Als der Abpfiff ertönte, war die Erleichterung groß. HSV-Trainer Merlin Polzin und sein Assistent Loic Favé fielen sich nach dem 2:1 gegen den 1. FC Köln in die Arme.
Vom alten Hamburger SV will man nichts mehr wissen
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Der Druck nahm zu. Nach drei Spielen, null Punkten und einem Torverhältnis von 0:12 war die Unzufriedenheit im Umfeld groß. Polzin konnte dies nur teilweise nachvollziehen.
„Wenn zu Recht sachliche Kritik aufkommt, setzt du dich damit natürlich auseinander“, stellte er nach dem Heimsieg klar. „Aber es waren auch sehr viele Stimmen da, die uns irritiert haben, weil wir in fast zwei Jahren mit dem Aufstieg und dem Klassenerhalt etwas auf den Weg gebracht haben, was deutlich stabiler ist als drei Niederlagen gegen zwei Champions-League-Teilnehmer beispielsweise.“
Der HSV steht zusammen
Die Vereinsführung rund um Sportvorständin Kathleen Krüger stärkte Polzin in dieser schwierigen Phase den Rücken. Einen Tag vor dem Spiel gegen Köln wurden die Verträge mit dem kompletten Trainerteam vorzeitig verlängert. Polzin fühlte sich dadurch bestätigt. „Es war sehr, sehr interessant zu beobachten, wer auch in diesen Momenten zu uns steht, wer in diesen Momenten auch den Prozess bewertet und nicht nur die Ergebnisse.“
Ihm sei zwar bewusst, dass die Resultate letztendlich entscheidend seien. „Aber gerade zu Saisonbeginn mit vielen Transfers, die wir relativ spät getätigt haben und die noch ineinandergreifen müssen, war das sehr interessant zu beobachten“, sagte er in Anspielung auf die Kritik. „Was mir aber ein brutal positives Gefühl und eine Zuversicht gibt, ist, wie wir hier im Verein zusammenstehen.“
Dies war bei dem einstigen „Bundesliga-Dino“ nicht immer der Fall. Lange stand der Verein für viele Trainerwechsel, Unruhen im Vorstand und für Fans, die schnell auf die Barrikaden gehen. All das soll Vergangenheit sein, wie Polzin klarstellte: „Wir sind genau dieser HSV nicht mehr, wo alles kurz- und kleingeredet wird. Wir wollen hier zusammenstehen, in guten und in schlechten Zeiten.“
Polzin gut genug für die Bundesliga? „Er ist es“
Stürmer Yussuf Poulsen machte schmunzelnd einen kleinen Seitenhieb in Richtung Medien. „Es ist egal, wie sehr ihr versucht, Unruhe reinzubringen“, sagte er in der Mixed Zone zu den Journalisten. „Dass der Verein den Vertrag mit dem Trainerteam verlängert hat, zeigt Vertrauen. Wir Spieler haben auch Vertrauen in den Trainer und das ganze Trainerteam. Ist Merlin gut genug für die Bundesliga? Das hat er letztes Jahr gezeigt: Er ist es. Und das ist dieses Jahr nicht anders.“
Der Rückhalt für das Trainerteam scheint insgesamt in der Mannschaft groß zu sein. „Der Sieg war für die (Trainer, Anm. d. Red.), denn in den ersten drei Spielen haben wir es verkackt. Der Plan (den die Trainer vorgegeben hatten, Anm. d. Red.) war gut“, stellte Kapitän Nicolai Remberg klar. Vor dem Spiel habe er zu Polzin gesagt: „Das machen wir auch für euch.“ Mannschaft und Trainer seien in der schwierigen Phase zusammengewachsen. Daher sei die Vertragsverlängerung genau das richtige Zeichen gewesen.
„Wenn du dreimal verlierst – zweimal davon mit 0:5, gegen Mainz zu Hause nicht einmal eine Chance hast – ist es klar, dass Stimmen lauter werden, wenn das Trainerteam verlängert. Aber der Staff macht eine hervorragende Arbeit“, erklärte Remberg. Auch nach den hohen Niederlagen habe niemand gezweifelt: „Es ist einfach so, dass es nicht eine kritische Stimme in der Mannschaft gab, die sagte, dass wir falsch eingestellt waren oder dass der Plan falsch gewesen ist.“
Trotz Pfiffen blieb der Rückhalt
Als der HSV vor zwei Wochen im heimischen Volksparkstadion mit 0:5 gegen Mainz verlor, gab es zwar viele Pfiffe. Doch die Stimmung schlug nicht völlig um. Der Rückhalt blieb erhalten.
„Wir wurden natürlich nicht gefeiert. Aber die Fans wollten uns zeigen, dass man zusammensteht“, erklärte Torwart Daniel Heuer Fernandes. „So geht man gut durch die Saison. Das macht vieles einfacher. Wir reden nicht nur über Zusammenhalt, sondern leben das auch.“