Es gibt Szenen, die einiges aussagen: Als Luis Díaz in der 67. Minute beim Spiel der Bayern in Elversberg beinahe allein vor dem Keeper der Hausherren auftauchte, riss Josip Stanisic bereits die Arme nach oben. Jubelte er schon? War es eine Geste der Verzweiflung? Man weiß es nicht.
Verwunderung über Díaz
Verwunderung über Díaz
Als sein kolumbianischer Kollege dann aber den freistehenden Harry Kane übersah, es per Hacke selbst versuchte und vergab, brach es aus Stanisic heraus. Er schrie wütend Richtung Außenlinie und machte mit seiner Gestik unmissverständlich klar, was er von der Aktion hielt. Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt stand es gerade einmal 1:1.
Nun lässt sich darüber streiten, ob ein Profi sich derart öffentlich über einen Mitspieler ärgern sollte. Die Botschaft der Szene aber ist eindeutig: Auch innerhalb der Mannschaft ist Díaz‘ Formtief inzwischen ein Thema.
Bereits gegen Bodö/Glimt hatte der 29-Jährige beste Chancen vergeben. Gegen den VfB Stuttgart traf er zwar, benötigte dafür aber ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Was ist also los mit einem der Leistungsträger der vergangenen Saison?
Díaz ist mittlerweile auch im Verein Thema
„Es geht nur um den Abschluss. Seine Energie führt immer wieder zu Gefahr. Man muss diese Chancen auch erst bekommen und das macht er immer wieder mit seinen tiefen Läufen und mit seiner Aktivität“, erklärte Vincent Kompany nach der Partie. Der Bayern-Trainer empfahl seinem Schützling, ruhig zu bleiben und weiter Vertrauen zu haben.
Fakt ist allerdings: Während die Verwunderung über Díaz zuletzt noch als Thema von außen weggewischt wurde, ist sie inzwischen mitten im Verein angekommen. Schon nach der Partie in Gelsenkirchen hatte es SPORT1-Informationen zufolge in höchsten Führungskreisen ein gewisses Maß an Unmut gegeben. Der richtete sich allerdings nicht ausschließlich gegen den Kolumbianer.
Kompany reagierte dennoch. Wochenlang hatte er Díaz in jedem Pflichtspiel in die Startelf gestellt – eine Sonderstellung, die nicht einmal Michael Olise oder Harry Kane genossen. In Elversberg änderte der Trainer seinen Plan: Díaz saß zunächst auf der Bank und sollte später offenbar als Gamechanger für neue Energie sorgen. Doch auch diese Kompany-Maßnahme fruchtete nicht.
„Lucho hat momentan nicht das Momentum. Er überlegt wahrscheinlich auch: Nehme ich ihn jetzt direkt oder nehme ich ihn noch einmal an?“, erklärte Sportvorstand Max Eberl nach dem Spiel. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass auch andere Bayern-Profis Chancen liegen ließen. Der Unterschied: Sie trafen später dann doch noch.
Bei Díaz scheint sich dagegen etwas festgesetzt zu haben. Die Läufe stimmen, die Intensität ebenfalls. Doch sobald es in die entscheidenden Situationen geht, fehlt jene Selbstverständlichkeit, die ihn in der vergangenen Saison ausgezeichnet hatte.
Kann Díaz jetzt nur eine Pause helfen?
Zusätzliche Sorgen könnte den Bayern die enorme körperliche Belastung bereiten. Mit der kolumbianischen Nationalmannschaft geht es in der anstehenden Länderspielpause für – Stand jetzt – zwei Partien in die USA. Im November wartet Australien als Gegner. Zeitverschiebung, Langstreckenflüge und weitere Spiele dürften bei der Suche nach Frische kaum helfen.
Gut möglich also, dass Díaz demnächst eine längere Pause verordnet bekommt. Dass so etwas helfen kann, haben die Bayern schon erlebt.
Bereits im Dezember 2025 war Díaz „mal ein paar Tage weg“, wie Kompany es damals ausdrückte. Eine Rotsperre in der Champions League und die fünfte Gelbe Karte in der Bundesliga hatten dafür die perfekte Gelegenheit geboten.
Und siehe da: Nach der Winterpause gehörte Díaz regelmäßig zu Bayerns Besten.