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So wird Olise keine Bayern-Legende

So wird Olise keine Bayern-Legende

Michael Olise ist einer der besten Fußballer der Welt. Doch wer beim FC Bayern einmal in einer Reihe mit großen Legenden stehen will, muss mehr hinterlassen als Tore, Vorlagen und spektakuläre Dribblings. Der SPORT1-Kommentar.
Nach dem Champions-League-Auftakt der Münchner gegen den norwegischen Klub FK Bodö/Glimt geht ein Interview mit Michael Olise viral.Jetzt äußern sich auch Vincent Kompany und Max Eberl zu dem Auftritt des Franzosen.
Michael Olise ist einer der besten Fußballer der Welt. Doch wer beim FC Bayern einmal in einer Reihe mit großen Legenden stehen will, muss mehr hinterlassen als Tore, Vorlagen und spektakuläre Dribblings. Der SPORT1-Kommentar.

Über Michael Olises fußballerische Qualitäten muss nicht diskutiert werden. Der Franzose ist längst Weltklassespieler. Einer, wegen dem Menschen ins Stadion gehen. Einer, der Spiele entscheidet. Beim 5:0 gegen Bodö/Glimt lieferte Olise zwei Tore und eine Vorlage, wurde zum Man of the Match gewählt – und sorgte anschließend mit einem Interview-Auftritt für reichlich Gesprächsstoff.

„Ich weiß es nicht“, antwortete er bei DAZN auf die Frage, wie sich seine außergewöhnlichen Tore für ihn anfühlen. Dann: „Ich schieße. Und dann geht der Ball rein oder halt nicht.“ Als der Reporter wissen wollte, was ihn eigentlich glücklich mache, kam nur noch ein knappes „Yeah“.

FC Bayern: Die Wahrnehmung bei Olise kippt

Man kann das lustig finden. Lange fanden es viele sogar ziemlich cool. Olise als „Mr. Nonchalant“, der geniale Fußballer, der auf das ganze Drumherum keine Lust hat. Nur: Das kann sich abnutzen.

Inzwischen kippt die Wahrnehmung zumindest bei einem Teil der Öffentlichkeit. Schon bei einem Sponsoren-Termin der Bayern hatte Olises teilnahmslos wirkender Auftritt für Irritationen gesorgt. Auch bei einem Fan-Event zeigte er wenig Lust. Das aktuelle Interview wird deshalb nicht mehr nur als schrullig und sympathisch gefeiert, sondern teilweise auch als desinteressiert oder respektlos wahrgenommen.

Olise muss kein Entertainer werden. Niemand verlangt von ihm rhetorische Feuerwerke nach jedem Spiel. Er darf introvertiert sein, Kameras hassen und Interviews für eine lästige Pflicht halten.

Was Olise von Ribéry und Robben trennt

Aber zur Wahrheit gehört auch: Wer sich dem Publikum dauerhaft entzieht, baut weniger Bindung auf. Und genau deshalb wird Olise auf diesem Weg womöglich nie die Bedeutung erreichen, die Arjen Robben und Franck Ribéry beim FC Bayern bis heute haben.

Nicht zwingend sportlich. Vielleicht wird Olise irgendwann sogar bessere Zahlen vorweisen, den Ballon d’Or gewinnen oder Bayern zu einem Champions-League-Titel schießen. Seine Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Aber Vereinslegenden entstehen nicht allein auf dem Statistikbogen.

Robben und Ribéry waren und sind Gesichter des FC Bayern. Die Fans kannten ihre Macken, ihre Wut, ihren Humor und ihre Freude. Sie erlebten Konflikte und Triumphe, durften über Jahre an ihrer Geschichte teilhaben. Deshalb erinnern sich die Anhänger nicht nur an Robbens Tor in Wembley oder Ribérys Dribblings. Sie erinnern sich an Menschen. Von Michael Olise kennen sie bislang vor allem den Fußballer.

Das fehlt Michael Olise zur Bayern-Vereinslegende

Das ist in Ordnung. Vielleicht will er genau das. Olise wirkt nicht wie jemand, der davon träumt, einmal als volkstümliche Bayern-Ikone durch München zu laufen. Man muss einen Menschen nicht verbiegen, damit er besser ins Marketingbild eines Fußballklubs passt. Über die Konsequenz sollte man sich allerdings im Klaren sein.

Der Franzose kann beim FC Bayern einer der besten Spieler seiner Generation werden. Hält er die Tür zu seiner Persönlichkeit aber konsequent geschlossen, wird ein Teil jener emotionalen Verbindung fehlen, aus der die ganz großen Vereins-Ikonen entstehen.

So wird Olise vielleicht ein außergewöhnlicher Bayern-Spieler. So wird er aber keine Bayern-Legende.