Kaum war Patson Daka eingewechselt, riss er das Spiel an sich. Nach drei Minuten hatte der neue HSV-Stürmer die erste Chance, eine weitere Minute später traf er aus der Drehung zum 1:1.
Haalands vergessener Sturmkollege blüht beim HSV auf
Haalands alter Kollege blüht auf
Der 27-Jährige war am Samstag im Testspiel gegen den Premier-League-Verein FC Everton der auffälligste Mann. Die Zuschauer im Volksparkstadion riefen begeistert seinen Namen. „Dieses Gefühl lässt sich kaum beschreiben. Die Atmosphäre ist großartig, die Fans sind fantastisch“, freute er sich nach dem Spiel.
Daka brachte Salzburg mehr Ablöse als Haaland
Die Torjäger-Qualitäten von Daka blitzten bereits vor Jahren auf. Der in Sambia aufgewachsene Offensivspieler stürmte beim FC Red Bull Salzburg an der Seite von Erling Haaland und war ähnlich treffsicher wie der Norweger. In der Hinrunde 2019/2020 bildeten sie ein Sturm-Duo, ehe Haaland im Januar 2020 zu Borussia Dortmund wechselte.
Daka denkt gerne an seinen damaligen Sturm-Partner zurück. „Haaland ist ein unglaublicher Spieler und ein toller Mensch“, sagte er dem Hamburger Abendblatt.
Als Haaland verschwand, stand Daka umso mehr in der Verantwortung – und traf sogar noch häufiger: 24 Tore in der Saison 2019/2020, 27 Treffer in der Saison darauf.
2020/2021 wurde Daka Torschützenkönig der österreichischen Bundesliga und gewann mit Salzburg zum vierten Mal in Folge die österreichische Meisterschaft. Ähnlich wie bei Haaland war auch bei Daka klar, dass der Schritt in eine europäische Top-Liga folgen würde.
Im Sommer 2021 wechselte der Angreifer für eine Ablöse von rund 30 Millionen Euro zum Premier-League-Klub Leicester City. Um das ins Verhältnis zu setzen: Haaland hatte dem BVB eineinhalb Jahre zuvor „nur“ eine Ablöse von rund 20 Millionen Euro gekostet.
Drei Abstiege mit Leicester City
Doch während die Karriere von Haaland in Dortmund und später bei Manchester City steil bergauf ging, wurde Daka den Erwartungen in England nicht dauerhaft gerecht.
Zwar hatte er seine besonderen Momente – zum Beispiel traf er in der Europa League gegen Spartak Moskau vierfach –, dennoch konnte sich Daka nicht nachhaltig als Stammspieler etablieren. In 76 Premier-League-Spielen gelangen ihm 10 Tore.
Schlimmer noch: Mit Leicester City stieg er zweimal aus der Premier League ab. Der absolute Tiefpunkt folgte in diesem Jahr, als Leicester sogar in die 3. Liga abrutschte. Daka gelangen dabei in 41 Zweitliga-Spielen lediglich fünf Tore.
Daka lässt das Kapitel England hinter sich
Wie blickt er heute auf seine Zeit in England zurück? „Ich sehe das als eine Phase, die fast jeder Spieler einmal durchmacht“, erklärte Daka gegenüber SPORT1. „Aber ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich versuche, aus dieser Zeit zu lernen, denn ich kann sie nicht mehr ändern. Ich kann nur beeinflussen, was vor mir liegt. Darauf konzentriere ich mich jetzt.“
Da sein Vertrag bei Leicester Ende Juni auslief, musste er sich alleine fit halten, ehe er drei Wochen später vom HSV unter Vertrag genommen wurde. „Ich habe individuell trainiert und mit meinen eigenen Leuten gearbeitet“, sagte Daka über die Übergangsphase.
„Natürlich ist es etwas anderes, allein zu trainieren als mit einer Mannschaft. Trotzdem war es gut. Ich bin zum richtigen Zeitpunkt gekommen und nicht zu spät. Die Intensität im Training ist hoch und hat mir geholfen. Außerdem wurde meine Belastung hier Schritt für Schritt gesteuert.“
Bereits in seinem ersten Testspiel mit dem Hamburger SV war Daka der Mann des Spiels. Innerhalb von 20 Minuten Spielzeit bereitete er zwei Treffer gegen den 1. FC Heidenheim vor und traf schließlich selber zum Endstand von 3:1.
Sonderlob für HSV-Neuzugang
Nun knüpfte er gegen Everton an diese Leistung an. „Einen besseren Start hätte ich mir kaum wünschen können“, bilanzierte der 47-malige sambische Nationalspieler. „Die Verbindung innerhalb der Mannschaft wird immer besser.“
Der Trainer ist mit seinem Neuzugang zufrieden. „Er ist unfassbar professionell, fleißig und erfahren“, lobte Trainer Merlin Polzin. Die Hauptaufgabe besteht darin, dass Daka nach seiner kurzzeitigen Vereinslosigkeit einen idealen Fitnessstand erreicht. Polzin sieht ihn auf einem guten Weg: „Letzte Woche hat er rund 30 Minuten gespielt, jetzt waren es 45. Es spricht für ihn, dass er nach der Trainingswoche trotzdem so spielen konnte und Energie ausgestrahlt hat.“
Dass der HSV das Testspiel gegen Everton durch ein Eigentor von Jordan Torunarigha in der Nachspielzeit mit 1:2 verlor, war lediglich eine Randnotiz. Viel wichtiger ist aus Hamburger Sicht, dass der vergessene Sturm-Partner von Haaland nun augenscheinlich wieder richtig aufblüht.