Bis in die frühen Dienstagmorgenstunden verhandelte die sportliche Führung des BVB. Und der Einsatz zahlte sich aus: Es gelang der Durchbruch und die Einigung über eine Leihe von Ethan Nwaneri vom FC Arsenal – ein notwendiger Schritt, nachdem sich Giannis Konstantelias einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.
Niko Kovac schickt Ole Book in den BVB-Urlaub
Kovac schickt Book in den Urlaub
Gerade diese kurzfristige Reaktion und die Art der Zusammenarbeit zeigen, wie sehr sich die Abläufe beim BVB verändert haben.
Kovac „sehr zufrieden“ mit Sommertransfers und Ole Book
„Wir sind mit dem Transferfenster sehr zufrieden“, lobte BVB-Trainer Niko Kovac und machte der Scouting-Abteilung sowie Sportdirektor Ole Book und Sport-Geschäftsführer Lars Ricken ein Kompliment. Gerade für Book, der erst seit Ende März im Amt ist, war es das erste Transferfenster für den BVB.
„Das war eine richtig gute Zusammenarbeit“, schwärmte Kovac vom Fleiß und Arbeitseifer des 40-Jährigen: „24/7 – ich weiß gar nicht, ob er einen Tag Urlaub gemacht hat. Den sollte er sich jetzt in den nächsten paar Tagen oder vielleicht auch Wochen nehmen. Denn das war sicherlich schon verdammt viel Arbeit für ihn“, erklärte Kovac auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bei der TSG Hoffenheim.
Große Investitionen in die Zukunft
108,5 Millionen Euro hat der BVB in dieser Transferperiode für neue Spieler ausgegeben – Bundesliga-Rang zwei hinter Bayer Leverkusen (159 Millionen Euro). Weil Leverkusen allerdings deutlich mehr durch Spielerverkäufe einnahm, liegt Dortmund mit einem Transfersaldo von 70 Millionen Euro Minus in dieser Kategorie an der Spitze.
Doch hinter diesen Zahlen steckt vor allem eine Investition in die Zukunft – davon sind viele überzeugt. Spieler wie Giannis Karetsas (18 Jahre), Konstantelias (23), Joane Gadou (18), Kaua Prates (18) und Justin Lerma (18) dürften bei entsprechender Entwicklung ihre Marktwerte weiter steigern. Gleichzeitig wurde der Kader mit Taktgeber Joey Veerman verstärkt, der mit 27 Jahren der älteste Neuzugang des BVB ist. Dortmund ist wieder bereit, in junge Talente zu investieren.
Schnelligkeit als neue Qualität
Bei all dem Lob für Book gehört zur ganzen Wahrheit allerdings auch: Mit Nwaneri beschäftigten sich die Dortmunder bereits vor Books Amtsantritt. Nur deshalb konnte der Transfer letztlich so schnell über die Bühne gebracht und alle Beteiligten zügig überzeugt werden. Denn der Spieler ist seit letztem Sommer bestens bekannt.
Dennoch ist die Geschwindigkeit ein Beleg für die neue Handlungsschnelligkeit des BVB. Das beste Beispiel dafür ist der Nicht-Transfer von Wunschspieler Said El Mala. Dortmund wollte bei den vom 1. FC Köln aufgerufenen Konditionen von mehr als 50 Millionen Euro nicht mitspielen – auch das eine bemerkenswerte Qualität. Stattdessen präsentierte der BVB nur wenige Stunden später mit Konstantelias direkt eine vielversprechende und deutlich günstigere Alternative (26 Millionen Euro).
Der BVB denkt inzwischen in verschiedene Richtungen und prüft mehrere Optionen. Es ist unübersehbar: Book bringt neuen Schwung in die Dortmunder Transferpolitik.
Neue Märkte, neue Harmonie
Bemerkenswerter als die Transfers an sich ist allerdings das Vorgehen dahinter. Der BVB schaut längst nicht mehr ausschließlich auf die Reservebänke oder zweiten Mannschaften der Premier-League-Klubs, sondern nimmt auch andere Märkte ins Visier.
Noch wichtiger ist jedoch die große Harmonie innerhalb der sportlichen Führung. Unter Books Vorgänger Sebastian Kehl waren die Fronten häufig verhärtet. Andere Meinungen wurden nicht immer akzeptiert oder überhaupt diskutiert. Das führte teilweise zu Stillstand.
Book hingegen genießt einen großen Vertrauensvorschuss. Von Beginn an wurde ihm die Möglichkeit gegeben, Dinge zu gestalten und eigene Ideen einzubringen. Diese Freiheit zahlt sich nun aus. Alle Beteiligten ziehen an einem Strang. Bei Transfers werden zudem keine Mehrheitsentscheidungen mehr getroffen. Stattdessen müssen alle Verantwortlichen zu 100 Prozent von einem Spieler und einem Transfer überzeugt sein.
BVB will Spektakel zurückbringen
Das Ziel von Book war von Anfang an klar: Spieler finden, die die Qualität des Kaders erhöhen und mit denen der BVB wieder offensiveren, begeisterungsfähigen Fußball zeigen kann. Genau das, wonach die schwarz-gelben Anhänger lechzen.
Denn nach den Abgängen von Marco Reus, Jadon Sancho und Co. war davon zuletzt immer weniger zu sehen. Die sportliche Führung hat diese Entwicklung erkannt und versucht nun, mit vielversprechenden Transferentscheidungen gegenzusteuern.
Die ersten Ergebnisse dieser neuen Herangehensweise sind sichtbar. Der BVB reagiert schneller, denkt breiter und arbeitet geschlossener zusammen. Für Ole Book heißt es nun allerdings erst einmal: Urlaub. Denn den hat er sich nach Kovacs Ansicht redlich verdient.