Auch im zweiten Anlauf klappt es nicht. Am Donnerstagabend (ab 21 Uhr im SPORT1-Liveticker) tritt Racing Straßburg, der aktuelle Klub von Aaron Anselmino, im Conference-League-Viertelfinale bei Mainz 05 an. Doch der Argentinier fehlt nach einem Verletzungsrückschlag im Kader des französischen Teams – wie bereits bei seinem letzten möglichen Gastspiel bei den Rheinhessen.
Kovac lässt Raum für Spekulationen
Vor etwas mehr als einem halben Jahr fiel der damalige BVB-Verteidiger mit Oberschenkelproblemen in Mainz aus – eine Problematik, die ihn bis heute begleitet und ihm das Fußballerleben erschwert. Dennoch beobachtet der BVB die Entwicklung des einstigen Lieblings genau.
Anselmino hinkt den Erwartungen hinterher
Beim Tabellenachten der französischen Ligue 1 kam er in bislang möglichen zwölf Spielen erst dreimal zum Einsatz. Insgesamt stehen lediglich 15 Spielminuten zu Buche – eine magere Bilanz für den hochveranlagten Innenverteidiger. Das hängt vor allem mit seinen immer wiederkehrenden Oberschenkelproblemen zusammen, die ihn bereits in Dortmund an deutlich mehr Einsätzen hinderten.
Wettbewerbsübergreifend kam er beim BVB zwar nur auf zehn Einsätze (ein Tor, eine Vorlage), dennoch galt: Immer, wenn er spielte – und nicht von muskulären Problemen gebremst wurde – überzeugte er. Viele sahen in ihm bereits einen potenziellen WM-Kandidaten für Argentinien. Und es schien so, als würden die Dortmunder seine Wehwehchen immer besser in den Griff bekommen.
BVB trauert Anselmino-Abgang noch immer hinterher
In Dortmund trauern sie Anselminos Abgang nach wie vor hinterher. „Ich schaue immer wieder nach auf meiner Applikation, wie Straßburg gespielt hat bzw. ob er gespielt hat. Das ist völlig normal“, erklärt Niko Kovac auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Leverkusen (LIVETICKER) auf SPORT1-Nachfrage und weiter: „Es tut mir schon weh, dass er nicht so oft spielt, wie er das bei uns gemacht hat und getan hätte.“
Es klingt wie ein kleiner Vorwurf in Richtung des FC Chelsea, der den Innenverteidiger im Winter völlig überraschend früher zurückbeorderte und nicht – wie geplant – bis Sommer in Dortmund Spielpraxis sammeln ließ. Und dann schob der BVB-Trainer noch einen Satz hinterher, der Raum für Spekulationen lässt: „Aber man weiß ja nie, was im Leben passiert.“ Selbst Kovac merkte wohl, dass seine Aussagen anders gedeutet werden könnten, und fügte hinzu:
„Jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf uns und dann mal schauen“, lachte er das Thema weg und mahnte mit einem breiten Grinsen: „Nicht doppeldeutig! Also nicht falsch interpretieren!“
Fakt ist dennoch: Die Dortmunder beobachten die Entwicklung des Youngsters weiterhin genau. Kein Wunder: Mit Niklas Süle verlässt bereits ein Innenverteidiger den Verein sicher, Nico Schlotterbeck könnte folgen. Wieso also nicht einen holen, der schon in Dortmund sein Können unter Beweis gestellt hat?
Anselmino genießt beim BVB höchste Wertschätzung
Als Anselmino im Sommer zum BVB wechselte, war er eigentlich als Backup für Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton, Emre Can, Niklas Süle und sogar hinter Filippo Mané eingeplant. Doch aufgrund von Verletzungssorgen rückte er plötzlich in die erste Reihe. Gerade einmal vier Tage nach seiner Verpflichtung wurde er ins kalte Wasser geworfen: Anselmino feierte gegen Union Berlin (3:0) sein Debüt – und das direkt in der Startelf – und begeisterte.
Trainer Niko Kovac bescheinigte ihm damals, ein „Weltklasse-Spiel“ gemacht zu haben, beschrieb ihn als „sensationell gut“ und den Transfer als „guten Fang“. Dafür, dass sie einen solchen Spieler entdeckt und verpflichtet hatten, klopften sie sich in Dortmund selbstbewusst auf die Schulter.
Wie groß die Wertschätzung auch innerhalb des Teams war, zeigte sein überraschender und etwas fragwürdiger Abgang im Winter: Unter Tränen verabschiedete er sich von seinen Teamkollegen und den BVB-Mitarbeitern – nach gerade einmal fünf Monaten in Schwarz-Gelb. Auch den Fans war der Argentinier ans Herz gewachsen, weil er genau das verkörperte, was sie im Ruhrpott sehen wollen: Aggressiv, leidenschaftlich, dynamisch und dennoch stark am Ball.
Chelseas fragwürdige Rückholaktion – BVB waren die Hände gebunden
Dass Chelsea ihren Innenverteidiger (Vertrag bis 2031) im Winter ganz plötzlich vom BVB zurückbeorderte – nicht, um ihm in London Spielminuten zu geben, sondern um ihn direkt an ihren Partnerverein weiterzuverleihen -, stößt bis heute auf Unverständnis in Dortmund. Übrigens sind derartige Transferaktivitäten alles andere als ungewöhnlich bei den Londonern.
Die Sorge der Blues, dass sich Anselmino noch stärker einlebt und von sich aus nicht mehr wechseln will, war zu groß – vermutlich sogar berechtigt. Dennoch: Für den 20-Jährigen dürfte diese Odyssee alles andere als angenehm sein.