Ein knapper 3:2-Sieg in Bergamo, ausgelassene Jubelszenen mit den mitgereisten Fans und ein Trio in Hochform: Real Madrid zeigte am Dienstagabend gegen Atalanta Bergamo sein königliches Gesicht.
Bellinghams Wiederauferstehung
Jude Bellingham, der mit seinem Treffer in der 59. Minute erneut entscheidend war, steht dabei sinnbildlich für den Aufwärtstrend der Madrilenen.
Seine persönliche Geschichte macht diesen kalten Abend unterm italienischen Sternenhimmel umso schillernder: Noch im November hatte der Engländer nach 179 Tagen Torflaute endlich wieder für Real getroffen - beim 4:0-Sieg gegen Osasuna. Seither hat er in fünf Partien infolge das Runde ins Eckige befördert.
Real Madrid feiert Offensive um Bellingham
Die spanische Presse war so verzückt von den drei Torschützen Kylian Mbappé, Vinícius und Bellingham, dass die Marca den Beginn der “BMV”-Ära ankündigte. Angeführt mit dem “B” für Bellingham, wohlgemerkt. Denn es ist vor allem die Wiederauferstehung des jungen Engländers, die Real zurück auf die Erfolgsspur führte.
Nach einer überragenden ersten Saison bei Real Madrid, in der Bellingham mit seiner Box-to-box-Dynamik glänzte, hatte der 21-Jährige zu Beginn der aktuellen Spielzeit Schwierigkeiten, in Tritt zu kommen.
Die neue Saison begann nicht nur mit einer hohen Erwartungshaltung, sondern auch mit einer entscheidenden taktischen Veränderung: Der Abgang von Toni Kroos zwang Carlo Ancelotti zu einer Anpassung. Bellingham, der im Vorjahr vor allem in der Offensive für Furore gesorgt hatte, wurde in eine tiefere Rolle zurückgezogen.
Bellingham: „War nicht leicht“
„Ich musste lernen, das Spiel anders zu lesen und zu gestalten“, erklärte Bellingham nach dem Spiel gegen Atalanta dem amerikanischen Sender CBS. „Meine Aufgabe ist es jetzt, das Spiel aus der Tiefe aufzubauen und gleichzeitig im richtigen Moment nach vorne zu stoßen. Es war nicht leicht, mich daran zu gewöhnen.“
Die Umstellung war zunächst ein Rückschlag. Bellingham wirkte gehemmt, wurde teils als “One Season Wonder” angeprangert.
Seine Tore und die berühmte Feierpose mit ausgebreiteten Armen blieben aus. Es schien, als würde der 113-Millionen-Euro-Mann mit seiner neuen Rolle fremdeln. Doch die Wende kam – und sie war spektakulär.
Ancelotti: “Jude hat unglaubliche Entwicklung gemacht”
Am 9. November 2024 erzielte Bellingham sein erstes Tor der Saison beim 4:0 gegen Osasuna und durchbrach damit eine Durststrecke von 179 Tagen.
Ein Tor, das zum Befreiungsschlag wurde. Seither hat er in fünf Spielen in Folge getroffen und damit nicht nur seine Kritiker zum Schweigen gebracht, sondern auch Real Madrid zurück in die Erfolgsspur geführt.
Sein Treffer gegen Atalanta war typisch für den „neuen“ Bellingham: Aus einer tieferen Position arbeitete er sich geduldig nach vorne, ehe er im richtigen Moment zuschlug.
„Jude hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht“, lobte Ancelotti seinen Schützling nach dem Spiel. „Seine neue Rolle verlangt Disziplin und Intelligenz, aber er hat bewiesen, dass er beides mitbringt. Sein Tor heute war entscheidend und zeigt, warum er so wichtig für uns ist.“
Trio aus Bellingham, Mbappé und Vinícius
Die Leistung gegen Atalanta machte deutlich, dass das Zusammenspiel der Real-Stars immer besser funktioniert. Bellingham, Mbappé und Vinícius bilden ein Trio, das nicht nur brandgefährlich ist, sondern auch zunehmend harmoniert.
Während Mbappé mit seinem explosiven Antritt und Vinícius mit seinen Dribblings für Chaos sorgen, übernimmt Bellingham die Rolle des Strategen. Er ist der Taktgeber, der das Tempo bestimmt, Räume erkennt und gleichzeitig torgefährlich bleibt.
„Wir verstehen uns immer besser und das sieht man auf dem Platz“, erklärte Vinícius nach dem Spiel.
Die Anpassung an die tiefere Rolle hat Bellingham zu einem noch vielseitigeren Spieler gemacht. Er besticht nun als Stratege, der das Spiel aus der Tiefe prägt - ähnlich wie zu Dortmunder Zeiten.
Diese neue Verantwortung hat ihm mehr Aufgaben in der Defensive beschert, doch sie hat auch seine Spielintelligenz geschärft. „Es ist eine neue Herausforderung, aber ich fühle mich stärker denn je“, sagte Bellingham. „Ich habe gelernt, wann ich das Tempo anziehen muss und wann ich Ruhe reinbringen kann.“
Bellinghams Tempo steht seinem Team gerade sehr gut zu Gesicht. Wenn es nach Ancelotti geht, darf der Engländer den BMV-Motor wohl gerne weiter ankurbeln.