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Frankfurt-Boss Hardung über Brown-Wechsel: "Kann den Wunsch nachvollziehen"

SGE-Boss spricht über Hütter-Effekt

Hinter Frankfurt liegt eine turbulente Saison. Im laufenden Transferfenster hat die Eintracht unter anderem den Abgang von Nathaniel Brown zum FC Bayern zu verkraften. Sportdirektor Timmo Hardung nimmt im SPORT1-Interview dazu Stellung und äußert sich zu den Erwartungen an Trainer-Rückkehrer Adi Hütter.
Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Frankfurts Sportdirektor Timmo Hardung über den Nachfolger für Nathaniel Brown und die weitere Transferplanung der Eintracht in diesem Sommer.
Hinter Frankfurt liegt eine turbulente Saison. Im laufenden Transferfenster hat die Eintracht unter anderem den Abgang von Nathaniel Brown zum FC Bayern zu verkraften. Sportdirektor Timmo Hardung nimmt im SPORT1-Interview dazu Stellung und äußert sich zu den Erwartungen an Trainer-Rückkehrer Adi Hütter.

Timmo Hardung und Eintracht Frankfurt haben eine chaotische Saison erlebt und die SGE wird in der kommenden Spielzeit erstmals seit 2020 nicht in einem europäischen Wettbewerb vertreten sein.

Im SPORT1-Interview lässt der 36-Jährige die vergangene Saison Revue passieren, blickt aber ebenso auf die anstehende Spielzeit mit Trainer-Rückkehrer Adi Hütter. Zudem spricht Hardung über den Wechsel von Nathaniel Brown zum FC Bayern und gibt einen Ausblick, was sich im Kader der Eintracht bis Ende August noch verändern könnte.

SPORT1: Herr Hardung, Eintracht Frankfurt hat in der vergangenen Saison das internationale Geschäft verpasst. Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie in die neue Spielzeit?

Timmo Hardung: Es geht nicht um die Erwartungshaltung. Die wird von außen formuliert. Wir wissen, dass wir ein ambitionierter Klub mit einem ambitionierten Umfeld sind, und das gehört dazu. Dem wollen und können wir uns auch gar nicht entziehen. Entscheidend ist für uns der eigene Anspruch. Unser Ziel ist es, besser abzuschneiden als in der vergangenen Saison. Wenn wir uns um mindestens zwei Plätze verbessern, würden wir uns für den Europapokal qualifizieren.

Eintracht-Boss will die richtigen Schlüsse ziehen

SPORT1: Hinter dem Verein liegt eine chaotische Saison, in der einmal der Trainer gewechselt wurde. Vor allem der zwischenzeitliche Coach Albert Riera bestimmte fast wöchentlich die Schlagzeilen. Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Hardung: Es ist wichtig, aus so einer turbulenten Saison die richtigen Schlüsse zu ziehen. Mannschaft, Trainerteam, Staff und alle Mitarbeiter müssen als Einheit auftreten und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das hat uns in den Jahren zuvor stark gemacht, ist uns in der vergangenen Saison jedoch nicht gut gelungen. Entscheidend ist, dass wir uns nicht von äußeren Einflüssen aus der Spur bringen lassen. Das ist in der vergangenen Saison aus unterschiedlichen Gründen nicht immer geglückt. Solche Themen kosten Energie und wirken sich auf die Leistungsfähigkeit aus. Am Ende leiden darunter auch die Saisonziele.

SPORT1: Sie haben sich dann nach der Saison von Riera wieder getrennt und mit Adi Hütter einen alten Bekannten zurückgeholt. Was erwarten Sie vom neuen Trainerteam?

Hardung: Wir haben jetzt mit Adi Hütter und seinem Trainerteam einen neuen Ansatz, eine andere Spielphilosophie. Er will eine andere Art von Fußball implementieren, die zu Eintracht Frankfurt und zur Mannschaft passt. Die Art und Weise, wie er arbeitet, tut der Mannschaft gut. Dafür hat er mit Christian Peintinger, Klaus Schmidt und Alex Meier auch kompetente Co-Trainer an seiner Seite.

Brown-Abgang? „Hätten Nene gerne gehalten“

SPORT1: Wie weit ist Ihre Kaderplanung?

