmunder Offensive hinterlässt, zu stopfen, dürfte er grundsätzlich haben. „Mit Kos gewinnen wir einen Spieler für Borussia Dortmund, der mit gerade einmal 18 Jahren schon enorme Fähigkeiten besitzt“, schwärmte Ricken.
„Er ist pure Kreativität“, umschrieb Sportdirektor Ole Book am Mittwoch Karetsas‘ Kernkompetenz.
Starke Quote in Griechenlands Nationalmannschaft
Trotz seines jungen Alters hat Karetsas bereits 65 Erstliga-Spiele (drei Tore, 14 Assists) sowie zehn Einsätze für die griechische A-Nationalmannschaft absolviert.
Im Jugendbereich durchlief der Sohn griechischstämmiger Eltern die belgischen U-Nationalteams, entschied sich dann jedoch für Griechenland. Weil er irgendwann erkannte, „dass ich mich mehr als Grieche fühle. Meine Entscheidung kam also von ganzem Herzen. Ich liebe Griechenland, ich reise jedes Jahr dorthin.“
Für Griechenlands A-Mannschaft sammelte Karetsas in zehn Einsätzen starke vier Torbeteiligungen (drei Tore, ein Assist) und lieferte so bereits einen Vorgeschmack seiner Qualitäten.
Das sind die Stärken des BVB-Juwels
Der technisch versierte, dribbelstarke und antrittsschnelle Stürmer, der in Genk zentral hinter der Spitze eingesetzt wurde, aber teils auch über Rechtsaußen kam, verfügt bereits im jungen Alter über ein hohes Maß an Spielverständnis.
Das meint auch Thorsten Fink, der Karetsas bis Ende 2025 in Genk trainierte und in seinem ehemaligen Schützling gewaltiges Potenzial sieht. „Karetsas hat die Qualitäten, um ein Topstar zu werden. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass er ein Publikumsliebling wird“, erklärte der aktuelle Coach des türkischen Erstligisten Samsunspor dem SID.
Fink sieht in Karetsas einen „technisch hervorragenden Spieler mit guten Dribblings, einem guten Schuss und einem guten letzten Pass. Er ist noch ein richtiger Zehner, wie man ihn von früher kennt“.
Auf physischer Ebene habe der 18-Jährige noch Nachholbedarf, ergänzte Fink: Karetsas müsse „körperlich noch ein wenig drauflegen, denn in Dortmund muss man auch fighten können“.
Diesen Fußball liebt der BVB-Neuzugang
Dabei will Karetsas natürlich nicht das verlieren, was ihn so stark macht und wofür er den Fußball so liebt. „Ich habe keine Angst davor, auf dem Platz etwas zu wagen. Wenn es dreimal nicht klappt und dann einmal deine Mannschaft ein Tor erzielt, wird sich niemand mehr an die drei Fehlversuche erinnern“, erklärte er.
Einer der Spieler, die es Karetsas angetan haben, wirbelt für die belgische Nationalelf und Manchester City: „Spieler wie Jeremy Doku bringen etwas in die Mannschaft ein, das ich liebe. Heutzutage gibt es viel roboterhaftes Spiel, das ich nicht ausstehen kann. Ich kann mir das nicht ansehen. Man muss kreativ sein. Das ist es, was schön anzusehen ist.“
Inwieweit der BVB-Neuzugang seine Kreativität auf dem Rasen ausleben darf, entscheidet in letzter Instanz natürlich Cheftrainer Niko Kovac. Als dieser noch vor dem Vollzug des Wechsels auf Karetsas‘ mögliche Rolle in Dortmund angesprochen wurde, ließ sich der Kroate aber nicht in die Karten schauen.
Sollte Kovac sein System nicht nochmal überdenken, dürfte der „richtige Zehner“ zunächst eher eine Option für die Seite sein. Im 3-4-2-1 der Dortmunder gab es zuletzt keinen klassischen Zehner. Wie, wo und ob Karetsas in Dortmund einschlägt, wird mit Spannung erwartet.