Die Fußballregelbehörde IFAB hat bei ihrer Jahreshauptversammlung eine Vielzahl neuer Regeln, die international gelten sollen, beschlossen. Die meisten Fußballfans werden damit schon vertraut sein, weil die Neuerungen bei der WM 2026 in Kraft traten.
Das sind die neuen Regeln in der Bundesliga
Das sind die neuen Regeln
Die neuen Regeln gelten nun auch für die Bundesliga und die 2. Bundesliga. Ein Aspekt ist die Bekämpfung des unsportlichen Zeitspiels. Des Weiteren wurde der Umgang mit dem VAR überarbeitet.
Schiri-Boss warnt vor Regeländerungen
DFB-Schiri-Boss Knut Kircher befürwortete im Gespräch mit SPORT1 die neuen Regeln, doch trat auch als Mahner auf, was die Komplexität für die Unparteiischen angeht: „Man muss aufpassen, dass diese ganzen Beiwerke, die man dem Schiedsrichter als zusätzliche Pflichten mitgibt, nicht überspannt.“
Er führte weiter aus: „Vor allem müssen wir daran denken, dass das nicht nur für die Profischiedsrichter gilt, sondern auch für die, die bis in die unteren Klassen und die Jugendklassen pfeifen. Die stehen allein auf dem Feld. Das muss man schon sehr vorsichtig machen.“
Gleichzeitig gab Kircher beim Thema „Hydration-Break“ Entwarnung: „Es gibt bei uns keine typische Hydration-Break, wie wir sie bei der WM gesehen haben. Es gibt im Sinne der Gesundheit aller Protagonisten und der Spieler in Absprache mit den Vereinen eine Trinkpause, wenn die gemessene Temperatur vor dem Spiel 32 Grad übersteigt. Wir werden die Trinkpause nicht dauerhaft haben wie bei der WM.“
Folgende Regeländerungen gibt es:
Zeitspiel soll verhindert werden
Wie bereits bei Abwürfen und Abschlägen werden Torhüter und Spieler bei Einwürfen und Abschlägen nur noch acht Sekunden Zeit haben, um den Ball ins Spiel zu bringen. Die letzten fünf Sekunden zählt der Schiedsrichter dann mit erhobener Hand herunter.
Bei nicht ausgeführtem Abstoß bekommt der Gegner einen Eckball zugesprochen. Bei zu spätem Einwurf wechselt ebenfalls der Ballbesitz und die andere Mannschaft wirft ein. Wann der Schiedsrichter anfängt zu zählen, liegt in seinem eigenen Ermessen.
Spieler, die eine verletzungsbedingte Spielunterbrechung verursachen und auf dem Spielfeld behandelt werden, müssen den Platz für eine Minute verlassen. Es gelten Ausnahmen, beispielsweise bei der Verletzung eines Torhüters.
Bei Auswechslungen haben Spieler ab sofort nur zehn Sekunden Zeit, das Spielfeld zu verlassen. Falls diese Zeit überschritten wird, muss der eingewechselte Spieler erst eine Minute warten, bis er dann bei der nächsten Spielunterbrechung den Rasen betreten darf. Das kann theoretisch auch mehrere Minuten dauern.
„Grundsätzlich tut dem Spiel so ein Countdown gut, um gegen gewisse Trends vorzugehen. Dem Fußball soll mehr Zeit gegeben werden, damit der Ball länger im Spiel ist“, erklärte Kircher.
VAR und Hand-vor-Mund-Regel
Die Regel feierte bei der WM ihre Premiere: Wenn ein Spieler die Hand vor den Mund hält und mit einem Gegner redet, liegt es im Ermessen des Schiedsrichters, ob es eine konfrontative Kommunikation zwischen den Spielern gegeben hat. Anders als bei der WM gibt es in der Bundesliga für dieses Vergehen nicht direkt Rot, sondern nur die Gelbe Karte.
Der VAR darf ab jetzt bei einer ungerechtfertigten Gelb-Roten-Karte eingreifen um sie zurückzunehmen. Der Videoassistent darf aber nicht eingreifen, um eine Gelb-Rote-Karte nachträglich noch zu vergeben. Er darf aber eine Entscheidung rückgängig machen, falls ein Spieler verwarnt wird, der das Foul gar nicht begangen hat.
Änderungen bei der Vorteilsauslegung
Auch bei der Vorteilsauslegung gibt es Anpassungen: Wenn beispielsweise nach einem taktischen Foul im Mittelfeld auf Vorteil entschieden wird und aus der Situation ein Tor entsteht, hat das nicht gepfiffene Foul in der Entstehung keine Gelbe Karte mehr zur Folge.
Es kann ebenfalls auf Vorteil entschieden werden, trotz unsauberer Spielfortsetzung. Dies gilt etwa, wenn der Ball beim Freistoß nicht ruht oder der Einwurf nicht an der korrekten Position ausgeführt wurde.
Der VAR darf sich in der Bundesliga nicht einschalten, um eine Fehlentscheidung bei einer Ecke zu revidieren, wie man es bei der vergangenen Weltmeisterschaft oft erlebt hat.
Grundsätzlich verriet Kircher, dass man sich in der Sommerpause mit den großen europäischen Verbänden bei der UEFA in Nyon zusammengesetzt und beim VAR darauf verständigt habe, „weg von dem Mikroskopischen, weg von dem Detektivischen“ zu wollen.
„Wir hatten letzte Saison eine Definition beim VAR-Eingriff: Klar und offensichtlich falsch. Jetzt hat man es noch mit dem Wort ‚sofort‘ ergänzt und ich glaube, dass macht es jetzt klar. Wenn beim Anblick einer Szene sofort klar ist, dass sie so nicht stehen bleiben kann, dann sollte das künftig der Maßstab für den VAR sein, da reinzugehen. Wir wollen dem Schiedsrichter auf dem Feld wieder das Zepter in die Hand geben und der VAR soll nur eingreifen, wenn die Szene ‚sofort, klar und offensichtlich‘ falsch ist“, erklärte der DFB-Boss abschließend.