Hardung: Wir sind nicht nur in der Vorbereitung, sondern eben auch im Transferfenster, in dem es noch Bewegung geben wird. Ich glaube, dass wir schon noch in einem Prozess sind. Wir sind auch täglich mit Adi im Austausch. Wir prüfen verschiedene Optionen, was mögliche Abgänge und Zugänge betrifft. Ich gehe davon aus, dass sich der Kader bis zum ersten Pflichtspiel noch verändern wird. Aber selbst nach dem ersten Bundesligaspiel ist das Transferfenster noch offen, sodass der finale Kader erst Anfang September stehen wird.

SPORT1: Unter anderem hat Nathaniel Brown den Verein verlassen und ist zum FC Bayern gewechselt. Wie schmerzhaft ist der Abgang?

Hardung: Nene hat sich hervorragend entwickelt. Auch wenn sein Abgang in sportlicher Hinsicht schade ist, so können wir froh sein, dass ein Spieler mit dieser Qualität in Deutschland bleibt. Es ist erfrischend, dass auch Topspieler sich ganz bewusst für die Bundesliga entscheiden. Nene hat die Möglichkeit, sich weiterhin auf dem höchsten Niveau zu messen und in die absolute Weltspitze vorzudringen. Wir hätten Nene natürlich gerne gehalten. Gleichzeitig spielen wir in Frankfurt nicht regelmäßig in der Champions League. Wenn ein Spieler den nächsten Schritt gehen und sich dauerhaft auf höchstem Niveau messen möchte, kann ich diesen Wunsch nachvollziehen.“

Eintracht-Boss nimmt nicht nur Klopp in die Pflicht

SPORT1: Brown hat in den vergangenen zwei Jahren bei Eintracht Frankfurt eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Was hat die Zusammenarbeit Ihrer Meinung nach ausgemacht?

Hardung: Viele Klubs haben Angst, ihre größten Talente zu verlieren, wenn sie ihnen nicht jeden Wunsch erfüllen. Ich halte das für den falschen Weg. Talent verpflichtet. Der talentierteste Spieler muss am härtesten arbeiten. Er muss sich auch die unangenehmsten Wahrheiten anhören – was ihm noch fehlt und was er verbessern muss. Genau dort muss man den Finger in die Wunde legen. Wenn ich als Spieler – gemeinsam mit meinem Umfeld – bereit bin, diesen Weg zu gehen, kann ich mich bestmöglich entwickeln und die Weltspitze erreichen. Bekomme ich dagegen nur zu hören, wie gut ich bin, bleibt mein Potenzial ungenutzt.

SPORT1: Läuft das im Ausland anders?

Hardung: Dort wird womöglich weniger getätschelt und nicht in Watte gepackt. Es herrscht eine ausgeprägte Leistungskultur. Die muss nicht in permanenten Druck ausarten. Aber ein gewisser Leistungsdruck kann gerade starke Persönlichkeiten auch dabei unterstützen, sich weiterzuentwickeln.

SPORT1: Mit Brown war ein (Ex-)Frankfurter im deutschen WM-Kader, aber auch er konnte das WM-Debakel nicht verhindern. Im Anschluss trat Julian Nagelsmann zurück und Jürgen Klopp ist ab sofort neuer Bundestrainer. Befürworten Sie diese Entscheidung des DFB?

Hardung: Wir haben einen neuen Bundestrainer, der schon gezeigt hat, dass er viel Elan und Leidenschaft mitbringt. Ich wünsche ihm alles Gute, einen erfolgreichen Start und auch bessere Ergebnisse. Wenn es einer kann, dann Jürgen Klopp. Er bringt das Charisma und den Charakter mit. Auch wenn er es nicht allein schaffen kann und wird, da gehören viele Personen dazu. Die nächste WM wird kommen – und bis dahin müssen wir im deutschen Fußball wieder eine echte Leistungskultur etablieren. Da ist Jürgen Klopp mit seinem Trainerteam in der Nationalmannschaft natürlich an der Speerspitze. Aber das gilt auch für die Jugendnationalmannschaften und die Nachwuchsleistungszentren. Wir müssen alle mithelfen, dass weiterhin gute und hungrige Spieler der deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung stehen.