Es war eine der spannendsten Aufsichtsratssitzungen des FC Bayern seit Jahren. Als sich Ende August die Mitglieder des mächtigen Gremiums trafen, ging es vor allem um die Zukunft von Max Eberl. Nach monatelangen Diskussionen gaben die Hüter des Vereins schließlich grünes Licht für eine Vertragsverlängerung des Sportvorstands bis 2029.
Rummenigge verweigerte Eberl seine Stimme
Rummenigge verweigerte Eberl seine Stimme
Doch so reibungslos, wie der Vorgang im Nachgang wirkte und dargestellt wurde, lief es nicht. SPORT1-Informationen zufolge wurde Eberl nicht einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Der einflussreiche Ex-CEO Karl-Heinz Rummenigge scherte aus und enthielt sich seiner Stimme.
Hoeneß sprach sich für Eberl-Verlängerung beim FC Bayern aus
Es ist eines von zahlreichen Details, die den Fall Eberl so spannend machen – und zugleich ein Schlaglicht auf die Machtverhältnisse beim FC Bayern werfen.
Am Montag hatte Ehrenpräsident Uli Hoeneß auf Nachfrage von SPORT1 eingeräumt, dass er intern „Ärger“ bekommen habe, weil er Ende Juli zu weit nach vorne geprescht war. Während des Trainingslagers am Tegernsee hatte der Klub-Patron die Wahrscheinlichkeit einer Vertragsverlängerung Eberls öffentlich mit „im Moment, glaube ich, 100 Prozent“ beziffert.
Die lauteste Kritik an diesem Vorgehen musste sich Hoeneß dem Vernehmen nach von Rummenigge anhören. Denn mit seinem Auftritt am Tegernsee hatte Hoeneß der finalen Entscheidung des Aufsichtsrats ohne Absprache vorgegriffen. Obendrein hatten er und Aufsichtsratsboss Herbert Hainer bereits im Präsidialausschuss des FC Bayern dafür gesorgt, dass Eberl nichts mehr zu befürchten hatte.
Rummenigge ist nicht überzeugt
Rummenigges Enthaltung war deshalb weit mehr als eine Formalie. Hinter den Kulissen wird sie als doppelte Botschaft verstanden.
Zum einen blickt der frühere Vorstandschef weiterhin kritisch auf Eberls Arbeit und beobachtet den Sportvorstand genau. Zum anderen machte Rummenigge deutlich, dass er nicht bereit ist, jede Entscheidung, die Hoeneß und Hainer vorbereiten, ohne Weiteres mitzutragen. Jetzt sendete er ein starkes Signal.
Damit passt sein Verhalten in eine grundsätzlichere Debatte beim FC Bayern. Dass der Aufsichtsrat derzeit wieder häufiger Einfluss auf operative Fragen nimmt, gefällt längst nicht allen im Verein. Einflussreiche Stimmen wünschen sich einen starken Vorstand, der eigenständig entscheidet – und nicht permanent von oben angeleitet wird.